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Nach Absturz: Teamviewer-Aktie läuft sich für Comeback warm

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Eine Software, die Zugriff auf PCs in der ganzen Welt ermöglicht - ohne das eigene Haus verlassen zu müssen. In den Augen vieler Anleger lieferte Teamviewer damit die perfekte Antwort auf die Pandemie. Tatsächlich aber legte der Softwarehersteller aus Göppingen 2021 eine Bruchlandung hin, zumindest an der Börse. Grund dafür war ein schlechtes Erwartungsmanagement: Mit zu euphorischen Prognosen vergraulte das Unternehmen die Anleger.

Für manche Beobachter am Markt ist Teamviewers Talfahrt ein Lehrstück über schlechtes Management, vor allem für schlechtes Erwartungsmanagement. Mit sehr selbstbewussten Prognosen und Marketing-Verträgen wurden Hoffnungen geweckt, die Teamviewer nicht erfüllen konnte. Im Ergebnis brach die Aktie seit Februar um fast 80 Prozent ein.

Der prominenteste Marketing-Deal war wohl der Sponsorenvertrag mit Manchester United. Fünf Jahre lang prangt das Firmenemblem der Göppinger jetzt auf der Brust der Spieler des englischen Premier-League-Fußballclubs - unter anderem auf der von Superstar Cristiano Ronaldo. Und auch beim Formel-1-Mercedes von Mehrfachweltmeister Lewis Hamilton gehört Teamviewer zu den Sponsoren.

Marketingkosten explodieren 

Dafür stockten die Schwaben das Marketingbudget für dieses Jahr soweit auf, dass Teamviewer die Ergebnisprognose rechnerisch um rund 35 Millionen Euro senken musste. Und da noch andere Marketinggelder umgewidmet wurden, dürften die Verträge sogar noch mehr als das kosten. Wenig verwunderlich, dass diese Deals den Anlegern schwer zu vermitteln waren bei einem für dieses Jahr eingeplanten Umsatz von um die 500 Millionen Euro.

Markterwartungen klar verfehlt

Im dritten Quartal wuchsen die sogenannten Billings – die bei den Laufzeitverträgen die über zwölf Monate erwarteten Rechnungseinnahmen umfassen – um 18 Prozent auf rund 126 Millionen Euro. Eigentlich hatte sich Teamviewer ein Wachstum von währungsbereinigt mindestens 20 Prozent vorgenommen, um die Jahresziele noch schaffen zu können. Die operative Marge (Ebitda) rutschte im selben Zeitraum auf rund 34 Prozent ab. Vor einem Jahr lag die Marge bei rund 55 Prozent. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 3,7 Millionen Euro nach knapp 32 Millionen vor einem Jahr.

Management ausgedünnt 

Teamviewer will 2022 das Ruder herumreißen – wobei fraglich bleibt, in welcher Zusammensetzung der Führungsspitze. Lisa Agona, Vorständin für das zuletzt so heiß diskutierte Marketing, gab im Oktober ihren Abschied bekannt - nach nur sechs Monaten. Ihr Posten ist noch vakant. Und auch Finanzchef Stefan Gaiser wird im kommenden Jahr gehen. Sicher ist, dass Oliver Steil den Vorstand weiter anführen wird. Sein Vertrag wurde bis 2024 verlängert.

Das macht die Teamviewer-Aktie

Die Teamviewer-Aktie, erste seit September 2019 an der Börse, zählte rasch zu den Corona-Gewinnern und kletterte rasch nach oben. Anfang Juli 2020 markierten die Papiere ein Rekordhoch bei rund 55 Euro. In den zehn Monaten seit dem Börsengang hatte sich der Kurs somit in etwa verdoppelt. Doch bald darauf begann der Kurs zu bröckeln: Nach einem leichten Rücksetzer im November 2020 erreichte die Aktie im Februar noch ein Jahreshoch von 49,64 Euro. Von diesem Niveau aus ging es beinahe kontinuierlich abwärts. Im März beschleunigten der Sponsorenvertrag und die gesenkte Prognose den Kursrutsch. Im Oktober musste das Management die Jahresprognose ein zweites Mal zusammenstreichen und auch gleich die mittelfristigen Ziele kassieren.

Heute bringt auch die aufkommende Omikron-Variante die Anleger offenbar nicht dazu, die Aktien des einstigen Pandemie-Gewinners zu kaufen: Der Kurs dümpelt bei gut 12 Euro nur knapp über seinem Tiefpunkt. Mit diesem Kurs bringt es Teamviewer noch auf einen Börsenwert von gut 2,4 Milliarden Euro – nur Aixtron +5,25% und Cancom +0,93% sind im MDax weniger wert. Allerdings könnten die Papiere aus charttechnischer Sicht bald die 50-Tage-Linie bei 12,69 Euro zurückerobern. Damit würden die Papiere ein erstes Kaufsignal generieren und könnten ihre Erholungsbewegung im Anschluss dynamisch nach oben fortsetzen. Gelingt es dabei, den Seitwärtskanal zwischen 12,80 und 13,90 Euro nachhaltig zu überwinden, ist der Weg bis zum Widerstand bei 14,67 Euro frei.

Sechs-Monats-Chart Teamviewer (in Euro)
Mit Material von dpa-AFX.
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