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Devisen: Droht wegen Lira-Crash eine Banken-Krise?

| Quelle: DER AKTIONÄR | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Nach einer versuchten Stabilisierung der Türkei-Währung am Donnerstag sackt die Lira zu Euro und US-Dollar am Freitag wieder ab und nähert sich den historischen Tiefständen. Der Währungsverfall sorgt zunehmend auch für Unruhe in der Eurozone. Europas Banken haben viele Kredite an türkische Unternehmer vergeben.

Am Freitag sackt die türkische Lira erneut mehr als vier Prozent zum Euro ab. Für eine Lira gibt es am Spotmarkt gerade einmal 7 Cent (siehe Chart). Allein seit Jahresbeginn hat die Währung mehr als 40 Prozent verloren.

Am Dienstag war die Lira zeitweise bis auf 0,067 Euro abgesackt. Umgekehrt erstarkte der Euro. Das Allzeithoch wurde am vergangenen Dienstag bei gut 15 Euro markiert. Am Freitag notiert der Euro bei gut 14 Lira.

Mehrere Ökonomen und Anlagestrategen zeigen sich zunehmend beunruhigt über die Währungskrise in der Türkei, schreibt heute tagesschau.de. Viele türkische Unternehmen haben demnach Kredite in Dollar oder Euro aufgenommen. Je tiefer die Lira fällt, desto größer werden die Schulden, die die türkischen Firmen bedienen müssen. Sogar ein größeres Finanzmarkt-Beben könnte vom Bosporus ausgehen.

Laut Christian Kreiß, Professor an der Hochschule Aalen für Finanzierung und Volkswirtschaftslehre, hat die Türkei derzeit Fremdwährungs-Schulden in Höhe von 576 Milliarden Dollar. Fast die Hälfte davon entfällt auf türkische Unternehmen. Ihre Fremdwährungs-Verbindlichkeiten liegen bei 240 Milliarden Dollar, schreibt tagesschau.de. Die Lira-Abwertung dürfte es vielen Firmen erschweren, ihre in Devisen aufgenommenen Kredite zurückzuzahlen. 

Auch große europäische Geldinstitute haben in der Türkei Kredite vergeben. Besonders spanische Geldhäuser seien laut älteren Zahlen der BIZ mit über 80 Milliarden Dollar in Krediten dabei. Bei französischen Banken könnten gut 35 Milliarden Dollar auf dem Spiel stehen. Deutsche Geldinstitute seien mit knapp 13 Milliarden Dollar etwa weniger stark vom Türkei-Geschäft abhängig.

Die türkische Notenbank macht derweil keine Anstalten, ihren Kurs sinkender Leitzinsen zu korrigieren, obwohl sie dies wegen der hohen Inflation eigentlich müsste. Der Druck seitens der politischen Führung, insbesondere von Staatschef Recep Tayyip Erdoğan, gilt als sehr hoch. Der Markt habe inzwischen erkannt, dass Erdogan alle Entscheidungen fälle, heißt es von Commerzbank-Analyst Tatha Ghose.

Die Regierung von Präsident Erdoğan hat laut Umfragen in der Türkei zuletzt deutlich an Zustimmung eingebüßt. Als Reaktion auf die Lira-Krise waren am Mittwoch in zehn Städten Menschen auf die Straße gegangen. In Istanbul seien in dem Zusammenhang am Mittwoch 68 Menschen festgenommen worden, sagte Anwältin Yagmur Kavak von der Anwaltsvereinigung CHD der Deutschen Presse-Agentur. Fast alle seien wieder freigelassen worden, gegen sie werde aber ermittelt. (Mit Material von dpa-AFX)

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Börsen. Briefing.,Martin Mrowka

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