Nachrichten

Macron fordert Schulterschluss gegen Handelsungleichgewichte

Macron fordert Schulterschluss gegen Handelsungleichgewichte

11.6.2026 14:28:31 | Quelle: dpa | Lesedauer etwa 2 min.

PARIS (dpa-AFX) - Vor dem Gipfel der führenden westlichen Industriestaaten (G7) in der kommenden Woche in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron mehr Einsatz gegen Ungleichgewichte im Welthandel gefordert. Bei einer Videokonferenz mit den G7-Staaten sowie China und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) pochte Macron auf ein koordiniertes Vorgehen von Europa, China und den USA, um zu einem ausgewogenen und nachhaltigen Wachstum zu gelangen.

"Zunächst einmal besteht dringender Handlungsbedarf", sagte Macron. "Die globalen Ungleichgewichte bestehen seit langem und haben sich in den letzten Jahren noch verstärkt, wodurch das Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität gefährdet sind." Die derzeitige globale geopolitische Lage verstärke diese Ungleichgewichte ganz offensichtlich noch. "Dies wird einer der Schwerpunkte unserer Gespräche beim G7-Gipfel sein."

Von Montag bis Mittwoch kommender Woche kommen die Staats- und Regierungschefs der G7-Länder zu Beratungen in Évian-les-Bains am Genfer See zusammen.

Gemeinsames Vorgehen der Industrieländer nötig

"Die Bewältigung globaler Ungleichgewichte liegt in der gemeinsamen Verantwortung sowohl der Überschuss- als auch der Defizitländer", sagte Macron. "Werden diese Ungleichgewichte nicht durch ein koordiniertes Vorgehen der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt angegangen, besteht die Gefahr, dass sie sich auf ungeordnete Weise auflösen und zu abrupten wirtschaftlichen und finanziellen Anpassungen führen."

Das aktuelle Ungleichgewicht im Welthandel ist geprägt durch ein Handelsbilanzdefizit der USA, die viel ausgeben und sich stark verschulden sowie China, das viel exportiert und wenig einkauft und Rekordüberschüsse erzielt. Europa produziert und exportiert zwar viel, sieht sich allerdings in der Klemme zwischen den Zöllen seines größten Abnehmers, den USA, sowie der chinesischen Konkurrenz, die seiner Industrie zusetzt.

Europa muss Investitionen und Produktivität hochfahren

Bereits beim G7-Finanzministertreffen in Paris vor drei Wochen gab es die Forderung, China solle seine exportgetriebene Überkapazität und die schwache Binnennachfrage abbauen, die USA sollten ihren konsum- und schuldengetriebenen Nachfrageüberschuss verringern, und Europa solle deutlich mehr investieren - insbesondere in Technologie, Produktivität und Zukunftsindustrien. "Wir wissen, dass wir in Europa bezüglich Produktivität und Investitionen hinterherhinken", sagte Macron.

Die "Gruppe der Sieben" (G7) ist eine informelle Allianz führender Industrienationen. Die Mitglieder sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Auch die Zentralbanken der Mitgliedstaaten waren bei dem Treffen vertreten. Frankreich hat im laufenden Jahr den G7-Vorsitz./evs/DP/jha