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Hedgefonds-Schieflage: Deutsche Bank gibt Entwarnung

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Der US-Hedgefonds Archegos Capital Management ist durch Fehlspekulationen bei den Medien-Aktien von ViacomCBS und Discovery in massive Schieflage geraten. Mehrere Banken weltweit müssen ebenfalls mit Milliarden-Verlusten rechnen. Auch die Deutsche Bank stand am Montag kräftig unter Druck. Am Dienstag relativiert sich das Bild. Ein Update.

Der Zahlungsausfall beim US-Hedgefonds Archegos Capital Management kommt mehrere Banken teuer zu stehen. Das schweizerische Institut Credit Suisse warnte gestern vor möglicherweise hohen Verlusten, nachdem ein bedeutender Hedgefonds mit Sitz in den USA in der vergangenen Woche Nachschussforderungen nicht nachgekommen sei.

Die Deutsche Bank hat ihr Engagement bei Archegos inzwischen ohne Verluste erheblich reduziert, wie sie am Abend mitteilte. Auch beim Abbau der restlichen Kundenpositionen rechne sie mit keinen Einbußen.

Unterdessen rief Archegos' Schieflage die US-Börsenaufsicht SEC auf den Plan. Die Behörde habe die Situation bereits seit vergangener Woche im Blick und stehe im Austausch mit Marktteilnehmern, sagte ein Sprecher. Eine Stellungnahme des Hedgefonds gab es zunächst nicht.

Die Aktien von Credit Suisse und des ebenfalls betroffenen japanischen Finanzkonzerns Nomura -1,93% erlitten am Montag herbe Kursverluste. Die Aktie der Deutschen Bank konnte sich dem Abwärtssog nicht ganz entziehen und gab zeitweise um sechs Prozent nach. Dabei war bereits im Tagesverlauf durchgesickert, dass das Frankfurter Geldhaus offenbar deutlich weniger stark bei Archegos engagiert war als andere Großbanken.

Bevor die Deutsche Bank +0,96% am Abend ihre Stellungnahme verschickte, war das Papier als schwächster Wert im DAX +1,34% letztlich mit einem Kursverlust von mehr als drei Prozent aus dem Handel gegangen. Die Credit-Suisse-Aktie -2,12% schloss den Handelstag in Zürich mit einem Minus von fast 14 Prozent - und war damit größter Verlierer im schweizerischen Leitindex SMI +0,56%.

Sechs-Monats-Chart Deutsche Bank (in Euro, Tradegate)


Die meisten Banken nennen ihren säumigen Kunden in ihren Mitteilungen zwar nicht beim Namen. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagenturen dpa-AFX und Bloomberg sowie anderer Medien beziehen sie sich aber allesamt auf den Hedgefonds Archegos Capital, der von Bill Hwang gegründet wurde. Die größte schweizerische Bank UBS +0,20% lehnte eine Stellungnahme zu dem Thema gänzlich ab.

Der japanische Finanzkonzern Nomura -1,93% warnte vor einem möglicherweise signifikanten Verlust bei einem US-Kunden. Die Forderung belaufe sich auf etwa zwei Milliarden Dollar. Genauer wollte sich Nomura nicht äußern.

Auch Goldman Sachs wenig betroffen

Unterdessen erwartet auch die US-Bank Goldman Sachs +1,16% durch den Ausstieg aus den Geschäften mit Archegos voraussichtlich keine hohe Belastungen, berichtete Bloomberg unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person. Die Kredite der Bank an den Hedgefonds seien vollständig abgesichert, und Goldman sei bereits aus dem Großteil der Positionen ausgestiegen. Ein Sprecher der US-Bank wollte die Sache nicht kommentieren.

Bloomberg zufolge hatte Archegos am Freitag wegen Nachschussforderungen Aktien im Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar (17 Mrd. Euro) verkaufen müssen. Das "Wall Street Journal" berichtete gar von 30 Milliarden Dollar an Verkäufen. So war es am Freitag bei den Aktien von ViacomCBS +2,79% zu einem Kurseinbruch von 27 Prozent gekommen. Auch die Kurse anderer Papiere wie Discovery +1,46% standen stark unter Druck.

Für Credit Suisse droht der Hedgefonds bereits der zweite teure Ausfall im ersten Quartal zu werden. Die Bank ist bereits von der Insolvenz des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill betroffen, in deren Zuge in Deutschland die Bremer Greensill Bank in die Pleite geschlittert ist.

CS-Aktienrückkauf in Gefahr

Nach Angaben von Credit Suisse ist es noch zu früh, den Verlust aus den Problemen mit dem US-Hedgefonds zu beziffern. Er könne aber "sehr bedeutend und wesentlich" für das Ergebnis des ersten Quartals sein. Dies gelte ungeachtet der positiven Trends, die die Bank Anfang dieses Monats angekündigt habe. Die Credit Suisse wolle zu gegebener Zeit neue Informationen zu dieser Angelegenheit veröffentlichen.

Analysten werteten die Ereignisse negativ. Man sei fast geneigt, den alten Spruch zu zitieren, dass die Bank erst kein Glück gehabt habe und dann auch noch Pech dazugekommen sei, schrieb die Zürcher Kantonalbank am Morgen. Die Bank of America (BofA) senkte ihre Schätzung für den Jahresgewinn von Credit Suisse wegen der drohenden Belastungen aus den vergangenen Wochen um eine halbe Milliarde Schweizer Franken (451 Millionen Euro) und sieht auch den Umfang des geplanten Aktienrückkaufs in Gefahr. Zudem dürfte Credit Suisse eine Phase der Selbstüberprüfung vor sich haben, schätzt BofA. (Mit Material von dpa-AFX)

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