FRANKFURT/NEW YORK (dpa-AFX) - Angetrieben von einem positiven Analystenkommentar der kanadischen Bank RBC sind die Aktien von Adidas am Mittwoch auf Erholungskurs geblieben. Die Papiere des Sportartikelherstellers stiegen bis zum Mittag um gut ein Prozent auf 169,10 Euro und steuern so auf ihren vierten Gewinntag in Folge zu.
Der Dax hingegen war zuletzt unter Druck geraten. Aktuell steht der deutsche Leitindex 0,7 Prozent im Minus.
RBC-Analyst Piral Dadhania fand lobende Worte für Adidas: Die Herzogenauracher böten inzwischen ein gut berechenbares Ergebniswachstum, das am oberen Ende der Branche rangiere. Insofern sei die Aktienbewertung noch günstig.
Auch die US-Bank Citigroup äußerte sich generell positiv. Aus ihrer vierteljährlich durchgeführten Umfrage "Citi Athletic Survey" gehe hervor, dass in China die Bereitschaft der Konsumenten zunehme, Produkte von Adidas zu erwerben. Die Chinesen bevorzugten weiterhin internationale gegenüber einheimischen Marken, wobei die Präferenz für letztere aber zunehme. In Nordamerika und in Europa hingegen nehme die Kaufneigung für Adidas etwas ab.
Aktien des Wettbewerbers Puma fielen um 1,7 Prozent und damit stärker als der MDax der mittelgroßen Werte. Auch zu diesem Wert hatte sich RBC-Experte Dadhania geäußert. Für eine optimistischere Einschätzung sei es hier noch zu früh, da sich der Sportartikelhersteller 2026 in einem Übergangsjahr befinde.
Dadhania ging zudem bei Nike an die Seitenlinie. Bei dem US-Konkurrenten bräuchten die Anleger Geduld. Die Kehrtwende des Unternehmens mache unter Konzernchef Elliott Hill zwar Fortschritte, aber Tempo und Ausmaß seien geringer als gedacht. Die Papiere von Nike notierten im vorbörslichen US-Handel 1,5 Prozent im Minus.
Derweil blicken Anleger von Sportartikelherstellern bereits seit Wochen gebannt auf die am Donnerstag startende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Alle drei Marken sind als Teamausrüster an Bord. Adidas dabei letztmals als Ausstatter der DFB-Mannschaft. Künftig werden die deutschen Trikots von Nike gestellt.
Kurz vor Beginn der Fußball-WM rechnet die US-Regierung trotz Diskussionen über hohe Reisekosten und die politische Lage im Land mit einem Besucherrekord. Die Weltmeisterschaft werde die bestbesuchte der Geschichte, sagte der US-Tourismusbeauftragte Nick Adams der Deutschen Presse-Agentur.
Jüngste Daten deuteten auf eine steigende Nachfrage hin, sagte Adams unter Verweis auf Zahlen des Dienstleisters Cirium. Fluggesellschaften schafften zwischen Juni und Oktober wegen der erwarteten Nachfrage rund eine Million zusätzliche Sitzplätze auf Verbindungen zwischen Europa und den USA.
Ob allerdings Anleger von der Fußball-WM dauerhaft profitieren können, sei fraglich, schrieb kürzlich Marc Decker, Co-Leiter Aktien bei Quintet, der Muttergesellschaft der Privatbank Merck Finck. Zwar erziele der Fußball-Weltverband FIFA Milliardenerlöse, während die Unternehmen ihre Marken global emotional aufladen könnten. Studien und Marktanalysen zeigten jedoch, dass sich diese Aufmerksamkeit nur begrenzt in nachhaltigen Aktienkursgewinnen niederschlägt.
Die Gründe dafür liegen Decker zufolge auf der Hand: Für global diversifizierte Konzerne seien die direkten finanziellen Effekte einer WM häufig zu klein, um die fundamentale Bewertung entscheidend zu verändern. Zudem würden erwartbare Umsatzimpulse von den Märkten meist frühzeitig eingepreist. Investoren reagierten letztlich stärker auf Margenentwicklung, Wachstumsperspektiven oder Zinserwartungen als auf sportliche Großereignisse./la/edh/stk