KIEW (dpa-AFX) - Der scheidende Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Olexander Syrskyj, sieht Kiew in der Offensive im Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg. "Ich übergebe meinem Nachfolger eine Armee, die nicht nur die Verteidigung hält, sondern sich auch im Offensivmodus befindet - mit Initiative, mit Struktur und mit Menschen, die wissen, wie man den Feind besiegt", teilte Syrskyj in einem Abschiedsschreiben in seinem Telegram-Kanal mit.
Präsident Wolodymyr Selenskyj überträgt dem 43 Jahre alten Generalmajor Mychajlo Drapatyj die Führung der ukrainischen Streitkräfte. Der Kommandowechsel ist das Ergebnis von tagelangen Demonstrationen gegen die Entlassung von Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister. Selenskyj reagierte auf die Proteste, bei denen überwiegend junge Ukrainer Syrskyjs Entlassung gefordert hatten. Fedorow hatte zuvor von einem Streit mit Syrskyj über die Ausrichtung der Streitkräfte gesprochen.
Syrskyj hatte sich bei Fedorow entschuldigt und schrieb nun, dass er hoffe, dass die Offensive unter neuer Führung fortgesetzt werde. "Alles dafür ist vorhanden", schrieb er. "In diesem Jahr wurden unter meinem Kommando 743 Quadratkilometer unseres Landes befreit." Unter seiner Führung sei auch die Armee von Grund auf verändert worden, sagte er. Zwar verzeichneten ukrainische Militärbeobachter auch kleinere taktische Erfolge für die ukrainische Armee, doch sind den Beobachtern des Portals "DeepStateMap" nach seit Jahresbeginn fast 800 Quadratkilometer verloren gegangen.
Syrskyj will weiter für den Sieg der Ukraine kämpfen
Der General machte deutlich, dass es ihm selbst nicht um Posten gehe. "Meine Aufgabe ist der Krieg", erklärte er. "In welcher Position ich auch immer sein mag, ich werde der Ukraine bis zum Sieg dienen." So sei unter seiner Leitung auch erstmals Drohnenstreitkräfte gegründet worden, die dem Feind keine sicheren Rückzugsgebiete mehr ließen. Das Land habe eine eigene Flugabwehr aufgebaut, führte er in einer ausführlichen Bilanz auf.
"Lange Zeit hat man versucht, uns einzureden, dass die Ukrainer nicht in der Lage seien, Krieg zu führen", sagte der aus Russland stammende Syrskyj. "Wir haben bewiesen, dass das nicht stimmt. Die Ukraine wird von einem heldenhaften Volk verteidigt."
Russland überzieht das Land seit mehr als vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. Seine Kriegsziele hat Moskau bisher nicht erreicht./mau/DP/mis