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ROUNDUP/Kreise: Rente grundsätzlich erst ab 64

ROUNDUP/Kreise: Rente grundsätzlich erst ab 64

22.6.2026 13:08:32 | Quelle: dpa | Lesedauer etwa 4 min.

BERLIN (dpa-AFX) - Die 33 Empfehlungen der Rentenkommission sorgen für Wirbel. Im Abschlussbericht, der der Deutschen Presse-Agentur in vorläufiger Fassung vorliegt, schlägt das Gremium deutliche Einschränkungen bei beliebten Modellen für Altersteilzeit und Frührente vor. An diesem Dienstag übergibt die Rentenkommission ihren Bericht offiziell der Bundesregierung, die darauf ihre Reform der Alterssicherung aufbauen will. Bereits bekannte Vorschläge stoßen auf unterschiedliche Reaktionen von Politik, Gewerkschaften und Arbeitgebern.

Rente erst ab 64

Der 76 Seiten starke Bericht umfasst auch einige wichtige Details, die bisher weniger diskutiert wurden. Bisher nutzen etwa Hunderttausende die Option, nach 35 Berufsjahren mit 63 mit Abschlägen in Rente zu gehen. "Die Kommission empfiehlt, die Altersgrenze für die Rente für langjährig Versicherte zeitnah von 63 auf 64 Jahre zu erhöhen", heißt es im Bericht. Danach soll die Altersgrenze parallel zur Regelaltersgrenze weiter steigen.

Dieser Punkt hat übrigens nichts mit der abschlagsfreien Rente nach 45 Berufsjahren zu tun, bekannt als "Rente mit 63". Sie soll abgeschafft werden. Im Rentendeutsch heißt diese Option "abschlagsfreie vorgezogene Rente für besonders langjährig Versicherte", die andere ist für "langjährig Versicherte".

Kein Blockmodell mehr für Altersteilzeit

Bei der Altersteilzeit empfiehlt die Kommission Änderungen, um Menschen länger im Job zu halten: Die Altersgrenze soll von 55 auf 58 Jahre angehoben und das Blockmodell abgeschafft werden. Das sieht bisher vor: Man arbeitet in der ersten Hälfte der Altersteilzeit voll, bekommt aber nur einen Teil des Gehalts. In der zweiten Hälfte läuft es in gleicher Höhe weiter, ohne dass man arbeiten muss. Das soll es nicht mehr geben. Zudem sollen Langzeitarbeitslose nicht mehr verpflichtet werden, mit Abschlägen in Rente zu gehen.

Keine Beiträge auf andere Einkünfte

Grundsätzlich soll es nach Empfehlung der Kommission beim einheitlichen Beitragssatz auf Löhne und Gehälter bleiben. Andere Einkunftsarten wie Kapitalerträge oder Mieteinnahmen sollen nicht für Beiträge herangezogen werden. Die Beitragsbemessungsgrenze soll auch weiter jährlich gemäß der Lohnentwicklung angepasst werden. Bis zu der Grenze werden auf das Gehalt Rentenbeiträge fällig. Eine Erhöhung ist nicht vorgesehen.

Schon seit dem Wochenende werden andere zentrale Punkte diskutiert:

Die Kapitalrente

Das Rentenniveau soll durch eine neue Kapitalrente langfristig gesichert werden. Gemeint ist, dass ein Teil der Rentenbeiträge am Aktienmarkt angelegt wird. Konkret geht es um zwei Prozent vom Bruttolohn, aufwachsend von anfangs 0,5 Prozent. Davon soll je die Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern kommen. Vorbild ist Schweden.

Steigendes Rentenalter

Das gesetzliche Rentenalter steigt heute bis 2031 auf 67 Jahre. Nach den Empfehlungen der Kommission soll es danach je Jahrzehnt um ein halbes Jahr weiter hochgehen. Das heißt, ab 2041 wären es 67,5 Jahre und so weiter. Für ein heute vierjähriges Kind könnte demnach sogar die "Rente ab 70" kommen.

Selbstständige und Politiker in die Rentenkasse

Künftig sollen nach Empfehlung der Kommission auch Selbstständige in die gesetzliche Rente einzahlen, wenn sie nicht schon etwa berufsständisch abgesichert sind. Das soll ab einem bestimmten Stichtag verpflichtend sein. Wer schon heute selbstständig ist, soll ebenfalls einbezogen werden, kann sich aber mit einem Opt-Out dagegen entscheiden.

Laut Kommission sollen auch Politikerinnen und Politiker in die Rentenkasse einzahlen müssen, also Abgeordnete aus dem Bundestag und den Landtagen. Eine Einbeziehung der Beamten in die gesetzliche Rente soll es so bald nicht geben. Doch soll das Pensionsniveau abgeschmolzen werden. Rückstellungen für Pensionen sollen verpflichtend und weniger Beschäftigte Beamte werden.

Nachhaltigkeitsfaktor und Beiträge

Bis 2031 ist ein Rentenniveau von 48 Prozent festgeschrieben. Danach soll der "Nachhaltigkeitsfaktor" wieder greifen, der die jährliche Rentensteigerung dämpft. Mittelfristig soll die Kapitalrente das ausgleichen. Für Menschen, die schon recht nah am Rentenalter sind, ist ein "Übergangsfaktor" vorgesehen, der das Rentenniveau nahe 48 Prozent hält.

Schon ohne Reform gibt es eine Prognose, dass der Beitragssatz 2028 von heute 18,6 sprunghaft auf 19,9 Prozent ansteigt. Daran wird sich nach Angaben aus der Kommission auch mit den Neuerungen nichts ändern. Zusätzlich kämen die paritätischen Pflichtbeiträge für die Kapitalsäule von letztlich 2 Prozent.

Kritik und Lob

Gewerkschaften und Linke kritisieren vor allem die weitere Erhöhung des Rentenalters und die Abschaffung der "Rente mit 63". Juso-Chef Philipp Türmer sagte der Funke Mediengruppe: "Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung ist sozial ungerecht und geht zulasten derjenigen, die gerade in ein Leben voll harter Arbeit starten." Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger lobte Teile des Konzepts. "Insgesamt hätten wir uns mehr Ambition vorstellen können", sagte er aber.

Die Vorsitzende des Sachverständigenrates, Monika Schnitzer, lobte die Empfehlungen im "Handelsblatt". Die Reform weise in die richtige Richtung, sagte auch der "Wirtschaftsweise" Gabriel Felbermayr dem Deutschlandfunk./vsr/bw/bg/DP/nas