GAZA/TEL AVIV (dpa-AFX) - Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge trotz geltender Waffenruhe im Gazastreifen bei einem Angriff einen Kommandeur der Hamas getötet, der gleichzeitig als Arzt in einer Klinik tätig gewesen sein soll. Der Mann sei bereits am Samstag bei einem "präzisen Schlag" im zentralen Abschnitt des Gazastreifens getroffen worden, teilte das israelische Militär am Nachmittag mit. Er sei ein Kompaniechef des militärischen Arms der Hamas gewesen und habe unter anderem Angriffe auf Israel ausgeführt. Zugleich habe er in einer Klinik in der Stadt Deir al-Balah gearbeitet.
Mitarbeiter des Krankenhauses namens Al-Jafa bestätigten den Tod des Arztes bei einem israelischen Angriff, bestritten aber, dass er Verbindungen zur Hamas gehabt habe. Der Mann sei der Leiter der Abteilung für Anästhesie in der Klinik gewesen. Bislang bestätigte auch die Hamas nicht, dass er ein Mitglied der Terrororganisation war. Medizinischen Kreisen im Gazastreifen zufolge wurde er bei einem israelischen Drohnenangriff in Deir al-Balah getötet.
Die palästinensische Nachrichtenagentur meldete zudem einen Getöteten bei einem israelischen Luftangriff am Nachmittag in Bureidsch im Zentrum des Küstenstreifens. Israels Armee äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Bericht.
Hamas lehnt Entwaffnung ab - neue Gespräche ab Donnerstag
Medienberichten zufolge soll es am Donnerstag in Ägypten neue Gespräche mit der Hamas geben, um im Rahmen des von den USA vorangetriebenen Gaza-Friedensplans ihre Entwaffnung zu erreichen. Die Islamistenorganisation lehnt dies bislang ab.
Die "Times of Israel" berichtete unter Berufung auf zwei an dem Prozess beteiligte arabische Diplomaten, dass der von US-Präsident Donald Trump gegründete Friedensrat wegen des Stillstands in der Angelegenheit derzeit Alternativen erwäge. Möglich sei etwa, mit dem Wiederaufbau bereits in dem von Israels Armee kontrolliertem Gebiet des Gazastreifens zu beginnen und anschließend die Palästinenser - die derzeit alle in einem Teil leben, in dem die Hamas ihre Macht wieder gefestigt hat - zum Umzug zu motivieren. Viele Menschen hausen im Gazastreifen noch immer in Zelten. Das Blatt räumte jedoch ein, dass unklar sei, ob die Gaza-Bevölkerung willens sei, unter israelischer Besatzung zu leben, und ob die Hamas einen Umzug der Menschen in von Israel kontrolliertes Gebiet zulassen würde.
Entwaffnung vor Wiederaufbau geplant
Der Hohe Repräsentant für Gaza, Nickolaj Mladenow, wiederum hatte kürzlich gesagt, dass ein Wiederaufbau des im Krieg weitgehend zerstörten Gazastreifens ohne eine Entwaffnung der Hamas nicht möglich sei. Der Bulgare und frühere UN-Nahost-Gesandte dient als Verbindung zwischen dem Friedensrat und der palästinensischen Übergangsverwaltung des Gazastreifens. Es gehe auch nicht, dass bewaffnete Fraktionen Seite an Seite mit der neuen Übergangsverwaltung existierten.
Die zweite Phase des Gaza-Friedensplans sieht eigentlich zunächst die Entwaffnung der Hamas sowie einen schrittweisen Abzug der israelischen Truppen vor, ehe dann die zerstörten Orte in dem Palästinensergebiet wieder aufgebaut werden.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte kürzlich gesagt, dass Israel seine militärische Kontrolle über den Gazastreifen von derzeit 60 Prozent des Gebiets auf 70 Prozent ausweiten wolle. Bei Inkrafttreten der von den USA vermittelten Waffenruhe im Oktober 2025 lag der israelisch kontrollierte Bereich noch bei 53 Prozent./cir/DP/jha