In den USA starten die Börsen mit Gewinnen in die neue Handelswoche. Der Dow Jones legt zur Eröffnung leicht auf 52.285 Punkte zu, der S&P 500 gewinnt 0,4 Prozent auf 7.489 Zähler. Am stärksten präsentiert sich der Nasdaq 100 mit einem Plus von 1,0 Prozent auf 28.871 Punkte. Getragen wird die Erholung vor allem von zwei Faktoren: dem nachgebenden Ölpreis sowie den wieder gefragten Halbleiterwerten.
Die USA haben ihre Angriffe auf iranische Ziele die neunte Nacht in Folge fortgesetzt und verlegen zusätzliche Kampfflugzeuge in die Region. Der Iran reagiert mit Vergeltungsangriffen. Gleichzeitig gibt es jedoch erste Anzeichen für eine diplomatische Annäherung: Nach Angaben aus Teheran haben die Vermittlerstaaten neue Vorschläge für die Wiederaufnahme der Verhandlungen übermittelt.
Die Spekulationen auf neue Gespräche sorgen am Ölmarkt für eine Kehrtwende. Nachdem der Brent-Preis in der Nacht zeitweise noch über 91 Dollar je Barrel gestiegen ist, fällt er am Montagnachmittag wieder unter 88 Dollar. Dennoch bleibt die Lage fragil. "Auch wenn die heutigen Schlagzeilen konstruktiver wirken, bewegen sich die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran seit Wochen in die falsche Richtung. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist zum Erliegen gekommen und die Energieinfrastruktur geriet unter Beschuss", konstatiert Skylar Montgomery Koning, Makrostrategin bei Bloomberg. Damit bleibt das Risiko neuer Preissprünge am Ölmarkt bestehen.
Konjunkturseitig fiel der Leading Economic Index des Conference Board, US-Frühindikator, im Juni um 0,2 Prozent und gab damit einen Teil der Zuwächse aus den beiden Vormonaten wieder ab. Die Organisation sieht zwar eine nachlassende Konsumdynamik, erwartet dank robuster KI-Investitionen der Unternehmen und einer weiter sinkenden Inflation aber weiterhin ein solides Wirtschaftswachstum und hob ihre Prognose für das BIP der USA in diesem Jahr leicht auf 1,9 Prozent an.
Die US-Indizes scheinen sich zum Wochenauftakt von den herben Verlusten der Vorwoche zu erholen. Nachdem der Chipsektor zuletzt kräftig unter Druck geraten ist, zeigt sich hier eine deutliche Gegenbewegung: AMD und Micron Technology gehen jeweils 4,3 Prozent höher in den Handel. Auch die Aktien von Marvell Technology und Intel starten klar im Plus.
AMD präsentiert mit seinem KI-System "Helios" erstmals ein Konkurrenzprodukt auf Rack-Ebene zu Nvidia. Es soll noch in diesem Jahr ausgeliefert werden und unter anderem in den Rechenzentren von Microsoft Azure zum Einsatz kommen. Für AMD ist das der bislang entschlossenste Vorstoß gegen Nvidias dominierende Stellung im Markt für KI-Infrastruktur.
Die Mag-7-Titel stabilisieren sich ebenfalls – zumindest teilweise. Alphabet, Nvidia und Amazon stehen auf der Gewinnerseite, während Microsoft, Meta, Tesla und Apple zwischen ein und zwei Prozent verlieren. Google arbeitet laut einem Bericht von The Information an einem neuen KI-Chip, der speziell für den Betrieb der hauseigenen Gemini-Modelle entwickelt wird. Der Prozessor soll die Ausführung der KI-Anwendungen sechs- bis zehnmal effizienter machen als die aktuelle Chipgeneration und so den Engpass bei der Rechenkapazität entschärfen. Eine Einführung ist nach aktuellem Stand für das Jahr 2028 geplant.
Neben den geopolitischen Entwicklungen dürfte in dieser Woche vor allem die Berichtssaison den Takt an den Börsen vorgeben. Konjunkturseitig bleibt der Kalender dagegen überschaubar.
Mit Alphabet und Tesla starten am Mittwoch die ersten beiden Unternehmen der "Magnificent 7". Laut Andrea Gabellone von KBC Securities wird der Markt dabei einmal mehr auf die geplanten Investitionen der Hyperscaler sowie auf konkrete Ergebnisse bei der Monetarisierung ihrer KI-Angebote achten.
Am Donnerstag werden dann die Zahlen von Intel genau beobachtet werden. Nach dem jüngsten Ausverkauf im Halbleitersektor erhoffen sich Anleger neue Hinweise auf die Nachfrage nach KI-Chips und Rechenzentrumsinfrastruktur.
Daneben liefern diese Woche GE Vernova und Honeywell wichtige Einblicke in den boomenden Markt für Stromnetze und Energieinfrastruktur.
Domino's Pizza gewinnt 6,4 Prozent. Die US-Restaurantkette konnte im zweiten Quartal mit einem Anstieg der vergleichbaren Filialumsätze in den USA um 0,1 Prozent überzeugen. Der Gewinn je Aktie stieg von 3,81 Dollar auf 4,07 Dollar, lag damit aber elf Cent unter der Konsensschätzung. Mit einem operativen Ergebnis in Höhe von 232 Millionen Dollar wurden die Erwartungen hingegen übertroffen. Nach Ansicht des CEO Russell Weiner sei "das bedeutende Wachstum bei den Bestellzahlen der wichtigste Treiber des langfristigen Erfolgs". Auf Jahressicht geriet der Kurs dennoch kräftig unter Druck.
Noch heftiger geht es heute bei AMC Entertainment nach oben. Die einstige Meme-Aktie überrascht mit unerwartet hohen Quartalsergebnissen (DER AKTIONÄR berichtete). Gleichzeitig übertraf der Kinobetreiber mit einem Umsatzplus von 14 Prozent die Erwartungen der Analysten deutlich. Rückenwind lieferten unter anderem Blockbuster wie Christopher Nolans "The Odyssey", der weltweit einen fulminanten Kinostart hinlegte. Der Streifen spielte weltweit 264 Millionen Dollar ein.
Davon profitiert auch die AKTIONÄR-Empfehlung IMAX. Der Spezialist für Großleinwand-Kinos verbuchte dank des Kinoerfolgs, der vollständig im IMAX-70mm-Format gedreht wurde, das umsatzstärkste Wochenende der Unternehmensgeschichte. Allein 52 Millionen Dollar beziehungsweise rund ein Fünftel des weltweiten Einspielergebnisses entfielen auf IMAX-Vorstellungen. Die Aktie steigt heute um mehr als zwei Prozent.
Positive Analystenstimmen treiben derweil Urban Outfitters an. Goldman Sachs hat die Aktie von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und sieht mit einem Kursziel von 93 Dollar über 25 Prozent Aufwärtspotenzial. Die Analysten verweisen auf eine verbesserte Profitabilität der Kernmarke Urban Outfitters und erwarten bis 2027 eine Rückkehr zu den historisch hohen Margen.
Auch AKTIONÄR-Depotwert Robinhood erhält Rückenwind von der Analystenseite. Bernstein hebt das Kursziel von 130 auf 160 Dollar an und sieht erhebliches Potenzial im Geschäft mit Prediction Markets, tokenisierten Aktien und Perpetual Futures. Nach Einschätzung der Experten könnte sich dieser Markt in den kommenden Jahren zu einem Gebührenpool von mehr als 70 Milliarden Dollar entwickeln, wobei Robinhood mit seiner eigenen Handelsplattform eine Schlüsselrolle einnehmen dürfte.
Alibaba zählt heute ebenfalls zu den Gewinnern – die US-Notierung liegt mehr als drei Prozent im Plus. Zum einen beflügelt die Vorstellung des neuen KI-Modells Qwen3.8 Max, das laut Alibaba nur knapp hinter Anthropics Spitzenmodell Fable 5 liegen soll. Zum anderen sorgt die Aussicht auf einen Börsengang des KI-Start-ups Moonshot AI für Fantasie. Alibaba hält rund 36 Prozent an dem Unternehmen und dürfte als größter Investor erheblich von einer möglichen Milliardenbewertung beim IPO profitieren. Mehr dazu lesen Sie hier.