FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt geht es den dritten Tag in Folge aufwärts. Nach einem zähen Start legte der Leitindex Dax am Donnerst gegen Mittag um 0,6 Prozent auf 25.182 Punkte zu. Somit setzte er sich noch etwas weiter von der 25.000er Marke nach oben ab.
Damit konnte sich das deutsche Börsenbarometer den teils hohen Kursverlusten in Asien entziehen, wo vor allem Aktien der Halbleiterbranche unter die Räder gerieten. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte stieg um 0,4 Prozent auf 32.196 Punkte.
Diskutiert wurden am Markt auch die Reformbeschlüsse der Bundesregierung. "Die Reformmaßnahmen gehen in die richtige Richtung. Die von den Koalitionären beschlossen Veränderungen sind nicht der große Wurf, doch es beweist die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung und den Willen zur Veränderung", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.
Analyst Tim Ritschar vom Broker Activtrades sah unterdessen aus technischer Sicht "den alles entscheidenden Durchbruch" geschafft. Der Dax habe am Vortag dank eines moderaten Plus oberhalb der "magischen Schallmauer" von 25.000 Punkten geschlossen. Trotz aller chronisch negativen Nachrichten zur deutschen Wirtschaft setzten die Investoren auf eine bessere Zukunft.
Europaweit überwog an den Börsen eine freundliche Tendenz. Der EuroStoxx 50 als Leitindex für die Eurozone stieg um 0,3 Prozent.
Unter den Einzelwerten fielen Bayer-Aktien auf mit einem Aufschlag von fast fünf Prozent. Erstmals seit fast drei Jahren schafften es die Papiere über die Marke von 50 Euro. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern bündelt das US-Geschäft mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat in einer eigenständigen Tochtergesellschaft namens Ruveon. Zudem stufte die Deutsche Bank die Bayer-Aktie hoch auf "Buy".
Auf den Verkaufslisten ganz oben standen Papiere der Halbleiterindustrie. Im Dax büßten Infineon zweieinhalb Prozent ein. Aktien von Zulieferern und Ausrüstern wie Aixtron , Jenoptik , Suss Microtec , LPKF Laser und PVA Tepla verloren zwischen 3,5 und fast 7 Prozent. Sie schlossen sich damit nahtlos der Schwäche in den USA und Asien an.
Hintergrund für diese Verkäufe in der Chip-Branche sind offenbar kolportierte Pläne des Technologiekonzerns Meta , ins Cloud-Infrastrukturgeschäft einzusteigen. Dabei könnte der Zugang zu überschüssiger KI-Rechenleistung und zu KI-Modellen an externe Kunden verkauft werden. "Metas Markteintritt in das KI-Cloud-Geschäft schürt Sorgen über eine Veränderung der Nachfragesituation im Halbleitersektor und drückt auf die Aktienkurse", schrieb Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets.
Für Bewegung sorgten auch Kommentare von Analysten. So legten die Aktien von Adidas um ein Prozent zu, nachdem die Bank JPMorgan den Investoren zum "Übergewichten" der Aktie im Portfolio geraten hatte.
Aktien von CTS Eventim verteuerten sich um fünf Prozent. Das französische Investmenthaus Oddo BHF hob die Anteilscheine des Ticketvermarkters und Eventveranstalters von "Neutral" auf "Outperform"./bek/jha/
Von Benjamin Krieger, dpa-AFX