Nachrichten

Linke: Jedem Zweiten im Osten droht Armutsrente

Linke: Jedem Zweiten im Osten droht Armutsrente

20.7.2026 04:28:14 | Quelle: dpa | Lesedauer etwa 2 min.

BERLIN (dpa-AFX) - Mit ihrem aktuellen Verdienst steuern Millionen Beschäftigte in Deutschland rechnerisch auf Renten unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze zu. Das zeigen Daten zum aktuellen Monatsverdienst in Deutschland und zur Armutsschwelle, die der Linken-Abgeordnete Dietmar Bartsch von Bundessozialministerium und Statistischem Bundesamt angefragt hatte.

Demnach droht rechnerisch in Ostdeutschland mehr als jedem und jeder zweiten Beschäftigten nach 45 Jahren in Vollzeit im Alter eine Rente an der Armutsgefährdungsgrenze, bundesweit mehr als jedem und jeder dritten. Allerdings wird dabei nur vom aktuellen Verdienst ausgegangen, mögliche künftige Veränderungen sind nicht berücksichtigt. Die Angaben lagen der Deutschen Presse-Agentur vor.

Demnach ist ein Bruttomonatsentgelt von 3.771 Euro nötig, um einen Rentenzahlbetrag in der Höhe der Armutsgefährdungsschwelle zu erreichen. Bartsch hatte von der Regierung wissen wollen, was man aktuell in Vollzeit verdienen muss, um nach 45 Beitragsjahren eine gesetzliche Rente auf so einem Niveau zu erhalten. Die Armutsgefährdungsgrenze lag laut Statistischem Bundesamt 2025 bei 1.446 Euro brutto. Statistisch als armutsgefährdet gilt man mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung.

Das Bundessozialministerium wies in seiner Antwort darauf hin, dass es sich um eine "abstrakte Modellrechnung" handele, die ein über 45 Jahre konstantes Lohnverhältnis unterstelle. Tatsächlich könne aus der Lohnhöhe eines Jahres nicht auf die Einkommenssituation im Alter geschlossen werden.

Unter 3.700 Euro Einkommen bei 54 Prozent im Osten

Laut Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts lagen zuletzt bundesweit fast 39 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse in Vollzeit unter 3.700 und 44 Prozent unter 3.900 Euro (April 2025). Im Osten sind es sogar 54 Prozent unter 3.700 und fast 60 Prozent unter 3.900 Euro brutto im Monat.

Bartsch sagte: "Die Schieflage bei Löhnen und Renten ist inakzeptabel groß." Leistung zahle sich zu selten aus. Einen "harten Angriff auf alle Arbeitnehmer" nannte er Koalitionspläne, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren als Teil einer umfassenden Rentenreform abzuschaffen. Bereits heute verdienten Millionen Beschäftigte zu wenig.

Bartsch kritisierte insbesondere Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und warf ihm vor, den Eindruck zu vermitteln, "Arbeitnehmer seien vor allem zu teuer, zu faul und zu krank". Deutschland brauche eine Lohnoffensive: "Unser Land sollte wieder zum Hochlohnland werden - Arbeit muss sich auszahlen."/bw/DP/zb