TOKIO (dpa-AFX) - Die japanische Zentralbank hat den Leitzins unter anderem wegen der Folgen des Iran-Kriegs wie erwartet erhöht. Der Zinssatz wurde um 0,25 Prozentpunkte auf 1,00 Prozent nach oben gesetzt, teilte die Notenbank am Dienstag in Tokio mit. Dies ist der höchste Stand seit 1995. Der Schritt war von den von Bloomberg befragten Experten erwartet worden. Die Entscheidung fiel mit 7 zu 1 Stimmen. Zuletzt hatte die Notenbank den Leitzins im Dezember angehoben.
Darüber hinaus hat die Bank of Japan in den kommenden Monaten einen weiteren Zinsschritt signalisiert. Da sich die Inflation der Marke von 2 Prozent annähere, werde die Notenbank den Leitzins weiter anheben, heißt es in der Stellungnahme zur Zinsentscheidung.
Zudem stellte die Notenbank fest, dass sich die japanische Wirtschaft zuletzt moderat erholt habe. Zwar hätten höhere Rohölpreise belastet, die Konjunktur sei aber insgesamt durch hohe Unternehmensgewinne oder eine Verbesserung der Beschäftigungs- und Einkommenslage gestützt worden. Generell sei das Risiko einer erheblichen wirtschaftlichen Abkühlung im Vergleich zu früher gesunken, wie aus der Stellungnahme weiter hervorgeht.
Die Währungshüter kündigten darüber hinaus an, dass die Anleihekäufe weiter gedrosselt werden sollen. Von Juli bis September will die Notenbank monatlich Staatsanleihen im Wert von 2,5 Billionen Yen (13,5 Milliarden Euro) zurückkaufen. Das wären rund 200 Milliarden Yen weniger als im zweiten Quartal. Das Volumen soll dann bis April 2027 weiter zurückgefahren und dann bei rund 2 Billionen Yen beibehalten werden.
Am japanischen Aktienmarkt ging es ungeachtet der Zinserhöhung weiter nach oben. Der Nikkei 225 stieg zeitweise erstmals auf mehr als 70.000 Punkte. Das Niveau konnte der japanische Leitindex nicht halten, beendete den Handel aber mit einem Schlussrekord von 69.404 Punkten. Der Kurs des japanischen Yen reagierte kaum auf die Zinsentscheidung.
Die Zinserhöhung sei am Markt voll eingepreist gewesen, sagte Devisenexperten Volkmar Baur von der Commerzbank. Seiner Einschätzung nach habe die Bank of Japan auch nichts gesagt, was die Erwartung des Marktes an den weiteren Leitzinspfad verändert haben könnte. "Eine weitere Anhebung bis Jahresende war gestern zu rund 85 Prozent eingepreist und ist es jetzt auch immer noch", sagte Baur./jkr/zb/stk