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ProSieben nach Zahlen ganz schwach im MDAX

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 hat dank unerwartet kräftig gestiegener Werbeeinnahmen im zweiten Quartal einen Rekordumsatz erwirtschaftet und seine Jahresprognose erhöht. Vorstandssprecher Rainer Beaujean sagte am Donnerstag, auch die Dating-Portale und Internet-Shops entwickelten sich positiv: "Wir sind in allen Segmenten auf Wachstumskurs."

Als Jahresumsatz peilt er weiterhin mindestens 4,4 Milliarden Euro an - den höchsten Wert in der Unternehmensgeschichte und rund 7 Prozent über dem Umsatz des Vor-Corona-Jahres 2019. Den Betriebsgewinn erwartet er bei 800 bis 840 Millionen Euro. Der Konzern investiere viel in neue Geschäftsmodelle; das zahle sich langfristig aus, sagte Beaujean. "Alle Neuinvestitionen müssen sich mit mindestens 18 Prozent verzinsen." Zugleich baut der Konzern Schulden ab.

All dies half der Aktie des Konzerns aber nichts. Am Nachmittag notierte der ProSieben-Kurs -0,31% zeitweise über sechs Prozent niedriger als noch am Vortag. Mit einem Preis unter 15 Euro lag er auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang Februar und hat auch seine 200-Tage-Linie unterschritten. Seit dem Rekordwert der letzten Monate von 19 Euro von Anfang Juni haben die ProSiebenSat.1-Papiere somit gut ein Fünftel an Wert eingebüßt. Im Fünf-Jahres-Vergleich ist der MDAX-Wert gar 70 Prozent weniger wert.

Sechs-Monats-Chart ProSiebenSat.1 Media (in Euro, Xetra)


Barclays-Analyst Julien Roch kommentierte, der Quartalsbericht habe nicht viel Neues zu Tage gebracht. Und auch das vervielfachte operative Ergebnis sei angesichts eines deutlich unter Druck geratenen Vorjahresquartals keine Überraschung gewesen. Roch betonte, die Aktie sei "nicht schlecht," die Papiere anderer Branchenunternehmen wie TF1 aus Frankreich oder Mediaset España aus Spanien seien aber günstiger bewertet.

Im zweiten Quartal erwirtschaftete ProSiebenSat.1 gut eine Milliarde Euro Umsatz und 123 Millionen Euro Gewinn. "Treiber war das Werbegeschäft, das sich noch stärker von der Pandemie erholt hat als erwartet", sagte der Vorstandssprecher. "Das Wachstum der Werbeeinnahmen hat sich im Juli fortgesetzt, getrieben von Lebensmittel, Pharma und Dienstleistungen."

Im ersten Halbjahr kam der Konzern damit auf zwei Milliarden Euro Umsatz, ein um Sondereffekte bereinigtes Betriebsergebnis von 308 Millionen und 189 Millionen Euro Gewinn. Die Entertainment-Sparte mit den Fernsehsendern samt digitalen Kanälen und Produktionsfirmen erwirtschaftete zwei Drittel des Umsatzes und mehr als drei Viertel des Betriebsgewinns.

Mit lokalen und Live-Formaten will sich ProSiebenSat.1 gegen US-Plattformen wie Netflix -1,45% behaupten. Nächste Woche zeigt Sat.1 das Eröffnungsspiel der Fußball-Bundesliga, im September startet auf ProSieben die wöchentliche Infotainmentshow der vormaligen ARD-Moderatoren Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel.

Der Umsatzzuwachs im deutlich weniger profitablen Geschäft der Internetshops und Vergleichsplattformen wurde erneut durch die Online-Parfümerie Flaconi getrieben. Für sie sucht ProSiebenSat.1 einen Käufer, der ihre internationale Expansion beflügeln kann. Bei der Dating-Sparte ParshipMeet schlugen die Konsolidierung der Meet-Gruppe und der Bereich Live-Video positiv zu Buche. Miteigentümer General Atlantic wolle seine Anteile Anfang nächsten Jahres verkaufen, "wir bleiben Mehrheitsaktionär", sagte Beaujean. (Mit Material von dpa-AFX)

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