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Aktien Frankfurt: Tech-Schwäche und Iran-Krieg ziehen Dax nach unten

Aktien Frankfurt: Tech-Schwäche und Iran-Krieg ziehen Dax nach unten

17.7.2026 12:20:06 | Quelle: dpa | Lesedauer etwa 3 min.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Tiefrote Vorgaben aus der internationalen Tech-Branche haben am Freitag auch den Dax in Mitleidenschaft gezogen. Am frühen Nachmittag ging es für den deutschen Leitindex um 0,48 Prozent auf 24.796 Punkte nach unten, womit er seine Anfangsverluste aber schon ein gutes Stück verringerte. Damit zeichnet sich ein Wochenverlust von 1,1 Prozent ab. Seit dem Rekordhoch von 25.900 Punkten Anfang vergangener Woche hat der Dax inzwischen 4,3 Prozent eingebüßt.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen verlor am Freitag 0,87 Prozent auf 31.761 Punkte und der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 0,9 Prozent nach.

Der US-Tech-Index Nasdaq 100 hatte am Donnerstag wegen erneuter Gewinnmitnahmen bei Halbleiteraktien 1,6 Prozent eingebüßt - diese gelten als Profiteure des Booms rund um Künstliche Intelligenz (KI). Aktuell zeichnen sich ein weiterer deutlicherer Verlust ab. An den schwachen asiatischen Handelsplätzen war der technologielastige japanische Nikkei 225 mit einem weiteren vierprozentigen Kursrutsch auffällig gewesen.

Laut Marktexperte Stephen Innes sorgt neben Gewinnmitnahmen nach dem guten Lauf seit Jahresbeginn auch eine Korrektur bei gehebelten Anlageprodukten für KI-Investments für Druck. Dieser Prozess könnte nach seiner Einschätzung noch eine Weile andauern. Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank konstatierte eine zunehmende Angst der Anleger, dass mit der Korrektur der Halbleiter- und KI-Titel "zunehmend andere, vielleicht unbeteiligte Aktien in Sippenhaft genommen werden".

Zudem belastete, dass das vom Amazon -Konkurrenten Alibaba unterstützte chinesische Start-up Moonshot AI sein neues Sprachmodell "Kimi K3" präsentierte. Nach eigenen Angaben soll es mit den Spitzenmodellen der US-Konkurrenten OpenAI und Anthropic in einer Liga spielen. Beobachter ziehen bereits Parallelen zum sogenannten "DeepSeek-Moment" Anfang 2025. Damals hatte ein chinesisches Modell erstmals die Annahme einer US-Dominanz in diesem Bereich erschüttert und die Tech-Aktienmärkte weltweit einbrechen lassen. Von Dauer war das aber zumindest damals nicht.

Die aktuelle Tech-Schwäche belastete am Freitag auch die deutschen Branchentitel. Im Dax belegte der Halbleiterkonzern Infineon mit einem weiteren Kursrückgang um 4,4 Prozent erneut den letzten Platz. Zu den größten Verlierern im MDax zählten der Waferhersteller Siltronic sowie die Chipindustrie-Ausrüster Aixtron und Suss Microtec mit Abschlägen von bis zu 5,8 Prozent.

Auch Infineon-Branchenkollege Elmos und der Technologiekonzern Jenoptik präsentierten sich schwach. Gleiches galt für den Laserspezialisten LPKF , dessen Aktien 8,1 Prozent einbüßten.

Die Papiere von Siemens Energy und Hochtief gerieten mit Verlusten von 1,8 und 2,4 Prozent ebenfalls unter Druck. Der Energietechnikspezialist ist wie der Baukonzern wegen des hohen Energiebedarfs durch den rasanten Ausbau von Rechenzentren auch ein KI-Profiteur.

Dagegen ragte SDax -Spitzenreiter SMA Solar nach Zahlen mit einem Kurssprung von gut 13 Prozent auf 65,85 Euro heraus. Der Photovoltaik-Spezialist berichtete für das vergangene Quartal ein starkes Wachstum und hob seine Jahresziele erneut an. Analystin Olivia Pulvermacher von Deutsche Bank Research erhöhte ihr Kursziel für die Aktien von 44 auf 75 Euro und rät nun zum Kauf. Die Anlagestory werde attraktiver und Risiken würden sinken, begründete sie ihre Neubewertung. Unter anderem das strukturelle Wachstum bei Batteriespeichern bilde eine starke Basis für einen Kursanstieg.

Vergleichsweise gefragt waren Softwaretitel wie SAP mit einem Plus von 0,8 Prozent sowie Nemetschek , die nur minimal verloren. Einmal mehr bestätigte sich das Muster, dass die Branche bei Gewinnmitnahmen im KI-Bereich tendenziell von Umschichtungen innerhalb des Tech-Sektors profitiert./gl/mis

Von Gerold Löhle, dpa-AFX