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Allianz-Chef fürchtet Pleiten von Wettbewerbern

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Allianz-Chef Oliver Bäte hat wegen der anhaltenden Niedrigzinsen vor dem Scheitern mancher deutscher Lebensversicherer gewarnt. "Ich rechne gerade angesichts der massiven Verwerfungen damit, dass ein paar Wettbewerber, die nicht gut gewirtschaftet haben, ausscheiden", sagte der Chef des deutschen Marktführers dem Handelsblatt.

Zur Marktwirtschaft gehöre das Ausscheiden von Unternehmen, die es nicht schafften - das müsse es auch bei Finanzdienstleistern geben. "Man muss nur sicherstellen, dass man die betroffenen Kunden in einem solchen Fall so gut wie möglich schützt", so Bäte im Handelsblatt.

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) macht der Versicherungs-Branche seit Jahren schwer zu schaffen. Mitte Dezember hat die Notenbank wegen der Corona-Krise gerade eine Ausweitung ihre geldpolitischen Maßnahmen beschlossen. Bäte geht mit der Niedrigzinspolitik der europäischen Währungshüter hart ins Gericht: "Wir bereiten bereits der nächsten großen Krise den Boden", sagte der Chef des DAX-Konzerns -0,17%, dessen Haus zu den größten Kapitalanlegern in Europa gehört. 

Die Allianz-Aktie +1,06% gehört heute zu den größten Tagesgewinnern im DAX. Mit einem Kursaufschlag von 2,4 Prozent schafft sie es zeitweise wieder über die 200-Euro-Marke. Das Vor-Corona-Crash-Hoch lag bei gut 232 Euro.

12-Monats-Chart Allianz (in Euro, Xetra)


"Abstruse Bewertungen"

Auch in Teilen des Aktienmarktes gebe es inzwischen "völlig abstruse Bewertungen", sagte der 55-Jährige mit Blick auf teils stark gestiegene Aktienkurse. Durch die verfehlte Geldmarktpolitik mangele es an Innovationen, Investitionen in Infrastruktur, am Ausbau von Wettbewerbsfähigkeit bei Energie, Technologie oder Klimawandel.

"Unsere Fähigkeit zu investieren geht systematisch nach unten", mahnte Bäte. Deutschland brauche jedoch mehr Fiskalpolitik, mehr Innovationen, mehr Reformen und müsse mehr in Bildung investieren, "damit wir langfristiges Wachstum erzeugen statt permanent Geld zu verteilen, das wir von unseren Kindern stehlen".

"Noch zehn Jahre Null- oder Negativ-Zinsen"

Bäte zufolge wird die Gesellschaft systematisch belogen, was die Folgekosten der Niedrigzinsen betrifft. Irgendjemand müsse die Schulden zurückzahlen. Selbst wenn die EZB aufhöre, Anleihen zu kaufen, dauere es Jahre, bis die Zinsen auf ein ökonomisch rationales Niveau zurückfänden. "Wir werden noch zehn Jahre Null- oder Negativzinsen haben", sagte Bäte. "Die Geldpolitik ist dabei, die Sparer zu enteignen." Wer Geld spare, werde "entreichert" und dessen Rendite umverteilt. "Die Sparer werden betrogen, das gilt auch für Lebensversicherungskunden", sagte Bäte.

Die Allianz reduziert bei Neuabschlüssen ab 2021 die Garantien bei Lebenspolicen. Es sei nicht so, dass der Versicherer seinen Kunden nicht weiter eine volle Beitragsgarantie in der Lebensversicherung geben wolle, sagte Bäte. "Wir können es einfach nicht, weil es uns das Regelwerk verbietet und zweitens die Gesetze des Marktes durch die ultralockere Zentralbank-Politik völlig ausgehebelt sind." Die Kosten einer 100-Prozent-Garantie seien so hoch, dass für den Kunden an Rendite nichts mehr übrig bleibe. Bei älteren Produkten könne die Allianz wohl kaum mehr machen, als den Renditeschwund abzumildern.

Lebensversicherung ist nicht tot

Trotz der aktuellen Lage rät Bäte jungen Menschen vom Abschluss einer Lebensversicherung nicht ab. Das Produkt an sich sterbe nicht aus. "Ich würde meinen Kindern ein Mischprodukt empfehlen, das einen Teil des Kapitals absichert und einen anderen Teil ins Risiko steckt. Da bekommen sie noch eine ordentliche Renditeerwartung." Zudem sollte die junge Generation das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite anders  gestalten als Menschen, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden. (Mit Material von dpa-AFX)

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