FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Nach spektakulären Kursgewinnen gerieten Halbleiter- und Energiewerte zuletzt unter Druck. Anlegerinnen und Anleger suchen nun selektiv nach Titeln mit langfristigen Wachstumstreibern - von KI-Infrastruktur bis Klimatechnik.
21. Juli 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). An den Aktienmärkten zeigte sich in den vergangenen Wochen ein klarer Favoritenwechsel. Eine Auswertung aller aktuell im STOXX Europe 600 gelisteten Werte verdeutlicht das. Von den 25 besten Aktien der ersten fünf Monate des laufenden Jahres weisen 17 Titel seit Ende Mai eine negative Performance aus. Zehn Aktien verloren zweistellig an Wert. Besonders auffällig ist die Entwicklung der Soitec-Aktie (FR0013227113). Dem Hersteller innovativer Halbleitermaterialien gelang von Anfang 2026 bis Ende Mai ein Kursplus von 666 Prozent. Im Juni gelang dann auch der Einzug in den Auswahlindex. Seit Ende Mai ist der Kurs um über 40 Prozent gefallen.
Halbleiter-Rally verliert an Kraft
?"hnlich sieht es momentan bei vielen Aktien aus den Bereichen Halbleiter und Speicherlösungen aus. "Nach den kräftigen Anstiegen scheint dem Sektor kurzfristig etwas die Luft ausgegangen zu sein", erklärt Marc Richter, Leiter Skontroführung Aktien bei der Steubing AG. Nach einer Konsolidierung könnten diese Werte im nächsten Zyklus dann womöglich wieder mehr Momentum gegenüber dem Markt zeigen. Allerdings müssten sich die gestiegenen Bewertungen in der kommenden Berichtsaison erneut beweisen, nachdem viele Kurse den fundamentalen Zahlen zum Teil vorausgeeilt sind.
Abseits der viel diskutierten Unternehmen nennt der Händler mit Asustek Computer (US04648R6053) einen in Taiwan ansässigen Anbieter von PCs, Mainboards, Grafikkarten und zunehmend kompletten KI-Server- und Infrastrukturlösungen. "Das Unternehmen profitiert von der hohen Nachfrage nach KI-Hardware und weitete jüngst die Zusammenarbeit mit Nvidia im Bereich der KI-Plattformen aus." Der Serverumsatz des Unternehmens hat sich im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Trotz der Konsolidierung der vergangenen Wochen ist der langfristige Aufwärtstrend laut Richter weiter intakt. Seit Anfang März liegt das Papier an der Börse Frankfurt immer noch mit rund 30 Prozent im Plus.
Korrekturrisiken noch nicht gebannt
Das Strategieteam der unabhängigen Vermögensverwaltung DJE warnt davor, dass das Risiko einer Korrektur im Halbleiterbereich kurzfristig bestehen bleibt. "Der Markt diskutiert zunehmend, ob die extreme Knappheit bei Rechenleistung nachlässt und ob sich der Kapazitätsbedarf durch technologische Fortschritte verändern könnte." Als weitere Risiken sehen die Experten eine nachlassende Gewinndynamik im Halbleitersektor und steigende Kosten für KI-Anwendungen. Letzteres könnte dazu führen, dass Unternehmen ihre Ausgaben stärker begrenzen. "Das könnte die Nachfrage nach einzelnen Anwendungen bremsen."
Bereits deutlich zurückgekommen sind viele Aktien aus dem Öl- und Gassektor. Richter nennt beispielhaft Vallourec (FR0013506730). Der Hersteller von nahtlosen Stahlrohren und Spezialrohrprodukten für industrielle Anwendungen liefert seine Produkte vor allem an die Öl-, Gas- und petrochemische Industrie. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie mit gut 30 Prozent im Plus, obwohl der Kurs seit dem Hoch im Mai ein Viertel seines Wertes eingebüßt hat. "Die starke Neubewertung zu Jahresbeginn wurde durch die erfolgreiche operative Restrukturierung, eine deutlich verbesserte Bilanz und eine hohe Cashflow-Generierung gestützt", erklärt der Steubing-Händler.
Hitzewelle rückt Daikin in den Blick
Ein Thema an den Börsen ist auch die erneute Hitzewelle. Immer mehr Haushalte machen sich Gedanken über eine Klimaanlage und aus Reihen der Politik wird bereits die Auflegung eines milliardenschweren Sofortprogramms für den allgemeinen Hitzeschutz gefordert. Jonathan Neuscheler von der Abilitato GmbH ist der Ansicht, dass die japanische Daikin Industries (JP3481800005) von diesem Trend profitieren könnte. Demnach rückt bei dem weltgrößten Hersteller von Klima- und Kühlgeräten zunehmend der Shareholder-Value in den Vordergrund. Der Vorstand plant eine Steigerung der EBIT-Marge sowie Aktienrückkäufe und eine höhere Dividende. Trotz recht ambitionierter Bewertung zieht der Value-Investor ein positives Fazit: "Keine Frage, ein KGV von 21 (2027e) deutet nicht gerade auf ein Schnäppchen hin. Auf der anderen Seite gibt es aber auch nur sehr wenige Blue-Chip-Unternehmen, denen wir ein jährliches Gewinnwachstum von 7,0 Prozent zutrauen."
Mehr dazu: abilitato.de
Von Thomas Koch, 21. Juli 2026, © Deutsche Börse AG
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