FRANKFURT (dpa-AFX) - Die generell immer noch zuversichtliche Stimmung an den internationalen Aktienmärkten könnte den Dax auch in der neuen Woche stützen. Weiterhin sind die Anleger der Auffassung, dass im Iran-Krieg ein Friedensschluss wahrscheinlicher ist als eine Eskalation.
Allerdings ist der aktuelle Waffenstillstand brüchig, und jede Verschärfung der Lage könnte die Aussichten auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus eintrüben. Sollte der Iran die für den Welthandel wichtige Meerenge dauerhaft faktisch blockieren, würde dies die Ölpreise wieder in die Höhe schnellen und so Inflationssorgen erneut aufleben lassen. Dies würde den deutschen Leitindex entsprechend belasten.
Aktuell gebe die Aufwärtsdynamik vom Pfingstmontag dem deutschen Aktienmarkt noch technischen Rückenwind, schrieb Vermögensverwalter Ortay Gelen von Axia Asset Management. Sollten sich die diplomatischen Signale aus dem Nahen Osten konkretisieren und der Ölpreis stabil bleiben, dürfte das Rekordhoch von Mitte Januar bei knapp 25.508 Punkten ernsthaft angegriffen werden - was wiederum Anschlusskäufe auslösen könnte.
Allerdings bleibe die Lage fragil, fuhr Gelen fort: "Der Widerstandsbereich zwischen 25.400 Punkte und dem Rekordhoch ist historisch bedeutsam - scheitert der Dax hier erneut, sind Gewinnmitnahmen programmiert." Auch ein unerwarteter Rückschlag in den Nahost-Verhandlungen könnte die Stimmung rasch kippen lassen.
Aktuell jedoch könnte der Iran-Krieg am Aktienmarkt erst einmal etwas in den Hintergrund rücken, schrieb Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Allmählich drängten wieder andere Themen in den Vordergrund. So stünden in den USA und im Euroraum in der neuen Woche wichtige Konjunkturindikatoren zur Veröffentlichung an. Für die Vereinigten Staaten geben Windt zufolge die Einkaufsmanager-Umfragen und der monatliche Arbeitsmarktbericht Auskunft über die konjunkturelle Lage.
Im Euroraum und in Deutschland stehen der Helaba zufolge ebenfalls die Einkaufsmanager-Indizes im Fokus. Anders als in den USA dürften diese wohl weiterhin unter der Expansionsgrenze von 50 Punkten liegen.
Auch die Experten der DZ Bank sind grundsätzlich positiv gestimmt: "Der Dax beweist Stärke und nähert sich seinem Allzeithoch, angetrieben von einem kraftvollen KI-Boom und sinkenden Ölpreisen." Diese bemerkenswerte Entwicklung zeige, dass globale Megatrends wie die Künstliche Intelligenz die heimische Konjunkturschwäche derzeit überkompensieren könnten.
Die zusätzliche Entlastung durch die gesunkenen Ölpreise sorgt laut der DZ Bank für weitere positive Dynamik und verbessere die Gewinnaussichten. Für die nahe Zukunft werde entscheidend sein, ob die Unternehmen die ambitionierten Gewinnziele tatsächlich erreichten und die globalen Rahmenbedingungen stabil blieben.
Frische Zahlen zur Bewertung der aktuellen Geschäftslage stehen in der neuen Woche kaum auf der Agenda, da die Berichtssaison zum ersten Quartal mittlerweile so gut wie beendet ist. Nunmehr laden viele Unternehmen ihre Aktionäre zu den Hauptversammlungen ein. Für die Anleger bedeutet dies, dass die entsprechenden Papiere gegebenenfalls einen Tag nach den Aktionärstreffen mit einem Dividendenabschlag gehandelt werden.
Am Mittwoch nach Börsenschluss gibt die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx bekannt, welche Veränderungen sie in den Indizes der Dax-Familie vornimmt. Die Aktien des Baukonzerns Hochtief stehen laut dem Experten Pankaj Gupta von der US-Bank JPMorgan nach dem starken Lauf der vergangenen Monate vor dem Aufstieg in den Leitindex. Einen zweiten Kandidaten sieht der Fachmann in der Fluggesellschaft Lufthansa . Als Abstiegskandidaten nannte er neben dem Online-Händler Zalando die VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche SE ./la/jsl/he
Von Lutz Alexander, dpa-AFX