BERLIN (dpa-AFX) - Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) hat angesichts massiver Kritik am Entwurf zur Pflegereform das Sparziel der Bundesregierung bestärkt. "Das Einzige, was als gesichert angenommen werden muss, ist, dass wir das Ziel erreichen, im nächsten Jahr 7,5 Milliarden Euro einzusparen und auch in den Folgejahren diese Einsparungen zu erbringen", sagte Frei im RTL/ntv-"Frühstart". Im parlamentarischen Verfahren könne noch über viele Details gesprochen werden. Entscheidend sei aber, "einen Ausgleich zu haben zwischen denen, die die Pflegeversicherung benötigen, und denen, die sie zu bezahlen haben".
Auf die Frage, wer künftig mehr zahlen müsse, antwortete Frei, dass noch viele Details zu klären seien. Er erklärte, man müsse sich etwa anschauen, "ab welchem Grad man welche Leistungen erbringt" - etwa bei Entlastungsbeträgen oder der Rentenversicherung für pflegende Angehörige. Die Pflegeversicherung sei "eine Teilversicherung, keine Vollversicherung. Und daraus ergeben sich dann auch besondere Belastungen."
Kritik von der SPD
Beitragserhöhungen als Lösung lehnte Frei ab. "Wir möchten nicht so vorgehen, dass wir die Belastungen für diejenigen, die im Arbeitsprozess sind, weiter steigern", erklärte er. Wollte man die aktuelle Deckungslücke in der Pflegeversicherung allein durch höhere Beitragssätze schließen, "dann müsste man den Beitrag um 0,38 Prozent steigern". "Und das wäre schlecht für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das wäre schlecht für den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Frage der Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitsplätze hier." Stattdessen rät Frei, "an vielen Stellschrauben zu drehen, damit die Belastungen auch verträglich sind".
Am Donnerstag hatte "Politico" auf Basis des Referentenentwurfs des Ressorts berichtet, zur finanziellen Stabilisierung der Pflegeversicherung solle ein Paket mit Ausgabenbremsen und zusätzlichen Einnahmen kommen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant demnach für 2027 höhere Einnahmen und Kürzungen in der Pflegeversicherung mit einem Gesamtvolumen von 11,25 Milliarden Euro. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zum Beispiel hatte die Pläne als "keine Reform, sondern ein Belastungspaket" bezeichnet./jce/DP/jha