BRÜSSEL (dpa-AFX) - Die EU-Kommission will für zusätzliche Unterstützung der Landwirte angesichts höherer Düngerkosten 500 Millionen Euro einsetzen. Dafür will sie die Agrarreserve der Gemeinsamen Agrarpolitik aktivieren, in der laut EU-Agrarkommissar Christophe Hansen noch gut 200 Millionen Euro sind. Die Kommission schlägt außerdem vor, dass die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament die Reserve um 300 Millionen Euro aufstocken, um Landwirten "gezielte und außerordentliche Unterstützung zu gewähren", wie aus dem Vorschlag zum Berichtigungshaushalt hervorgeht.
Die EU-Kommission hatte im Mai ein Unterstützungspaket angekündigt. Wie viel Geld zusätzlich an die Landwirte und Landwirtinnen fließen soll, war bislang nicht bekanntgeworden.
Lebensmittelversorgung im Blick
Hansen blickt mit Sorge auf die Aussaat der Winterfrüchte. Bislang habe es trotz der Marktlage wenig Probleme gegeben, weil die Landwirte im letzten Herbst größtenteils ihre Düngemittel-Reserven angelegt hatten.
Doch nun überlegten manche Landwirte angesichts der Preise, ob sie anpflanzen oder sich stattdessen an einem Umweltprogramm beteiligen, bei dem sie unter Umständen ohne Dünger mehr Geld bekämen. "Und das ist natürlich eine Riesengefahr für unsere Lebensmittelversorgung", sagte Hansen der Deutschen Presse-Agentur.
Insbesondere der Preis für Stickstoffdünger ist stark von Erdgas abhängig und angesichts des Kriegs im Nahen Osten und der Sperrung der Straße von Hormus gestiegen. Mit verschiedenen Vorhaben will die EU-Kommission die Versorgung mit bezahlbaren Düngemitteln kurz- und langfristig sichern, Treibhausgasemissionen senken und die Importabhängigkeit reduzieren. So will sie unter anderem Anreize für mehr Düngemittel mit organischem Dünger setzen.
Günstigere Importe möglich
Damit Landwirte günstiger an bestimmte importierte Düngemittel kommen, wurden zudem bis Ende Mai 2027 die Standardzölle auf Einfuhren mehrerer wichtiger Stickstoffdüngemittel und Vorprodukte für deren Herstellung ausgesetzt. Nach Angaben der Europäischen Kommission können mit der Maßnahme rund 60 Millionen Euro an Einfuhrzöllen gespart werden./wea/DP/stk