BERLIN/HELSINKI (dpa-AFX) - Außenminister Johann Wadephul sieht Finnland als Vorbild, wenn es darum geht, sich widerstandsfähiger gegen Bedrohungen aus Russland zu machen. "Finnlands Resilienz und Zivilschutz zeigen uns, wie auch wir uns noch effektiver gegen Bedrohungen aufstellen", erklärte der CDU-Politiker vor seiner Reise nach Finnland. "Wehrhaftigkeit ist kein abstraktes Konzept, sie ist die Voraussetzung für Frieden und Sicherheit", fügte er hinzu.
Die finnische Gesellschaft lebe mit einem umfassenden Sicherheitsansatz vor, wie alle Teile der Bevölkerung dabei eine Rolle zu spielen hätten, erklärte Wadephul. "Von dieser Erfahrung können wir in Europa lernen, um uns besser gegen Sabotage, Cyberangriffe oder Desinformation zu wappnen."
Besuch auf einem Grenzpatrouillenschiff
Wadephul will in der Hauptstadt Helsinki zunächst mit seiner Amtskollegin Elina Valtonen zu Beratungen zusammenkommen. Neben der Sicherheitslage an der finnisch-russischen Grenze dürfte die weitere Unterstützung der Ukraine Thema sein. Zudem steht ein Besuch auf einem Grenzpatrouillenschiff auf dem Programm. An diesem Donnerstag will Wadephul mit Valtonen die mehr als 1.300 Kilometer lange finnisch-russische Grenze besuchen. Die Sicherheitslage dort gilt seit Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine als angespannt.
Finnland schloss 2023 seine Grenzübergänge zu Land zu Russland
Nach dem Nato-Beitritt Finnlands im April 2023 ist die Grenze die längste Landgrenze des Bündnisses zu Russland. Im Dezember 2023 hatte Finnland seine Grenzübergänge zu Land zu Russland dichtgemacht. Hintergrund waren Vorwürfe, Russland habe gezielt Migranten an die Grenze gebracht, um Unruhe zu stiften. Erst im Juni hat das Land entschieden, die Grenzen geschlossen zu halten. Das Risiko instrumentalisierter Migration bestehe weiter, hieß es.
Zuletzt gab es vermehrt Vorfälle mit fehlgeleiteten ukrainischen Drohnen, die auf finnischen Boden abstürzten. Eine unmittelbare militärische Bedrohung besteht aber nach finnischer Einschätzung derzeit nicht./bk/DP/men