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RTL Group: Darum steigt die Medien-Aktie so deutlich

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die RTL-Mediengruppe übernimmt die deutschen Magazingeschäfte und -marken des Hamburger Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr. Die Übernahme vereinbarten die RTL-Gruppe und der Konzern Bertelsmann, zu dem Gruner + Jahr gehört. Außerdem hat die RTL-Group gute Quartalszahlen vorgelegt.

Gruner + Jahr ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des Bertelsmann-Konzerns. Zu dem Verlag zählen Titel wie "Stern", "Geo", "Brigitte", "Essen & Trinken", "Schöner Wohnen" und "Gala". Es gehören auch jüngere Marken wie "Chefkoch" dazu. 2020 lag der Umsatz des Hamburger Zeitschriftenverlags bei rund 1,14 Milliarden Euro.

Bertelsmann- und RTL-Chef Thomas Rabe sprach von einer Zusammenführung von RTL Deutschland und Gruner + Jahr, man wolle einen crossmedialen "Champion" schaffen. Dafür soll eine Organisation geschaffen werden, Details sollen in den kommenden Monaten festgelegt werden. Der Abschluss der Transaktion ist für den 1. Januar 2022 vorgesehen, wie die RTL Group in Luxemburg mitteilte.

Zusammengerechnet wären beide Einheiten 2020 auf einen Umsatz von 2,63 Milliarden Euro gekommen. Rabe betonte, dass es sich bei der Zusammenführung nicht um ein Kosten-, sondern ein Wachstumsprogramm handele.

Es wird voraussichtlich übergreifende Ressorts geben, die Identität der einzelnen Marken soll erhalten bleiben. Jährlich könnten Synergien von rund 100 Millionen Euro erzielt werden, die mehrheitlich umsatz- also wachstumsgetrieben sind. Über die künftige Führungsstruktur der Organisation wurde noch nichts bekannt.

Der Kaufpreis beträgt nach RTL-Angaben 230 Millionen Euro ohne Barmittel und Schulden. Damit geht der wesentliche Teil des Verlags an die TV-Sendergruppe. RTL übernimmt allerdings nicht alle Geschäfte des Hamburger Verlags. So bleiben bei Bertelsmann etwa die 25-Prozent-Beteiligung an der Spiegel-Gruppe und die Beteiligung an der DDV Mediengruppe, zu der die "Sächsische Zeitung" gehört.

Die RTL-Aktie +0,59% steigt am Freitag um mehr als sechs Prozent an und steht damit an der Spitze der Tagesgewinner im SDAX. Nach den guten, heute vorgelegten Quartalszahlen hebt RTL seine Jahresprognose an.

Der diesjährige Umsatz des Medienkonzerns soll nun bei 6,5 Milliarden Euro statt wie zuvor kommuniziert 6,2 Milliarden Euro liegen. Vor allem aufgrund eines starken Wachstums der TV-Werbeumsätze zog der Gesamterlös des ersten Halbjahres an. Laut einem Händler ist eine starke erste Jahreshälfte keine komplette Überraschung, der Ausblick sei aber stärker angehoben worden als gedacht.


Im Februar war bekanntgeworden, dass die Mediengruppe RTL Deutschland und der Hamburger Zeitschriftenverlag eine stärkere Zusammenarbeit ausloten. Es sollten verschiedene Optionen geprüft werden. Das Ziel war neben einer engeren Kooperation auf verschiedenen Feldern auch die Entwicklung einer gemeinsamen Wachstumsstrategie.

Bertelsmann hält die Mehrheit an der RTL Group und setzt schon seit längerem auf die inhaltliche Verzahnung von Unternehmensbereichen. Im Medienbereich ist das deutlich zu sehen: Zeitschriftenmarken, TV und der Audiobereich tauschen Inhalte aus und gehen für Projekte Kooperationen ein. So entstehen zum Beispiel gemeinsame Dokus oder Podcasts.

Dahinter steht auch die Strategie "Champions" - also Größe in einem Marktumfeld. Bertelsmann-Chef Rabe betonte in den vergangenen Monaten immer wieder, dass er nationale "Champions" in europäischen Märkten schaffen wolle, um so auch internationalen Streaming-Konkurrenten wie Netflix +5,33% und Amazon +1,05% regional etwas entgegensetzen zu können.

Auch für andere Länder prüfte RTL Optionen, mit unterschiedlichen Ergebnissen: In Frankreich hält die RTL Group Anteile an der Fernsehgruppe M6. Diese soll bis Ende 2022 mit der französischen Sendergruppe TF1 zusammengehen. Die RTL-Gruppe würde dort zunächst ihren gesamten Anteil in das fusionierte Unternehmen einbringen und dann Anteile an den TF1-Eigentümer Bouygues +0,96% verkaufen. Am Ende will die RTL Group als zweitgrößter Aktionär am neuen Konzern beteiligt sein.

In den Niederlanden will RTL Nederland 2022 mit John de Mols Medienunternehmen Talpa Network fusionieren. Eine strategisch wichtige Rolle soll der RTL-Streamingdienst Videoland bekommen. In Belgien will sich RTL von seinen TV- und Radiosendern trennen. (Mit Material von dpa-AFX)

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