DAX®15.531,75-0,72%TecDAX®3.901,55-1,27%Dow Jones 3034.798,00+0,10%Nasdaq 10015.329,68+0,09%
finanztreff.de

Commerzbank: Dieser Verlust schmerzt

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Hohe Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen haben die Commerzbank im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen gerissen und lassen einen Jahresgewinn unwahrscheinlicher werden. "Das schwabbelt ziemlich um die Nulllinie herum, das kann positiv sein, das kann aber auch negativ sein", sagte Finanzvorständin Bettina Orlopp heute in einer Telefonkonferenz auf die Frage, ob der Vorstand einen Überschuss im Gesamtjahr 2021 für möglich hält. An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an.

Unter dem Strich stand per Ende Juni ein schmerzhafter Verlust von 527 Millionen Euro in den Büchern. Ein Jahr zuvor hatte die Bank im Zeitraum April bis einschließlich Juni noch 183 Millionen Euro verdient. Die Commerzbank erklärte den Quartalsverlust unter anderem damit, dass Aufwendungen in Höhe von 511 Millionen Euro für den seit Jahresbeginn laufenden Konzernumbau gebucht wurden. Nach einem guten Start ins laufende Jahr steht nun zum Ende des ersten Halbjahres ein Verlust von 394 Millionen Euro in der Bilanz.

Analysten hatten für das zweite Quartal im Schnitt mit etwas besseren Ergebnissen gerechnet, nachdem die Commerzbank größere Belastungen im Verlauf bereits grob beziffert hatte. Branchenexperte Timo Dums von der DZ Bank sieht hohe Risiken bei der Umsetzung der Umbaupläne. Hinzu kämen Altlasten sowie die Belastungen durch das AGB-Urteil des Bundesgerichtshofs.

Vorstandschef Manfred Knof machte bei der Vorlage der Zwischenbilanz klar: Es gibt keine Alternative zu dem auf drei Jahre angelegten Konzernumbau. Der Manager betonte zugleich: "Es ist zu früh, hier zufrieden zu sein. Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon."

Knof, der die Bank seit 1. Januar führt, äußerte sich gleichwohl zufrieden: "Wir haben im ersten Halbjahr ein solides operatives Ergebnis erzielt." Im Tagesgeschäft verdiente die Bank im ersten Halbjahr 570 Millionen Euro, davon gerade einmal 32 Millionen Euro im zweiten Quartal.

Der Kurs der Commerzbank-Aktie -0,37% sackte am Vormittag um über fünf Prozent auf 5,14 Euro nach unten und rangierte damit am Ende des MDAX -0,57%. Auch die seit dem Jahreswechsel bisher erreichten Kursgewinne wurden mehr als ausradiert. Anfang Juni hatte der Commerzbank-Kurs mit 6,87 Euro noch den höchsten Stand des Jahres erreicht. Seitdem war es bereits deutlich abwärts gegangen.

12-Monats-Chart Commerzbank (in Euro, Xetra)

Im zweiten Quartal kamen ungeplante Belastungen hinzu: 200 Millionen Euro schrieb die Bank dafür ab, dass sie die unter Knofs Vorgänger Martin Zielke angeschobene Auslagerung der Wertpapierabwicklung abblies. Zudem schmälerten Rückstellungen in Höhe von 66 Millionen Euro infolge des Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH) zum Thema Bankgebühren das Quartalsergebnis.

Die Karlsruher Richter hatte Ende April entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen. Viele Bankkunden können nun einen Teil zu viel gezahlter Gebühren zurückfordern. "Alles, was wir an Gebühren seit dem Urteil vereinnahmt haben, wird automatisch in den nächsten Wochen zurückgebucht", sagte Orlopp. Kunden mit älteren Ansprüchen könnten sich an die Bank wenden.

Ein Sparkurs soll die Commerzbank, deren größter Anteilseigner der deutsche Staat ist, zurück auf Erfolgskurs bringen. Bis Ende 2024 will der Vorstand die Zahl der Vollzeitstellen konzernweit von etwa 39.500 auf 32.000 verringern. Ende Juni zählte das Institut im In- und Ausland insgesamt 38.671 Vollzeitkräfte.

Noch in diesem Jahr werden 240 Filialen in Deutschland dichtgemacht. Nach Abschluss des Konzernumbaus sollen von 790 Geschäftsstellen noch 450 übrig sein. Ziel des Managements ist, die gesamten Kosten der Bank bis Ende 2024 auf 5,3 Milliarden Euro zu drücken. Das wären rund 20 Prozent weniger als im Jahr 2020. Für das laufende Jahr bekräftigte der Vorstand das Ziel von rund 6,5 Milliarden Euro.

An der Prognose, im Gesamtjahr die Erträge - also die gesamten Einnahmen - zu steigern, hält das Management fest. Im ersten Halbjahr lagen die Erträge mit rund 4,4 Milliarden Euro um 5,5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2020 hatte das Institut rund 8,2 Milliarden Euro Erträge erzielt. Die harte Kernkapitalquote erwartet der Vorstand im Gesamtjahr bei etwa 13 Prozent. Ende Juni lag die Quote bei 13,4 Prozent. Kernkapital gilt als Puffer für Krisen. (Mit Material von dpa-AFX)

Schlagworte:
, ,
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

HSBC Trading TV

Werbung

Trading-Tipp

Börsen & Märkte

US-Marktüberblick

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Wenn Sie auf die Teilen-Buttons klicken und sich bei den Betreibern einloggen, werden Daten an den jeweiligen Betreiber übermittelt. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 39 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen