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Deutsche Bank: Hammer-Quartalszahlen

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Deutsche Bank hat mit ihren heute vorgelegten Quartalszahlen alle Erwartungen übertroffen. Vom Nachsteuergewinn von etwas über einer Milliarde Euro (Vorjahreszeitraum: 66 Millionen Euro) müssen noch Zinszahlungen für bestimmte Anleihen abgezogen werden, so dass auf die Aktionäre des Frankfurter Konzerns unter dem Strich ein Gewinn von 908 Millionen Euro entfiel. An der Börse kommt das gut an.

Mit ihrem besten Quartal seit sieben Jahren hat die Deutsche Bank den Grundstein für den angestrebten Gewinn im Gesamtjahr 2021 gelegt. "Wir können nicht nur auf ein hervorragendes Quartal zurückschauen, auch der Ausblick stimmt optimistisch", bilanzierte Konzernchef Christian Sewing am Mittwoch bei der Vorlage des Zwischenberichts in Frankfurt.

Für die Monate Januar bis März stand bei der Deutschen Bank vor Steuern ein Gewinn von rund 1,6 Milliarden Euro in den Büchern. Dennoch war Deutschlands größtem Geldhaus im Jahr der Corona-Krise die Trendwende mit dem ersten Jahresüberschuss seit dem Jahr 2014 gelungen. Die Bank wies für das vergangene Jahr 624 Millionen Euro Überschuss aus, auf die Aktionäre entfielen davon 113 Millionen Euro.

Weniger Geld für Kreditausfälle erwartet

Finanzvorstand James von Moltke wollte zwar keine konkrete Prognose zu einem Nettogewinn in diesem Jahr abgeben. Allerdings deute die gesamte Entwicklung auf ein besseres Ergebnis als 2020 hin, sagte der Manager in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. So müsse die Deutsche Bank voraussichtlich deutlich weniger Geld für drohende Kreditausfälle zurücklegen als im vergangenen Jahr, während die Erträge - also die gesamten Einnahmen - stabil bleiben dürften.

In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres konnte die Bank ihre Erträge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent auf gut 7,2 Milliarden Euro steigern. Außerdem trugen Kostensenkungen und eine deutlich von 506 Millionen auf 69 Millionen Euro verringerte Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle zum guten Abschneiden im Quartal bei.

Deutsche-Bank-Aktie mit Kurssprung

Die Deutsche-Bank-Aktie -0,18% legte am Vormittag um mehr als sieben Prozent auf 10,84 Euro zu und war damit mit Abstand Spitzenreiter im deutschen Leitindex DAX -1,78%. Seit dem Jahreswechsel hat der Kurs um mehr als ein Fünftel zugelegt. Derzeit wird die Aktie sogar etwas höher gehandelt als Mitte Februar 2020, bevor der Corona-Crash die Finanzmärkte erfasst hatte und der Aktienkurs der Deutschen Bank binnen weniger Wochen bis auf 4,449 Euro abgestürzt war.

Insgesamt wird die Deutsche Bank an der Börse derzeit mit rund 22 Milliarden Euro bewertet. Damit hat sie nach vielen schwierigen Jahren am Aktienmarkt ihre schweizerische Rivalin Credit Suisse +1,51% überholt, deren Marktkapitalisierung nach einem herben Verlust aus einem Hedgefonds-Deal auf umgerechnet weniger als 21 Milliarden Euro abgerutscht ist.

12-Monats-Chart Deutsche Bank (in Euro, Xetra)


Finanzchef von Moltke erwartet, dass die Bank in diesem Jahr insgesamt etwa 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro für drohende Kreditausfälle zur Seite legen muss. Das wäre zwar mehr als in Jahren ohne Krise, aber deutlich weniger als die 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2020.

Verheißungsvoller Ausblick

"Wir rechnen fest damit, dass die Folgen der Niedrigzinsen unsere Erträge in der Unternehmensbank und der Privatkundenbank im Vorjahresvergleich allmählich weniger stark belasten werden", erklärte Sewing. Zudem gebe es "immer mehr Indikatoren" dafür, dass sich ein erheblicher Teil des Ertragswachstums in der Investmentbank seit 2019 als nachhaltig erweisen werde. "Auch wenn sich die Märkte in den kommenden Monaten wie erwartet normalisieren, rechnen wir für 2021 nun mit ähnlich hohen Erträgen wie im sehr starken Vorjahr."

Das Kapitalmarktgeschäft brummt, die Gewinne in der Investmentbank sprudeln, obwohl das Management die Sparte im Zuge eines radikalen Konzernumbaus seit Sommer 2019 zurechtgestutzt hatte. Aus dem weltweiten Aktienhandel hat sich die Deutsche Bank zurückgezogen.

Die unrühmliche Vergangenheit des Investmentbankings mit Skandalen und teuren Rechtsstreitigkeiten will das Institut endgültig hinter sich lassen. Nun kletterten die Erträge in der Sparte im Vergleich zum Vorjahresquartal um ein Drittel auf rund 3,1 Milliarden Euro, der Vorsteuergewinn schoss von 637 Millionen Euro auf 1,49 Milliarden Euro in die Höhe.

Von Hedgefonds-Pleite kaum betroffen

Dabei kam dem Geldhaus sein Rückzug aus manch riskantem Geschäftsfeld zugute. So hatte die Pleite des US-Hedgefonds Archegos im März mehreren Kreditinstituten hohe Verluste eingebrockt. Die Credit Suisse +1,51% bezifferte ihren Schaden auf rund 5 Milliarden Schweizer Franken (4,5 Mrd Euro), ihre Nachbarin UBS -3,06% musste eine Belastung von 774 Millionen Dollar (641 Millionen Euro) schultern. Die Deutsche Bank war zwar auch in geringerem Umfang bei Archegos involviert. Sie sei aber ohne Verluste davongekommen, erklärte von Moltke.

Auch im Geschäft mit Unternehmens- und Privatkunden sowie in der Vermögensverwaltung legte die Bank zu, in allen Geschäftsbereichen stiegen den Angaben zufolge die Gewinne. "Das erste Quartal ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Deutsche Bank in allen vier Geschäftsbereichen auf dem richtigen Weg ist und nachhaltig profitabler wird", bilanzierte Sewing.

Fondstochter DWS ebenfalls mit Gewinnanstieg

Auch die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS verbuchte im ersten Quartal einen kräftigen Gewinnanstieg. Unter anderem höhere Gebühreneinnahmen ließen den Überschuss um 39 Prozent auf 169 Millionen Euro steigen. Die DWS-Aktie -3,14% rutschte jedoch in die Minus-Zone ab.

Die Deutsche Bank will ihre Kosten mit der Schließung von Filialen und dem Abbau von Personal weiter senken. Bis Ende dieses Jahres macht das Institut 97 von zuletzt 497 Standorten im Heimatmarkt dicht. Bei der zum Konzern gehörenden Postbank wird das Netz ebenfalls weiter ausgedünnt, dort werden in diesem und im kommenden Jahr jeweils 50 der zuletzt 800 Filialen geschlossen.

Der Filialabbau kostet unter dem Strich knapp 1.200 Vollzeitstellen, vor wenigen Tagen einigten sich Management und Betriebsräte auf die Modalitäten des Jobabbaus: Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestand. Der Personalabbau in den Filialen ist Teil der im Juli 2019 verkündeten Pläne, die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern bis Ende 2022 um etwa 18.000 auf weltweit 74.000 zu drücken. Ende März des laufenden Jahres beschäftigte der Konzern 84.389 Vollzeitkräfte und damit knapp 2.300 weniger als ein Jahr zuvor.

Hoffnung auf Dividende

Den Aktionären macht der Vorstand nach zwei Nullrunden bei der Dividende weiterhin Hoffnung auf bessere Zeiten: Insgesamt habe die Bank "eine sehr gute Basis, um ab dem kommenden Jahr wie geplant wieder Kapital an unsere Aktionäre ausschütten zu können", bekräftigte Sewing. Für eine künftige Gewinnausschüttung legte die Bank im ersten Quartal 300 Millionen Euro zur Seite. (Mit Material von dpa-AFX)

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