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HelloFresh: Turnaorund dank starker Quartalszahlen

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Nach einem weiteren Quartal mit Zuwächsen will der Kochboxen-Lieferant HelloFresh in diesem Jahr noch mehr erreichen. Allerdings belasteten im Sommer erhöhte Kosten die Bilanz. Denn neben saisonal erhöhten Ausgaben nimmt Konzernchef Dominik Richter viel Geld in die Hand, um neue Produktionsanlagen zu bauen. An der Börse werden die Nachrichten mit einem Kurssprung begrüßt: Für die HelloFresh-Aktie geht es deutlich nach oben.

In den Monaten Juli bis September sprang der Umsatz verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um fast die Hälfte auf 1,4 Milliarden Euro nach oben. Analysten hatten im Schnitt mit etwas weniger gerechnet. HelloFresh profitierte zwar vor allem von deutlich mehr aktiven Kunden. Damit bezeichnet das Unternehmen Menschen, die in den vergangenen drei Monaten mindestens eine Kochbox bestellt haben. Allerdings hatten sich Experten hier mehr erhofft. Ähnlich stark entwickelte sich die Zahl bestellter Mahlzeiten, allen voran in den USA, dem für das Unternehmen wichtigsten Markt. In der Konsequenz stieg der durchschnittliche Bestellwert leicht.

Gewinneinbruch 

Operativ verdienten die Berliner aber deutlich weniger als noch vor zwölf Monaten. Grund dafür waren neben höheren Beschaffungs- und Vertriebskosten erneut gestiegene Marketingausgaben. So muss HelloFresh in den heißen Monaten etwa in Kalifornien, Texas und Florida zusätzliches Verpackungsmaterial nutzen, damit die Mahlzeiten frisch bei den Kunden ankommen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag mit 79,8 Millionen Euro gut 30 Prozent unter den 114,7 Millionen Euro aus dem Vorjahreszeitraum. Die operative Marge rutschte von 11,8 auf 5,6 Prozent ab.

Umsatzprognose angehoben 

Der Vorstand rechnet in diesem Jahr mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum zwischen 57 und 62 Prozent, wie das Unternehmen überraschend am Montagabend mitgeteilt hatte. Bislang hatte er ein Plus um 45 bis 55 Prozent in Aussicht gestellt. Dabei profitiert HelloFresh auch von der jüngst vollzogenen Übernahme des australischen Unternehmens Youfoodz, eines Anbieters von verzehrfertigen Mahlzeiten. Dieser soll etwa 0,4 Prozent zum Wachstum in diesem Jahr beitragen.

Bei dem Ziel für die operative Marge soll sich hingegen nichts ändern. So sollen weiterhin 8,25 bis 10,25 Prozent des Umsatzes als bereinigter Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) beim Unternehmen hängen bleiben. Das wäre zwar deutlich mehr, als das Unternehmen im dritten Quartal für sich verbuchen konnte – allerdings in etwa so viel wie in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Das sagen die Analysten 

Jefferies-Analyst Sebastian Patulea nannte das vorgelegte Zahlenwerk des Kochboxenlieferanten "beeindruckend". Dabei verwies er auf das angehobene Umsatzziel und die Verbesserung des operativen Ergebnisses, "insbesondere vor dem Hintergrund des Kostendrucks". Analystin Sarah Simon von der Privatbank Berenberg zeigte sich ebenfalls angetan: HelloFresh habe weit höhere Erlöse erzielt als erwartet. Damit habe das Unternehmen Befürchtungen getrotzt, dass es ähnlichem Druck ausgesetzt gewesen sein könnte wie viele Wettbewerber im E-Commerce-Bereich. Das operative Ergebnis (Ebitda) im dritten Quartal habe jedoch unter ihrer und der durchschnittlichen Markterwartung gelegen.

Verhaltener äußerte sich JPMorgan-Experte Marcus Diebel, der vor allem den Zuwachs bei den aktiven Kunden kritisierte. Die Zahl jener Menschen, die mindestens eine Box in den vergangenen drei Monaten bestellt haben, sei nicht so stark gestiegen wie von ihm erhofft. William Woods vom Analysehaus Bernstein Research bemängelte die operative Marge, die sich im Jahresvergleich halbiert habe.

Das macht die Hellofresh-Aktie 

Bei den Anlegern kommen die Zahlen gut an:  Für die HelloFresh-Aktie -0,21% geht es am Dienstag-Vormittag zeitweise um gut 14 Prozent nach oben und damit an die Spitze des DAX -1,94%. Damit erobert die Aktie die 200-Tage-Linie bei 76,66 Euro zurück und liefert ein Kaufsignal.

Sechs-Monats-Chart HelloFresh (in Euro)
Mit Material von dpa-AFX.
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