FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat am Montag erstmals in seiner Geschichte die Marke von 25.900 Punkten überwunden. Dafür war allerdings nur ein kleiner Schritt nötig, bevor rasch Gewinnmitnahmen einsetzten. Am Ende stand noch ein Plus von 0,15 Prozent auf 25.817,89 Zähler zu Buche. Am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex seinen fast sechs Monate alten Höchststand getoppt und am Freitag die Marke von 25.800 Punkten übersprungen. Der MDax der mittelgroßen Werte stieg zu Wochenbeginn um 0,90 Prozent auf 33.291,24 Punkte.
So mancher Analyst zweifelt daran, dass der Höhenflug weiter gehen wird. Charttechniker Christoph Geyer sprach von einem inzwischen überkauften Markt. Das heißt, nach dem zuletzt starken Kursanstieg gibt es am Aktienmarkt viele Käufer, aber nur noch recht wenige Verkäufer. Da insofern die Euphorie der Anleger sehr hoch ist, droht ein Kursrücksetzer. Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank verwies auf die zuletzt "relativ schwachen Umsätze", denn sie setzten ein Fragezeichen hinter der Nachhaltigkeit des Dax-Ausbruchs.
Einen Hoffnungsschimmer gab es für die angeschlagene deutsche Industrie: Nach dem Rückschlag im April hat der Auftragseingang im Mai wieder zugelegt. Der Anstieg fiel zudem deutlich höher aus als von Experten im Schnitt erwartet. "Insgesamt machen die heutigen Zahlen Hoffnung auf eine moderate Erholung der deutschen Industrie, die nach einer langen Stagnationsphase zuletzt auch noch vom Iran-Krieg gebeutelt wurde", kommentierte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner.
Gefragt waren hierzulande vor allem wieder Aktien aus dem Rüstungssektor. Rheinmetall gewannen an der Dax-Spitze 3,4 Prozent. Renk und Hensoldt stiegen im MDax um 4 beziehungsweise 6,1 Prozent, TKMS sogar an der Index-Spitze um 11,1 Prozent. Die Papiere profitierten gleich von mehreren Neuigkeiten.
So kommen die von den USA geführten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein mögliches Friedensabkommen nicht voran. Der Nato-Gipfel mit Milliarden-Investitionen steht bevor. In Frankreich bahnt sich eine Übernahme des Unterwasserdrohen-Spezialisten Exail durch den Luft- und Raumfahrtkonzern Thales an, und TKMS im Speziellen erhielt einem kanadischen Pressebericht zufolge einen U-Bootauftrag von Ottawa.
Anleger griffen außerdem bei den SAP-Aktien zu, die sich mit plus 0,3 Prozent von ihren Freitagsverlusten erholten, während die Papiere von Infineon um 0,2 Prozent nachgaben. Im MDax zählten Suss und Elmos zu den schwächsten Werten mit Verlusten von jeweils mehr als ein Prozent. Wie zuletzt oft, wenn Aktien aus dem KI-Bereich - vor allem Chipwerte - schwächeln, profitieren solche aus der Software- und IT-Dienstleisterbranche.
Die Papiere von Schott Pharma erreichten nach einer Empfehlung der Deutschen Bank im Nebenwerteindex SDax mit plus 7,2 Prozent auf 18,70 Euro das Niveau von Anfang Dezember 2025. Analyst Falko Friedrichs traut den Aktien des Spezialisten für Verpackung und Verabreichung injizierbarer Medikamente mit seinem Kursziel von 22 Euro sogar eine Rückkehr an die Charthürde aus dem Herbst 2025 zu. Zum Befreiungsschlag im Chart passt, dass auch das Geschäft laut Friedrichs die Talsohle durchschritten hat.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 0,23 Prozent auf 6.398,01 Punkte nach. Außerhalb der Eurozone schloss der Leitindex in London ebenfalls leicht und der in Zürich etwas deutlicher im Minus. In New York bewegte sich der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss kaum von Fleck./la/he
Von Lutz Alexander, dpa-AFX