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Deutsche Telekom: Zahlen der US-Tochter beflügeln Aktie

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Deutsche Telekom kam abseits der Probleme bei der Corona-Warn-App bisher gut durch die Krise. Nach einem passablen ersten Quartal und kurz vor Bekanntgabe der Zahlen für das zweite Jahresviertel überraschte bereits die US-Tochter T-Mobile. Dank der Sprint-Übernahme glänzten die Amerikaner mit einem Umsatzsprung und unerwartet hohem operativen Gewinn.

Nachdem T-Mobile US Anfang April die Übernahme des kleineren US-Konkurrenten Sprint zum Abschluss bringen konnte, durfte sich die Telekom-Tochter im zweiten Quartal zuletzt über einen Umsatzsprung freuen. Der Nettogewinn brach jedoch aufgrund der Fusion und Belastungen durch die Corona-Krise um 88 Prozent ein. An der Börse kamen die Quartalszahlen dennoch gut an, schließlich ist T-Mobile nun nach Kundenvolumen der zweitgrößte US-Mobilfunker, hinter Verizon ±0,00% und vor AT&T -1,28% .

Vor allem wurden die Erwartungen beim operativen Ergebnis deutlich übertroffen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte mit sieben Milliarden Dollar auf gut das Doppelte. Von der Telekom befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit 6,3 Milliarden Dollar operativem Gewinn gerechnet. T-Mobile selbst hatte ebenfalls nur bis zu 6,5 Milliarden in Aussicht gestellt.

Glaubt man den vom Unternehmen gesammelten Analysten-Schätzungen, steht auch der Mutterkonzern trotz Corona-Krise insgesamt vor einem guten Abschluss des zweiten Quartals. So soll der Umsatz laut Schätzungen dank der Übernahme um rund 30 Prozent und der operative Gewinn - gemessen am um Sondereffekte und die Folgen der geänderten Leasingbilanzierung bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda AL) - soll sogar um 39 Prozent wachsen. 

Allerdings sind die Zahlen von T-Mobile US in den Schätzungen zum größten Teil noch nicht enthalten, weshalb es beim operativen Ergebnis noch spürbar mehr werden könnte. Zudem hat die Telekom den Ausblick noch nicht an die neue Konzernstruktur angepasst. 

Telekom hält Kaufoption für 101 Millionen Aktien der US-Tochter

Nach einem Deal mit dem japanischen Investor Softbank -4,43% Ende Juni hält die Telekom inzwischen Kaufoptionen für weitere 101 Millionen Aktien der US-Tochter. Bei vollständiger Ausübung würde der Mutterkonzern wieder über 50 Prozent der Anteile an T-Mobile halten. Die Kontrolle über T-Mobile US haben die Bonner dank einer Stimmrechtsvereinbarung mit den Japanern sowieso schon.

Softbank hatte als Sprint-Mehrheitseigner im Zuge des Zusammenschlusses einen Anteil von 24 Prozent am verschmolzenen Unternehmen erhalten. Nach dem nun geplanten Aktienverkauf soll dieser auf rund acht Prozent sinken. Softbank will im großen Stil die Schulden senken und Aktien zurückkaufen und braucht dafür Geld.

Analysten positiv gestimmt

Goldman-Sachs-Experte Andrew Lee zufolge profitiert die Deutsche Telekom von den Synergien die mit der schneller als erwarteten Integration von Sprint in die US-Tochter T-Mobile zusammenhängen. Hierdurch werde ihr in der Branche führender Barmittelzufluss gestärkt und der Ertrag steige.

Auch die US-Tochter wird von Goldman mit Lob bedacht: Operativer Gewinn, Abonnentenzahlen, durchschnittlicher Umsatz pro Nutzer - mit allen wichtigen Kennziffern habe T-Mobile US seine Erwartungen geschlagen, lobte Analyst Brett Feldman. Er hob einen zweiten positiven Aspekt hervor: T-Mobile US habe sich zuversichtlich gezeigt, aus dem Zusammengehen mit Sprint mehr Synergien herauszuholen und zügiger als bislang avisiert. "Wir betrachten T-Mobile US unverändert als das attraktivste Schwergewicht in der Telekom- und Kabelbranche." 

Analyst Philip Cusick von der US-Bank JPMorgan prognostizierte: "Die Kombination aus Sprint und T-Mobile US dürfte für beide Unternehmen von Vorteil sein." T-Mobile US habe bei Sprint keine größeren Abschreibungen vorgenommen. Die Aussagen von T-Mobile US zu den durchschnittlichen Umsätzen pro Nutzer im zweiten Halbjahr legten zudem die Vermutung nahe, dass die Preise in der Branche stabil seien. Cusick nannte die Aktien von T-Mobile US eine "Top Anlage-Idee". 

Das macht die Aktie der Deutschen Telekom

Die Aktien der Deutschen Telekom +0,52% gewannen nach den T-Mobile-US-Zahlen deutlich hinzu und kosteten zuletzt wieder fast 15 Euro. Im Corona-Crash war das Papier bis auf 10,41 Euro Mitte März abgestürzt. Trotz des tiefen Falls lag die Aktie immer noch mehr als zweieinhalb Euro über ihrem Rekordtief aus dem Jahr 2012. Nach der raschen Erholung liegt das aktuelle Kursniveau rund zwei Prozent über dem von Ende 2019, während der Dax im selben Zeitraum rund vier Prozent nachgab.

Mittel- und langfristig ist die Aktie jedoch eine Enttäuschung für die Anleger. So belaufen sich die Verluste in den vergangenen fünf Jahren auf fast 12 Prozent, während der deutsche Leitindex mehr als zehn Prozent zulegte. Die langfristig orientierten Anleger haben noch immer unter den katastrophalen Zeit zu Beginn des neuen Jahrtausends zu leiden. 

Mit einer Marktkapitalisierung von 71 Milliarden Euro ist der Mutterkonzern an der Börse deutlich weniger wert als die Tochter T-Mobile US. Diese kommt nach der Sprint-Übernahme dank des erwarteten Wachstumspotenzials auf dem US-Markt auf umgerechnet rund 123 Milliarden Euro. Das 43-prozentige Paket der Telekom kommt damit auf einen Börsenwert von knapp 53 Milliarden Euro.

Sechs-Monats-Chart Deutsche Telekom
Mit Material von dpa-AFX.
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