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Behörden-Hick-Hack um AstraZeneca – doch wie geht's der Aktie?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der britisch-schwedische Corona-Impfstoff-Hersteller AstraZeneca sorgt für Unruhe. Virologen und andere Gesundheitsexperten, diverse Politiker, Bevölkerung und das Unternehmen selbst erschweren mitten in der dritten Welle den erfolgreichen Kampf gegen das Coronavirus. Der Aktie von AstraZeneca bekommt das nicht gut.

Die EU feierte am 27. Dezember noch mit viel Pathos den gemeinsamen Impfstart der 27 Staaten. Doch dann folgten wochenlanges Gezänk, Rückschläge, Schuldzuweisungen. Zu wenig Impfstoff, zu langsames Impfen, ungerechte Verteilung. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen musste schließlich Fehler einräumen - genau an den Stellen, die Großbritannien anders geregelt hatte: "Wir waren spät dran bei der Zulassung. Wir waren zu optimistisch bei der Massenproduktion." Der Punkt ging an Johnson.

Aber von der Leyen wies nicht zu Unrecht darauf hin, dass das britische Impfwunder undenkbar gewesen wäre ohne Impfstoffe aus der EU. Seit dem 1. Dezember seien mehr als 21 Millionen Dosen auf die Insel gegangen, umgekehrt sei aber fast nichts von dort gekommen, betonte die EU-Kommission Ende März und nahm dies zur Begründung für verschärfte Exportkontrollen.

Das britisch-schwedische Unternehmen AstraZeneca hat die Zusagen an die EU einseitig drastisch gekürzt - von ursprünglich 300 Millionen Impfdosen auf nur noch 100 Millionen im ersten Halbjahr -, liefert aber anscheinend reibungslos an Großbritannien. "Unser Vertrag übertrumpft deren", erklärte das der britische Gesundheitsminister Matt Hancock kürzlich.

Nun kam die Ansage aus Brüssel: AstraZeneca soll nicht mehr exportieren, bis nicht die EU-Verträge erfüllt sind. Sofort erboste Reaktionen aus London, dessen Impfkampagne durch einen Exportstopp Indiens bereits verlangsamt wurde. Inzwischen verhandeln die EU und Großbritannien über eine längerfristige Zusammenarbeit beim Impfen. Ausgang offen.

Blutgerinnsel und Thrombosen

Die Überprüfungen seltener Fälle von Blutgerinnsel nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff durch Experten in der EU und Großbritannien haben am Mittwoch überraschende Ergebnisse erbracht. Während die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) zwar feststellte, dass es sich um Nebenwirkungen des Vakzins handelt, nahm sie keine Änderung an ihrer uneingeschränkten Empfehlung für den Impfstoff vor. Bei ein bis zwei von 100.000 Geimpften hatten sich Gehirn-Thrombosen gebildet.

Die britische Impfkommission JCVI (Joint Committee on Vaccination and Immunisation) wollte sich hingegen nicht festlegen, was die Ursache der Blutgerinnsel ist. Sie passte aber ihre Empfehlung für Menschen unter 30 Jahren an, die nun ein anderes Vakzin verabreicht bekommen sollen.

Keine Gefahr bei unter 60-Jährigen

In Deutschland hat die Empfehlung voraussichtlich keine unmittelbare Auswirkungen auf die Entscheidung der ständigen Impfkommission (Stiko), die den AstraZeneca-Impfstoff für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt. Was die EMA gemacht habe, könne man mit Sicherheit rechtfertigen, sagte Stiko-Mitglied Christian Bogdan. Belgien will zunächst nur noch Personen über 55 Jahren mit dem Präparat impfen, wie die Gesundheitsminister des Landes entschieden. Auch in Italien und in Spanien soll der Corona-Impfstoff von AstraZeneca vorerst nicht mehr an unter 60-Jährige verabreicht werden.

Unterdessen zeigte sich der Virologe Hendrik Streeck überrascht über die Empfehlung der Stiko, Menschen in Deutschland nach einer Impfung mit AstraZeneca eine Zweitimpfung mit BioNTech +3,97% oder Moderna +4,96% anzubieten. "Da sind die klinischen Studien noch nicht gelaufen. Ich hielte es für notwendig, sich an die Regeln zu halten und abzuwarten, ob die Studien erfolgreich sind", sagte er der Fuldaer Zeitung. Er halte es aber für eine "nachvollziehbare" Entscheidung, AstraZeneca bei Menschen unter 60 Jahren nicht mehr zu impfen - auch wenn der Impfstoff an sich gut und sicher sei.

Analyst bleibt bei "Buy"

Die Aktie von AstraZeneca +1,15% ist in dem ganzen Hick-Hack kräftig zurückgekommen. Seit dem Allzeithoch im Juli 2020 bei 10.000 Britische Pence hat sich ein Abwärtstrend gebildet. Bis auf 6.800 GBp fiel die Aktie an der Börse London (siehe Chart). Aktuell notiert das AstraZeneca-Papier bei 7.155 GBp. Im Xetra-Handel steht die Aktie bei 83 Euro.

12-Monats-Chart AstraZeneca (in Britische Pence, London)


Der Pharma-Konzern AstraZeneca stellt jedoch nicht nur Corona-Impfstoff her. Die Schweizer Großbank UBS hat die Einstufung für AstraZeneca +1,15% mit Blick auf den Prolylhydroxylase-Inhibitor Roxadustat auf "Buy" mit einem Kursziel von 8.000 Pence belassen. Selbst wenn das Medikament zugelassen werden sollte, stünden hinter dem kommerziellen Potenzial doch Fragen, schrieb Analyst Michael Leuchten jedoch in einer aktuellen Studie. Derzeit veranschlage er für das Mittel im Jahr 2026 einen Umsatz von etwa 600 Millionen US-Dollar.

Die Schweizer Bank Credit Suisse hat ihre Einstufung für AstraZeneca auf "Outperform" mit einem Kursziel von 9.000 Pence belassen.

Die französische Großbank Societe Generale ist noch optimistischer. SocGen hatte bereits am 23. März ihr Kursziel für AstraZeneca von 11.500 auf 12.000 Pence angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Der Pharmasektor habe sich in den vergangenen sechs Monaten unterdurchschnittlich entwickelt, schrieb Analyst Florent Cespedes in einer Branchenstudie.  (Mit Material von dpa-AFX)

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