WIEFELSTEDE (dpa-AFX) - Nach jahrelangen Planungen und Auseinandersetzungen haben die Bauarbeiten für den ersten Abschnitt der Autobahn 20 in Niedersachsen offiziell begonnen. "Die Küstenautobahn A 20 ist das wichtigste Infrastrukturprojekt Norddeutschlands", betonte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder beim symbolischen Spatenstich. Sie werde eine Entlastung für die bestehenden Autobahnen in und um Hamburg sein und die deutschen Häfen an Nord- und Ostsee verbinden, sagte der CDU-Politiker.
Bislang endet die A20 vom polnischen Stettin kommend östlich von Bad Segeberg in Schleswig-Holstein. Mit dem Bau in Niedersachsen sollen die Nord- und Ostseeanrainerstaaten näher zusammenrücken und die Hinterlandanbindung der deutschen Seehäfen verbessert werden. Der erste Abschnitt entsteht im Landkreis Ammerland zwischen Westerstede (A28) und Jaderberg (A29) nahe Oldenburg.
Ministerpräsident Lies: "Signal des Aufbruchs"
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bezeichnete den Spatenstich für den 13 Kilometer langen Teil als "ein Signal des Aufbruchs". "Die A 20 sorgt für mehr Mobilität der Bürgerinnen und Bürger, erleichtert den Transport von Waren, löst logistische Herausforderungen und befördert den Tourismus", betonte der SPD-Politiker.
Für den ersten Bauabschnitt rechnet die Autobahn GmbH mit einer Bauzeit von mehreren Jahren und Kosten in Höhe von rund 340 Millionen Euro. Zunächst finden den Angaben zufolge entlang des Trassenverlaufs vorbereitende Baumaßnahmen statt, bevor Ende 2028 mit dem eigentlichen Trassenbau begonnen wird. Die bauvorbereitenden Maßnahmen hatten bereits im Mai in Wiefelstede (Landkreis Ammerland) begonnen.
Insgesamt soll die A20 in Niedersachsen eine Länge von mehr als 100 Kilometer haben. Der zweite Bauabschnitt befindet sich noch im Planfeststellungsverfahren. Von den geplanten 112 Kilometern auf schleswig-holsteinischem Boden sind rund 39 Kilometer gebaut. Ende Mai erfolgte nach jahrelangem Streit der Spatenstich für den Weiterbau bei Bad Segeberg. Der Abschnitt ist knapp zehn Kilometer lang.
Verzögerungen in Schleswig-Holstein
2013 hatte das Bundesverwaltungsgericht den Weiterbau der Autobahn in Schleswig-Holstein gestoppt. Die Richter sahen den Fledermausschutz als nicht ausreichend beachtet an. Als Folge des Urteils entschieden sich die Planer für Bau von Tunneln und Leitstrukturen wie Schutzwände, damit die Fledermäuse nicht mit Lastwagen kollidieren.
Im November 2025 einigten sich das Land Schleswig-Holstein und der Umweltverband BUND über mehr Fledermausschutz rund um die als größtes Fledermaus-Überwinterungsquartier Deutschlands geltenden Kalkberghöhlen in Bad Segeberg. Geplant ist eine mit 14 Millionen Euro ausgestattete Fledermausstiftung.
Umweltschützer protestieren gegen Baustart
Um den Bau des ersten Autobahnabschnitts in Niedersachsen rangen Gegner und Befürworter ebenfalls jahrelang. Umweltschützer protestierten beim Spatenstich mit Trillerpfeifen und Bannern gegen den Bau. Dieser zerstöre Moore, die enorme Mengen CO2 binden, sagte Annika Fuchs von der Organisation Robin Wood. Dadurch werde das Klima angeheizt.
Da der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zuletzt eine Klage gegen einen Änderungsbeschluss zurückgenommen hatte, gilt seit 2025 ein Planfeststellungsbeschluss. Das Bundesverkehrsministerium hatte Ende 2025 grünes Licht für den Bau gegeben. Der BUND kündigte jedoch an, gegen den sechsten Abschnitt der A20 in Niedersachsen zwischen Bremervörde und Elm (Landkreis Rotenburg) zu klagen.
Grüne: A20 ist klimaschädlichstes Autobahnprojekt
Auch die Grünen sind gegen das Autobahnprojekt. Die Verkehrsexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Swantje Michaelsen, kritisierte die A20 als "klima- und umweltschädlichste Autobahnprojekt in ganz Deutschland". Der Fokus müsse sich endlich "von der Straße auf die Schiene und die nachhaltige Mobilität verschieben".
Die Industrie- und Handelskammern in der Region werteten dagegen den Baubeginn als einen längst überfälligen Schritt. André Grobien, Präses der Handelskammer Bremen, sagte, die A20 helfe der Energiewende. "Diese verlangt Großraumtransporte mit maximalen Abmessungen", unterstrich er. Mit Blick auf die geopolitische Lage leiste der Ausbau zudem einen wichtigen Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands./jbi/DP/jha