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Handelskrieg schaukelt sich hoch – Folgt nun der große Ausverkauf bei DAX und Co.?

| Quelle: DER AKTIONÄR | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Der Handelskrieg zwischen den USA und China wird immer mehr zum Machtkampf zwischen Trump und Xi. Keiner der beiden Streithähne will nachgeben, beide wollen ihr starkes Gesicht wahren. Die Vergeltungsspirale belastet die Aktienkurse. Und das wiederum könnte dann doch zum Einlenken führen. Aber wann?

Die erneute Eskalation im Handelstreit zwischen den USA und China dürfte zumindest den Start der neuen Börsenwoche negativ beeinflussen. Am Freitag überboten sich die Streithähne mit neuen Strafzöllen. Auf Trumps bislang letzter Reaktion mit einer Erhöhung bisheriger Strafzölle um fünf Prozentpunkte, antwortete China wiederum mit der Androhung weiterer Konsequenzen.

Washington sollte die Entschlossenheit des chinesischen Volkes nicht unterschätzen und den falschen Ansatz sofort korrigieren, "da sonst alle Konsequenzen von den USA getragen werden", hieß es in einer Mitteilung des Pekinger Handelsministeriums am Samstag.

Gleichzeitig sagte ein scharf formulierter Kommentar im offiziellen Parteisprachrohr People’s Daily, dass China die Kraft habe, den Streit fortzusetzen. Man beschuldigte Washington, die Interessen seines eigenen Volkes zu opfern. Das unter dem Pseudonym "Wuyuehe" veröffentlichte Stück beschrieb die jüngsten Zollmaßnahmen der USA als "barbarisch".

US-Präsident Donald Trump ist nach eigenen Angaben nicht unter Druck von Verbündeten, den eskalierenden Handelskrieg mit China zu beenden. "Ich denke, dass sie den Handelskrieg respektieren", sagte er am Rande des G7-Gipfels in Biarritz auf eine entsprechende Frage von Reportern. "Die Antwort ist, niemand hat mir das gesagt." Bei einem Arbeitsfrühstück mit dem neuen britischen Premierminister Boris Johnson fügte Trump am Sonntag hinzu, die USA seien in "sehr ernsten Gesprächen" mit China.

Druck vom Gipfel auf Trump?

Die Handelsstreitigkeiten der USA mit China und Europa und die dadurch belastete Weltwirtschaft standen am Sonntag im Mittelpunkt der Beratungen des G7-Gipfels im südwestfranzösischen Badeort. Die G7-Partner drängten den US-Präsidenten, grundsätzlich von Strafzöllen abzusehen, um seine handelspolitischen Ziele zu erreichen.

Mit einem schnellen Ende des Handelskriegs zwischen den USA und dem Reich der Mitte ist angesichts der neuen Zölle erst einmal nicht zu rechnen. Trotz trüber Konjunkturaussichten hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann jedoch vor einer allzu negativen Einschätzung der Lage gewarnt. "Wir sollten weder in Aktionismus noch in Pessimismus verfallen", sagte Weidmann der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er sprach zwar von einer konjunkturellen Flaute, aber die deutsche Wirtschaft komme aus einem langen Aufschwung mit Rekordbeschäftigung und stark ausgelasteten Kapazitäten.

Keine Panik

In dem als schwacher Börsenmonat gefürchteten August hat der DAX bislang mehr als drei Prozent verloren, sich seit seinem Tief zur Mitte des Monats bei 11.266 Punkten aber wieder berappelt bis auf zeitweise mehr als 11.800 Punkte. Am Freitag schloss der Leitindex auf Xetra bei 11.611 Punkten. Zum Wochenstart dürfte diese Marke unterschritten werden. Eine Panik-Reaktion auf die neue Eskalation im Handelskrieg mit stark fallenden Kursen wird jedoch nicht erwartet.

"Es dürfte interessant sein, wie die Regierungschefs die konjunkturelle Situation einschätzen und wie das Thema Handelsstreit unter den G7-Staaten weiter gesehen wird", so Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank am Freitag. Er schätzt die Finanzmärkte weiterhin als sehr fragil und insgesamt schnell reizbar ein, wenn nicht der richtige Ton getroffen beziehungsweise die Ansprache verfehlt werde.

Charttechnisch besteht nach dem erneuten Unterschreiten der 200-Tage-Linie (blassgrün) nun Abwärtspotenzial zunächst bis zum August-Tief, darunter bietet das Februar-Tief bei 10.860 Punkten Unterstützung. Haben sich Trump und Xi dann immer noch nicht zu einem Handels-Deal durchgerungen, müsste mit einem weiteren 600-Punkte-Abrutscher des DAX bis auf das Dezember-Tief gerechnet werden.

Martin Mrowka

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