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Munich Re: Naturkatastrophen bestimmen Kursverlauf

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Erst Starkregen mit Sturzfluten in Deutschland, dann Hurrikan "Ida" mit Sturmflut in den USA: Die Kräfte der Natur haben in den vergangenen Wochen viele Menschenleben gekostet und hohe Schäden verursacht. Die Versicherungsbranche muss für einen großen Teil der Schäden an Gebäuden, Betrieben und Autos geradestehen. Auch der Rückversicherer Munich Re greift tief in die Tasche – hat sein Gewinnziel für 2021 aber bisher nicht infrage gestellt. 

Die Manager der Munich Re gehören seit Jahren zu den größten Warnern und Mahnern in Sachen Klimawandel. Experten des Konzerns analysieren die Veränderung des Weltklimas, die Zunahme von Wetterextremen und versuchen künftige Entwicklungen vorherzusagen. Dieses Engagement entspricht keineswegs altruistischen Gründen – sondern gehört zur Geschäftsgrundlage des Rückversicherers.

Als die Hochwasserkatastrophe in Deutschland im Juli reihenweise Dörfer zerstörte und Menschen in den Tod riss, kam dies für die Munich Re zumindest im Prinzip nicht überraschend. "Überschwemmungen sind im Langfristvergleich nach Stürmen die Naturkatastrophe mit den weltweit höchsten Schäden", schreibt das Unternehmen. Zudem verändere der Klimawandel die Wahrscheinlichkeiten für Extremniederschläge. "Die Folge: häufigere Sturzfluten und Hochwasserkatastrophen."

Kosten von 11,5 Milliarden Euro 

Der deutsche Versichererverband GDV erwartet, dass Naturkatastrophen die Branche in diesem Jahr 11,5 Milliarden Euro kosten – und damit so viel wie nie zuvor. Seine Schadenschätzung für die Flutkatastrophe im Juli hat er bereits deutlich nach oben korrigiert – auf jetzt rund sieben Milliarden Euro. Die Zerstörungen, die Tief "Bernd" in Nachbarländern wie Belgien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz angerichtet hat, sind darin freilich nicht enthalten.

Munich-Re-Chef Joachim Wenning erwartet, dass der Konzern samt seiner Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo bei Tief "Bernd" insgesamt mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag davonkommt. Zu einer genaueren Prognose sah er sich bei der Vorlage der Quartalszahlen am 10. August noch nicht in der Lage.

Hurrikan Ida versucht Milliardenschäden

Noch tiefer muss die Versicherungsbranche wohl für die Folgen von Hurrikan "Ida" in die Tasche greifen. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister CoreLogic schätzte die gesamten Schäden durch Wind, Sturmflut und Überschwemmungen an Privatgebäuden und Betrieben am 1. September auf 27 bis 40 Milliarden US-Dollar (rund 22,8-33,8 Milliarden Euro). Davon dürfte die Versicherungsbranche etwa 14 bis 21 Milliarden Dollar tragen. Der Löwenanteil entfalle auf den Bundesstaat Louisiana, der Rest auf Mississippi und Alabama. Die Schäden, die "Ida" in den Tagen danach unter anderem in New York anrichtete, sind in den Zahlen noch nicht enthalten.

Noch sind die Aufräumarbeiten in den USA im Gange. Nach Hochwasserkatastrophen dauert es üblicherweise einige Zeit, bis die Versicherer die Schäden aufnehmen und beziffern können. Die Munich Re hat ihr Gewinnziel bisher nicht in Zweifel gezogen. Wenning peilt für das laufende Jahr bisher einen Überschuss 2,8 Milliarden Euro an. Auch erhöhte Belastungen durch die hohe Zahl der Corona-Toten in den USA sowie Südafrika und Indien ließen die Prognose bisher nicht wackeln.

Das macht die Aktie von Munich Re

Zum Wochenauftakt notierte die Aktie von Munich Re am späten Montagnachmittag knapp 0,1 Prozent im Plus bei 242,00 Euro.  Seit Beginn der Corona-Pandemie haben die Papiere von Munich Re, wie viele andere Papiere auch, eine steile Berg- und Talfahrt vollzogen. Hatte der Kurs im Februar 2020 noch ein Mehrjahreshoch bei 284 Euro erreicht, ging es im Börsen-Crash binnen weniger Wochen um mehr als die Hälfte nach unten. Danach erholte der Aktienkurs sich mit den Aktienmärkten bis Frühjahr 2021 wieder bis auf knapp 270 Euro.

Doch nach der Hochwasserkatastrophe in Europa sackte die Aktie im Juli wieder bis auf gut 215 Euro ab – um nach der Vorlage der Zwischenbilanz für das zweite Quartal im August wieder bis auf fast 260 Euro zu klettern. Doch seit sich Ende August mehrere schwere Stürme und schließlich Hurrikan "Ida" auf die US-Küsten zubewegten, drehte der Kurs wieder nach unten. Die inzwischen sichtbaren Schäden in Milliardenhöhe lassen auch für die Munich Re hohe Belastungen erwarten.

Sechs-Monats-Chart Munich Re (in Euro)
Mit Material von dpa-AFX.
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