Nach zwei Verlustwochen in Folge suchte der DAX am Montag zunächst um eine klare Richtung. Zum Handelsstart belasteten erneut steigende Ölpreise und die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Kriegs zwischen den USA und dem Iran. Im Tagesverlauf drehte der Leitindex jedoch auf und kletterte in der Spitze um 0,6 Prozent in Richtung der 25.000er-Marke. Bis zum Feierabend schmolzen die Tagesgewinne jedoch wieder weitgehend ab. Deutlich schlechter schlugen sich der MDAX und SDAX.
Am Ende blieb beim DAX ein dünnes Plus von 0,1 Prozent auf 24.862 Zähler übrig. Der Index für die deutschen Mid Caps verlor 0,6 Prozent auf 31.663 Punkte. Der Index für die deutschen Small Caps ging 0,4 Prozent tiefer aus dem Handel.
Für etwas Entspannung sorgten Hinweise auf mögliche neue Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Daraufhin gaben auch die Ölpreise einen Großteil ihrer Gewinne vom Morgen wieder ab. Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent kostete zuletzt 88,11 Dollar.
Dennoch bleibt die Lage im Nahen Osten ein Risikofaktor. Anfang Juli war der Streit um die Kontrolle der Straße von Hormus erneut eskaliert. Die zunehmenden Angriffe "deuten allesamt darauf hin, dass sich der Konflikt sowohl in seinem Ausmaß als auch in seiner Dauer ausweiten könnte", gibt Saul Kavonic, Energieanalyst bei MST Marquee, zu bedenken. Weitere Angriffe auf die Ölinfrastruktur der Region könnten die Ölpreise jederzeit wieder in die Höhe treiben.
An der DAX-Spitze setzen sich die Energiekonzerne RWE und Siemens Energy mit fast vier Prozent Plus ab. Die RWE-Aktien testen nun den Widerstand bei 58 Euro. Laut einem Bericht der WirtschaftsWoche wollen die Essener bis 2031 rund 17 Milliarden Euro in den Ausbau des US-Geschäfts investieren, um dort vom steigenden Strombedarf durch Künstliche Intelligenz zu profitieren. Unterdessen werden die Papiere von Siemens Energy von einer Kurszielanhebung der UBS gestützt. Die Analysten erwarten anhaltend starke Auftragseingänge und sehen den fairen Wert der Aktie nun bei 210 Euro statt wie bisher 175 Euro.
Auch Fresenius legte nach einem positiven Analystenkommentar deutlich zu und geht 2,8 Prozent höher aus dem Handel als am Freitag. Die Deutsche Bank rechnet mit einem starken zweiten Quartal und hält sogar eine Anhebung der Jahresprognose für das bereinigte Ergebnis je Aktie für möglich.
Das Schlusslicht im DAX bilden die Aktien von Bayer mit Kursverlusten in Höhe von 2,4 Prozent. Die Gerichtsentscheidung über den milliardenschweren Glyphosat-Vergleich in den USA wurde auf Mitte August verschoben. Auch Brenntag und MTU Aero Engines gehören heute zu den größten DAX-Verlierern.
Auch im Index der 40 mittelgroßen deutschen Unternehmen setzten Anleger heute auf saubere Energie. Windanlagenbauer Nordex stand hier mit einem Kursgewinn von 4,6 Prozent ganz vorne. Die Analysten der Goldman Sachs sehen das Unternehmen aufgrund der steigenden Nachfrage nach Onshore-Windparks in Europa und den USA vor einem neuen Wachstumszyklus. Mehr dazu lesen Sie hier.
Am unteren Ende sortierte sich der Hersteller von Silizium-Wafern Siltronic mit einem Kursverlust von 4,1 Prozent ein. Auch die Aktien der Deutschen Lufthansa und TUI verloren – zum einen, weil die angespannte Lage im Nahen Osten die Reisebranche weiter belastet, zum anderen, weil die größte europäische Billigflugairline Ryanair einen Gewinneinbruch um 34 Prozent meldete. Die jüngste Energiekrise zeigt erneut, wie abhängig Fluggesellschaften vom Ölmarkt sind. Der Anteil von nachhaltigen Flugkraftstoffen am weltweiten Kerosinverbrauch ist bislang verschwindend gering. Deutschlands größte Airline, Lufthansa, legt am 4. August ihre Quartalszahlen vor.