Nachrichten

Aktien Frankfurt: Dax weitet Verlust etwas aus - Waffenruhe im Iran-Krieg fragil

Aktien Frankfurt: Dax weitet Verlust etwas aus - Waffenruhe im Iran-Krieg fragil

28.5.2026 12:18:16 | Quelle: dpa | Lesedauer etwa 3 min.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die sich wieder verschärfende Auseinandersetzung im Nahen Osten hat den Dax am Donnerstag nicht übermäßig beeindruckt. "Die Anleger in Frankfurt bleiben mit Blick auf Nahost in Lauerstellung und bauen trotz der wieder aufflackernden Angriffe auf ein konstruktives Verhandlungsergebnis", kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst CMC Markets.

Allerdings weitete der deutsche Leitindex im Zuge deutlich steigender Ölpreise sein Minus mit 25.030 Punkten am frühen Nachmittag auf 0,59 Prozent aus. Damit steuert er auf den dritten Verlusttag in Folge zu. Das Rekordhoch bei 25.507 Punkten, zu dem ihm am Montag zeitweise nur noch rund 70 Punkte gefehlt hatten, rückte so noch etwas weiter in die Ferne.

Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen verlor zuletzt 0,15 Prozent auf 32.961 Punkte, während der 0,4 Prozent festere Nebenwerte-Index SDax seine Rekordjagd fortsetzte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,5 Prozent nach unten. An den gut gelaufenen New Yorker Börsen zeichne sich nach dem durchwachsenen Mittwoch ebenfalls Verluste ab.

Das US-Militär hatte in der Nacht zu Donnerstag einen Bereich des Flughafens in der Hafenstadt Bandar Abbas im Landessüden attackiert, wie iranische Medien berichteten. Sechs Drohnen wurden nach US-Angaben abgeschossen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim zitierte eine Militärquelle, wonach mehrere Schiffe die Meerenge mit abgeschaltetem Radarsystem passieren wollten. Warnschüsse der Revolutionsgarden hätten zwei Schiffe zum Umkehren gezwungen und die US-Angriffe ausgelöst. In Reaktion auf diese habe man die US-Luftwaffenbasis attackiert, von der die Schläge ausgegangen seien. Zudem wurden bei israelischen Angriffen im Libanon nach staatlichen Angaben erneut mehrere Menschen getötet.

Gefragt waren vor diesem Hintergrund die Aktien von Unternehmen aus dem Rüstungsbereich. Im Dax führte Rheinmetall mit einem Plus von 3,5 Prozent die Gewinnerliste an. Damit setzten die Aktien ihre Erholung vom Mitte Mai markierten Tief seit April vergangenen Jahres fort. Der Konzern vermeldete einen Auftrag für mehr als 2.000 militärische Transportfahrzeuge im Wert von rund einer Milliarde Euro. Für 2026 steht beim einstigen Überflieger indes immer noch ein Kursrückgang von gut 17 Prozent zu Buche.

Die Branchenkollegen TKMS , Renk Hensoldt und der Spezialchemiekonzern Alzchem aus der zweiten und dritten deutschen Börsenreihe stießen am Donnerstag ebenfalls auf großes Kaufinteresse. Hier standen Gewinne von bis zu 7,5 Prozent zu Buche. Sie haben sich seit Jahresbeginn allesamt besser als Rheinmetall geschlagen.

Der Halbleiterkonzern Infineon erzielte ein Kursplus von 2,4 Prozent auf 78,56 Euro. Die seit Wochen starken Aktien blieben nur knapp unter ihrem am Vortag erreichten Hoch seit dem Jahr 2000, bevor Gewinnmitnahmen eingesetzt hatten. Nun schraubten sowohl Deutsche Bank Research als auch die US-Bank Morgan Stanley ihre Kursziele mit 90 beziehungsweise 91 Euro deutlich nach oben.

Dagegen ging es für Bayer um 2,2 Prozent bergab. Hier belastete ein Bericht über eine Klage des US-Saatgutunternehmens Latham. Es wirft dem Agrarchemie- und Pharmariesen demnach vor, wettbewerbswidrige Praktiken angewendet zu haben, um den US-Markt für gentechnisch verändertes Maissaatgut zu monopolisieren.

Zu den größten Verlierern im MDax zählte Delivery Hero . Die Aktien des Essenslieferdienstes büßten 3,3 Prozent ein, obwohl der US-Fahrdienstvermittler Uber seine Beteiligung deutlich aufgestockt hat. Der direkte Anteil ist demnach von 19,5 auf 24,99 Prozent gestiegen. Weitere fast 12 Prozent hält Uber indirekt über Finanzinstrumente.

Vor diesem Hintergrund sei es unklar, ob und wann Uber durch die Erhöhung der Stimmrechte zu einem offiziellen Übernahmeangebot verpflichtet werde, schrieb Citigroup-Analystin Monique Pollard. Nach deutschem Recht wäre dies eigentlich beim Erreichen der 30-Prozent-Schwelle der Fall. Dass die Nachrichten die Aktien nicht weiter antreiben würden, hatte Pollard angesichts der Kursverdoppelung seit ersten Berichten über die Uber-Absichten vor knapp drei Wochen schon erwartet./gl/jha/

Von Gerold Löhle, dpa-AFX