AUSTIN (dpa-AFX) - Der US-Software- und Datacenter-Konzern Oracle bekommt weiter deutlich Schwung von den KI-Ausgaben seiner Kunden. Die Umsätze mit Cloud-Infrastruktur (etwa KI-Rechenzentren) wuchsen im vierten Quartal auf 5,8 Milliarden US-Dollar (rund 5,0 Mrd Euro), wie der SAP -Rivale am Mittwoch nach US-Börsenschluss in Austin (Texas) mitteilte. Das waren 93 Prozent als ein Jahr zuvor und damit leicht mehr als von Experten geschätzt. Die Aktie gab im vorbörslichen US-Handel am Donnerstag dennoch zuletzt um 7,2 Prozent auf 186,63 Dollar deutlich nach.
In den vergangenen Monaten waren die Anleger bereits gut durchgeschüttelt worden und blieben daher nervös. Nach einem rasanten Anstieg im vergangenen Herbst hatte das Papier monatelang fast nur den Weg nach unten gekannt. Mit der KI- und Tech-Rally der vergangenen Wochen hatte es sich wieder auf 250 Dollar hochgearbeitet, um dann wieder auf 200 Dollar zurückzufallen.
Die Experten des Analysedienstes Vital Knowledge attestierten dem Konzern ein ordentliches Abschneiden im Quartal. Der Firma stünden aber nach wie vor hohe Geldabflüsse bevor, um die Kapazitäten für den wachsenden Auftragsbestand aufzubauen. Das werde mehr Schulden und Eigenkapital benötigen.
Für Analyst Arti Vula von der US-Bank JPMorgan hat sich das währungsbereinigte Wachstum im vierten Geschäftsquartal erneut beschleunigt. Vula hob zudem den rekordhohen Auftragsbestand hervor. Auch das Geschäft neben der KI-Infrastruktur bleibe dynamisch.
Auch Brent Thill vom Analysehaus Jefferies hob den weiter steigenden Auftragsbestand des Softwarekonzerns hervor. Der Umschlag in Umsätze funktioniere aber nicht ganz so gut. Hier sei die Erwartung im vierten Quartal nur knapp übertroffen worden, und das Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2027 sei unverändert. Letzteres könnte zunächst enttäuschen.
Software-Abos und Cloud-Infrastruktur zusammengenommen kam bei Oracle ein Umsatzplus von 48 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar zustande. Das war etwas weniger als von Analysten erwartet.
Der Kapitalbedarf für das Rennen um einen schnellen Ausbau der KI-Rechenkapazitäten ist in der Branche riesig. Oracle gab im vergangenen Geschäftsjahr (Ende Mai) 55,7 Milliarden Dollar für Investitionen aus, vorwiegend für KI-Technik. Das war deutlich mehr als die veranschlagten 50 Milliarden.
Im laufenden ersten Quartal rechnet Oracle nun mit einem Erlösplus von insgesamt 27 bis 29 Prozent. Im gesamten Jahr soll der Umsatz wie bereits bekannt 90 Milliarden Dollar betragen./men/err/jha/