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BioNTech und CureVac gegen Patent-Freigabe – hilft das den Aktien?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Es ist ein Dammbruch: In der Corona-Pandemie will die US-Regierung, dass Pharma-Firmen vorübergehend den Patentschutz auf ihre Corona-Impfstoffe verlieren. Dann könnten Hersteller in aller Welt die Impfstoffe produzieren, ohne Lizenzgebühren an BioNTech, Pfizer, Moderna, CureVac und Co zahlen zu müssen. Den Aktienkursen der Impfstoff-Hersteller bekommt das gar nicht gut.

Die US-Regierung hatte vorgeschlagen, dass Pharmafirmen vorübergehend den Patentschutz auf ihre Corona-Impfstoffe verlieren. Hersteller in aller Welt könnten dann die Impfstoffe produzieren, ohne Lizenzgebühren an die Unternehmen zu zahlen, die die Mittel entwickelt haben.

Für die Pharmafirmen wäre das ein Schlag. Sie lehnen den Vorschlag ab. Niemand in den ärmeren Ländern könne in weniger als sechs Monaten eine Produktion hochziehen, teilte der Verband Forschender Arzneimittel-Hersteller mit. "Und im nächsten Jahr werden die jetzigen Hersteller schon nach heutigem Planungsstand mehr Impfstoff-Dosen produzieren, als die Weltbevölkerung benötigt", sagte Verbandspräsident Han Steutel.

CureVac und BioNTech sind dagegen

Die deutschen Impfstoff-Hersteller CureVac +0,71% und BioNTech lehnten dies auch ab. "Der Herstellungsprozess von mRNA ist ein komplexer Prozess, der über mehr als ein Jahrzehnt entwickelt wurde", teilte BioNTech in Mainz mit. Es brauche erfahrenes Personal und Rohmaterialien, die für die Verwendung freigegeben werden müssten. Wenn eine der Anforderungen nicht erfüllt sei, könnten Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs weder vom Hersteller noch vom Entwickler gewährleistet werden. "Dies könnte die Gesundheit der Geimpften gefährden."

Ein Sprecher des Tübinger Biopharma-Unternehmen CureVac sagte, dass Patente nicht das entscheidende Kriterium in der Bereitstellung größtmöglicher Impfstoffmengen seien. Vielmehr sehe man den generellen Druck auf die Lieferketten als die größte Herausforderung. Dieser ergebe sich aus dem hohen Bedarf an Ausgangsmaterialien und Geräten zur selben Zeit und in hohen Mengen.

Der Sprecher fügte hinzu, im Kontext der Pandemie seien von keiner Impfstofffirma Patente eingefordert worden. Man sehe die internationale Zusammenarbeit als Schlüssel im Kampf gegen Covid-19.

Ohne Patente Gefahr gepanschter Impfstoffe

Die Pharmaindustrie argumentiert, dass sie auf eigenes Risiko Millionen in die Forschung investiert. Die allermeisten Projekte versanden irgendwann. Wenn aber einmal ein erfolgreiches Mittel dabei herauskomme, müsse das Unternehmen auch Rendite machen können, um die Investitionen wieder hereinzuholen und Aktionäre zu belohnen.

Der Verband der US-Pharmaunternehmen (PhRMA) warnte, dass es ohne Patente zur Verbreitung gepanschter Impfungen führen könne. Und der Verband der US-Biotech-Industrie (Bio) sah die Gefahr, dass andere Länder die US mit ihrer heute führende Rolle in der Biotechnologie abhängen könnten.

Alle WHO-Mitglieder müssten Patent-Freigabe zustimmen

Die Pharmafirmen, die die Technologie haben, wehren sich seit Monaten in der WTO gegen den Vorschlag Indiens und Südafrikas, den Patentschutz für Corona-Mittel vorübergehend auszusetzen. In der WTO ist das entscheidende TRIPS-Abkommen über den Schutz geistigen Eigentums hinterlegt, dort müssten alle 164 Mitgliedsländer zustimmen, bestimmte Passagen auszusetzen.

Dass Pharmafirmen für ihre Forschungsanstrengungen belohnt werden müssen, zieht nicht bei Kate Elder, Impfstoff-Expertin bei der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen". Biontech/Pfizer, Moderna und andere hätten Milliarden aus Steuergeldern bekommen, um die Forschung an Corona-Impfstoffen voranzutreiben. "Die Früchte von daraus resultierender Forschung müssen mit kompetenten Herstellern geteilt werden", fordert sie. "Öffentliche Gelder dürfen nicht umsonst sein."

Aktien der Impfstoff-Hersteller massiv unter Druck

Die Aktien von CureVac +0,71%, BioNTech +0,98%, Pfizer ±0,00%, Moderna +0,50% waren nach dem Bekanntwerden der US-Ideen eingebrochen. Die BioNTech-Aktie etwa hatte am Dienstag noch bei 185 Euro ein neues Rekordhoch markiert. Am Donnerstag kostete eine Aktie zeitweise nur noch 120 Euro.

Nach Bekanntwerden von Bedenken gegen eine Patentfreigabe auch in der EU-Kommission erholten sich BioNTech-Aktien nachbörslich wieder zeitweise auf gut 140 Euro. Man argumentiert in Brüssel, dass sich die Unterversorgung kurzfristig viel eher dadurch beheben ließe, dass die USA ihren Export-Bann aufheben. Auch Angela Merkel hat sich zurückhaltend zum US-Vorstoß geäußert. (Mit Material von dpa-AFX)

Sechs-Monats-Chart BioNTech (in Euro, Xetra)
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