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Lufthansa: Hier ist die Airline der erste Kunde

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

 Eine neue Anlage im Emsland soll der Luftfahrtbranche das Tor zur Klimaneutralität aufstoßen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) eröffnete am Montag in Werlte eine Anlage zur Herstellung von CO2-neutralem Kerosin. Nach Angaben der Betreiber handelt es sich um die erste Anlage weltweit, die den Flugzeugkraftstoff im industriellen Maßstab synthetisch herstellen kann. "Mit den richtigen Rahmenbedingungen finden strombasierte flüssige Flugkraftstoffe jetzt den Weg aus dem Labor in den Markt", sagte Schulze.

Für Deutschland und für Partner biete die Technologie wirtschaftliche Chancen. "Deutschland ist führend im Anlagenbau, andere Länder haben viel Wind und Sonne. Wenn wir jetzt zeigen, dass diese Technologie funktioniert, schafft das auch neue Exportchancen für den Anlagenbau", betonte die Ministerin.

C02-neutrales Kerosin aus Lebensmittelresten 

Die Anlage produziert Kraftstoff für Flugzeuge synthetisch aus Wasser, erneuerbarem Strom von Windrädern aus dem Umland, Abfall-CO2 aus Lebensmittelresten einer Biogasanlage sowie CO2 aus der Umgebungsluft. Der Fachbegriff für die Technik ist "Power to Liquid" (PtL).

Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer der Betreiberin, der gemeinnützigen Klimaschutzorganisation Atmosfair aus Berlin, betonte, dass für die Produktion des grünen Kraftstoffes weder eigens Pflanzen angebaut werden müssten, noch werde Strom aus erneuerbaren Quellen vom Energiemarkt genommen. Die Anlage bezieht ihre Elektrizität zur Wasserstoffherstellung aus einem alten benachbarten Windpark der bereits aus der EEG-Förderung herausgefallen ist.

Namhafter Neukunde

Die Produktionskapazität soll nach dem Erreichen des Regelbetriebs im kommenden Jahr bei einer Tonne oder acht Fässern Rohkerosin pro Tag liegen. Erster Kunde ist die Lufthansa, beliefert wird der Flughafen Hamburg.

Mindestens 25.000 Liter des PtL-Kraftstoffes wird die Lufthansa Group in den kommenden fünf Jahren jährlich abnehmen und Kunden zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen mit. Aktuell sei die Lufthansa der größte Abnehmer nachhaltig erzeugten Flugkraftstoffes in Europa, sagte Christina Foerster, Mitglied des Konzernvorstandes Deutsche Lufthansa AG. Synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien seien das Kerosin der Zukunft. Sie ermöglichten CO2-neutralen Luftverkehr.

Lob von Umweltorganisationen 

Auf Zustimmung stößt die neue Anlage auch bei der Umweltorganisation Greenpeace, sagte deren Verkehrsexperte Benjamin Stephan. Aber klimaneutraler Kraftstoff alleine könne ihm zufolge das Klimaproblem der Airlines nicht lösen. Zwei Drittel des Klimaschadens entstehe durch Kondensstreifen in großer Höhe. Flüge innerhalb Deutschlands und auf kürzeren europäischen Strecken sollten daher umgehend ausgesetzt werden. Dafür müsse sich die nächste Bundesregierung einsetzen.

Das macht die Lufthansa-Aktie 

Die Anleger zeigten sich am Montag hingegen wenig begeistert vom neuen Treibstoff-Lieferanten. Die Lufthansa-Aktie -1,51% sackte am Nachmittag um knapp ein Prozent auf 6,17 Euro ab. Damit konnten die Papiere die 50-Tage-Linie, die aktuell bei 6,27 Euro verläuft und die nächste Hürde darstellt, nicht überwinden. 

Sechs-Monats-Chart Lufthansa (in Euro)
Mit Material von dpa-AFX.
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