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Gaspreise im Höhenflug – Gazprom profitiert

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Preisexplosion auf den Energiemärkten in Europa ruft die Politik auf den Plan. Die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten wollen das Thema bei einem Gipfel am 21. und 22. Oktober besprechen. Ratspräsident Charles Michel habe den Punkt angesichts des dramatischen Preisanstiegs auf die Agenda gesetzt, hatte ein Sprecher des Europäischen Rates am Donnerstagabend mitgeteilt. 

Der Preis für Erdgas war in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen. Die Gaspreise hätten "historische Höchststände" erreicht, sagte der Chef von Deutschlands größtem Gasimporteur Uniper -4,34% , Klaus-Dieter Maubach, vor Journalisten in Düsseldorf. Im Großhandel koste eine Megawattstunde Gas zur Lieferung im ersten Quartal kommenden Jahres inzwischen über 90 Euro, vor einem Jahr habe der Preis noch weniger als 10 Euro betragen. Ähnlich sei die Entwicklung beim Strom.

Es sei damit zur rechnen, dass die Energiepreise wegen der großen Nachfrage auf den Weltmärkten länger auf dem hohen Niveau blieben. "Die Gaspreise, die wir derzeit haben, sind ein Ergebnis einer gewissen Sorge, dass es im Winter knapp werden könnte", sagte Maubach mit Blick auf die unterdurchschnittlich gefüllten Gasspeicher in Deutschland und Europa.

Gazprom hält Lieferverträge ein 

Der Uniper-Chef nahm den russischen Energiekonzern Gazprom gegen Vorwürfe in Schutz, er habe mit einer Verknappung seiner Lieferungen den Preisanstieg verursacht. "Die Russen liefern wie in den letzten 50 Jahren zuverlässig." Alle Verträge würden eingehalten. Allerdings liefere Gazprom wohl nicht über die vereinbarten Mengen hinaus. Uniper ist der größte Gazprom-Kunde und Mitfinanzier der Gaspipeline Nord Stream 2. Maubach rechnet nicht damit, dass die ausstehenden Genehmigungen für die Ostseeleitung so schnell kommen, dass sie noch in diesem Winter helfen könnte, die Situation zu entspannen.

Starker Preisanstieg in Deutschland 

Im ersten Halbjahr 2021 sind die Privathaushalte in Deutschland bei den Energiekosten nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes noch vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Für Strom und Gas mussten sie jeweils 4,7 Prozent mehr zahlen als in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres. Der Durchschnittspreis für Strom stieg um 1,46 Cent auf 32,62 Cent je Kilowattstunde, Gas verteuerte sich um 0,29 Cent auf 6,41 Cent je Kilowattstunde, teilte die Wiesbadener Behörde am Freitag mit.

Inzwischen hat sich der Preisauftrieb in Deutschland nach Angaben von Marktbeobachtern beschleunigt. Bis zum Beginn der Heizsaison hätten 58 Gasgrundversorger bereits ihre Preise erhöht oder Preiserhöhungen angekündigt, berichtete das Vergleichsportal Check24. Im Durchschnitt betrügen die Preiserhöhungen 11,5 Prozent und beträfen gut 330 000 Haushalte. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden bedeute das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 172 Euro pro Jahr. In diesem Winter sei mit einer Welle von Gaspreiserhöhungen zu rechnen.

Das macht die Gazprom-Aktie 

Als einer der größten Gasproduzenten profitiert der russische Energiekonzern Gazprom vom gegenwärtigen Preisanstieg. Am Freitag gab die Gazprom-Aktie zwar 0,4 Prozent auf 8,56 Euro nach, Tags zuvor hatten die Papiere jedoch ein neues Sechs-Monats-Hoch bei 8,60 Euro markiert. Im bisherigen Jahresverlauf hat die Aktie rund 83 Prozent zugelegt. 

Sechs-Monats-Chart Gazprom (in Euro)
Mit Material von dpa-AFX.
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