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Commerzbank: Cerberus will Staatsanteil kaufen

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der Finanzinvestor Cerberus ist einem Bericht zufolge am Kauf der Staatsbeteiligung an der Commerzbank interessiert. Der Investor aus New York könne sich gut vorstellen, die Beteiligung des Bundes in Höhe von 15,6 Prozent nach der Bundestagswahl zu übernehmen, berichtete das Handelsblatt (HB) am Freitag unter Berufung auf mehrere mit dem Thema vertraute Personen.

Der Zeitung zufolge hat Cerberus-Deutschlandchef David Knower in vertraulichen Gesprächsrunden seine Bereitschaft signalisiert, einen Erwerb des Staatsanteils zu prüfen. Ob es dazu kommt, dürfte der Zeitung zufolge auch davon abhängen, wie sich die Corona-Lage und die Wirtschaft in den nächsten Monaten entwickeln – und welchen Preis die Bundesregierung für ihren Anteil haben möchte.

Beteiligte schweigen 

Die Commerzbank wollte sich zu den Informationen am Freitag nicht äußern. Bei Cerberus war zunächst niemand erreichbar. Laut Handelsblatt wollte sich der Finanzinvestor ebenfalls nicht äußern, und das Bundesfinanzministerium habe lediglich mitgeteilt: "Über den Umgang mit der Beteiligung des Finanzmarktstabilisierungsfonds an der Commerzbank entscheidet zu gegebener Zeit ein interministerieller Lenkungsausschuss."

Finanzspritze in Milliardenhöhe 

Der Staat hatte die Bank in der Finanzkrise 2008/2009 mit dem Kauf von Aktien und Bürgschaften im Umfang von mehr als 18 Milliarden Euro vor dem Untergang gerettet. Die staatlichen Hilfen hat die Bank zwischenzeitlich zurückgezahlt, allerdings ist der Bund immer noch ihr größter Aktionär.

Hoher Verlust 

Derzeit ist das Aktienpaket des Bundes an der Börse rund eine Milliarde Euro wert, gekostet hat es einst 5,1 Milliarden Euro. Nach früheren Angaben der Bundesregierung müsste der Bund je Aktie etwa 26 Euro erzielen, um das Commerzbank-Engagement ohne Verlust zu beenden. Von diesem Kursniveau ist das Papier allerdings seit Jahren weit entfernt.

Investor will Anteil erhöhen 

Cerberus ist seit 2017 an der Commerzbank beteiligt und hält derzeit etwas mehr als fünf Prozent an dem Institut. Mit seiner Beteiligung hat der Finanzinvestor bisher hohe Verluste eingefahren. Bei einer Übernahme des Staatsanteils würde der Cerberus-Anteil auf mehr als 20 Prozent steigen.

Dem "Handelsblatt zufolge halten Insider eine Veräußerung des Bundesanteils an Cerberus vor allem für den Fall für realistisch, dass FDP-Chef Christian Lindner neuer Finanzminister wird. Die Liberalen hatten sich mehrfach für einen Rückzug des Staates aus der Commerzbank ausgesprochen. "Die Bundesregierung muss jetzt eine klare Strategie finden, wie sie sich vollständig aus der Commerzbank zurückzieht", hatte Florian Toncar, finanzpolitischer Sprecher der FDP, Anfang 2019 dem "Tagesspiegel" gesagt.

Das macht die Commerzbank-Aktie

Bei den Anlegern kam die Nachricht am Freitag gut an: Die Commerzbank-Aktie -2,99% legte nach den Nachrichten kurz nach Handelsstart um gut vier Prozent auf 5,60 Euro zu. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund sieben Prozent an Wert gewonnen. 

Sechs-Monats-Chart Commerzbank (in Euro)
Mit Material von dpa-AFX.
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