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Debatte über Organspenden - 579.000 Einträge in Register

Debatte über Organspenden - 579.000 Einträge in Register

25.6.2026 04:24:16 | Quelle: dpa | Lesedauer etwa 3 min.

BERLIN (dpa-AFX) - Im zentralen Online-Register für Organspenden haben inzwischen knapp 579.000 Menschen ihre Haltung zu ihrer eigenen Spendebereitschaft dokumentiert. Dabei stimmten 82,2 Prozent Organentnahmen nach dem Tod umfassend und ohne Einschränkungen zu, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als Betreiber auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Einen Widerspruch hinterlegten 8,6 Prozent.

Mögliche neue Wege zu mehr dringend benötigten Organspenden sind am Donnerstag Thema einer zweistündigen Debatte im Bundestag. Eine fraktionsübergreifende Abgeordnetengruppe strebt die Einführung einer Widerspruchsregelung an. Das heißt, dass Erwachsene automatisch als Organspender nach dem Tod gelten sollen - außer, man widerspricht aktiv. Bisher ist für Entnahmen eine ausdrückliche Zustimmung erforderlich. In der Debatte geht es vorerst nur um eine allgemeine Aussprache ohne Beschlüsse.

Mehr Organspenden - aber lange Warteliste

Im vergangenen Jahr gaben 985 Menschen ein Organ oder mehrere Organe nach dem Tod für andere frei, wie die koordinierende Deutsche Stiftung Organtransplantation ermittelte. Dies war der höchste Stand seit 2012. Zugleich standen Ende 2025 aber weiterhin 8.200 Menschen auf Wartelisten. Ein erster Anlauf für eine Widerspruchsregelung war 2020 im Bundestag gescheitert.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte, das Parlament führe zum dritten Mal in acht Jahren eine Orientierungsdebatte. "Anscheinend soll so lange beraten und abgestimmt werden, bis ein passendes Ergebnis vorliegt." Er betonte seine Position, dass es Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit niemals ohne Zustimmung des Betroffenen geben dürfe.

Die Bundesärztekammer warb erneut für die Widerspruchsregelung. "Sie wahrt die Entscheidungsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger, setzt zugleich aber ein wichtiges Signal der Solidarität", sagte Präsident Klaus Reinhardt. Jeder könne einer Organspende jederzeit widersprechen. Heute könnten Spenden aber oft nicht realisiert werden, weil keine dokumentierte Willensäußerung vorliege.

Genauere Festlegungen für Spenden möglich

Generell gilt es als Problem, dass viele ganz allgemein positiv zu Organspenden stehen, dann aber keine Entscheidung dazu festhalten. Dokumentieren kann man ein prinzipielles Ja oder Nein auf einem Organspendeausweis oder anders auf Papier. Seit März 2024 kann man ab dem Alter von 16 Jahren außerdem seine Haltung auf dem Portal www.organspende-register.de digital hinterlegen

Möglich sind neben genereller Zustimmung oder Ablehnung auch genauere Festlegungen. Dass sie einzelne Organe von einer Spende ausschließen wollen, erklärten im Online-Register den aktuellen Zahlen zufolge 6,3 Prozent. Weitere 1,9 Prozent benannten eine Person, die die Entscheidung treffen soll. Eine Spende auf einzelne Organe beschränken wollen 1,0 Prozent.

Die Eintragungen sind freiwillig, kostenlos und können jederzeit geändert und gelöscht werden. Berechtigte Ärzte, Ärztinnen und Transplantationsbeauftragte in Kliniken können im Register Auskünfte zu potenziellen Spendern abfragen./sam/DP/zb