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Virgin Galactic und Amazon: Wettrennen um Weltraumtourismus

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Das Video, das Multi-Milliardär Jeff Bezos ziemlich geärgert haben dürfe, spart nicht an Dramatik. Da geht eine schemenhaft erkennbare Person eine Gangway entlang, begleitet von Lichtreflexen und unterlegt von geheimnisvoller Musik. "Astronaut 001 - Richard Branson", stellt sich der Chef der privaten Raumfahrtfirma Virgin Galactic dann vor und taucht ins Scheinwerferlicht.

Branson kündigt damit seinen ersten Trip ins All mit seinem eigenen Raumschiff für den 11. Juli an - ein Coup auf Kosten von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der mit einer eigenen Rakete neun Tage später ins All abheben will. Es geht nicht nur um das persönliche Rennen zwischen zwei Superreichen, sondern auch darum, welche Firma sich die aussichtsreichste Position im Geschäft um den Massentourismus im Weltraum erarbeitet.

Riskantes Unterfangen

Dabei war der britische Milliardär Branson mit Virgin Galactic bislang eigentlich nicht der erste Name, der zu diesem Thema einfiel. Doch nach zahlreichen Rückschlägen - dem schwersten 2014, als sein "SpaceShipTwo" bei einem Testflug über Kalifornien abstürzte und ein Pilot dabei ums Leben kam - hat sein Raumschiff "VSS Unity" im Mai nach seinen Angaben einen erfolgreichen bemannten Weltraum-Testflug absolviert.

Es war an Bord eines Trägerflugzeugs von dem kommerziellen Weltraumbahnhof Spaceport America im US-Bundesstaat New Mexico gestartet. In knapp 14 Kilometer Höhe setzte das Mutterflugzeug dann "VSS Unity" ab. Danach beschleunigte das Raumschiff mit eigenem Antrieb und erreichte eine Höhe von 89,2 Kilometern. Wenige Wochen später erhielt Virgin Galactic von der US-Luftverkehrsbehörde FAA die Erlaubnis, Touristen ins All zu bringen.

Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen zwar 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an. Es gibt jedoch keine verbindliche internationale Regelung. So haben auch Soldaten der US Air Force die Bezeichnung Astronaut erhalten, obwohl sie nur in eine Höhe von 50 Meilen (80,5 Kilometer) geflogen waren.

Auch Amazon-Gründer Bezos mischt mit

Am weitesten schien dabei aber zunächst Jeff Bezos gewesen zu sein. "New Shepard" hat er seine Rakete genannt - in Anlehnung an Alan Shepard, den ersten US-Amerikaner im All 1961. Sein Kurztrip am 20. Juli ist außerdem auf den Tag genau 52 Jahre nach der ersten Mondlandung angesetzt - und nun eben neun Tage nach Bransons Flug. "Seit meinem fünften Lebensjahr träume ich davon, ins All zu reisen", sagt der 57-jährige Bezos. 

Um diesen Traum zu verwirklichen, hat Bezos schon vor rund 20 Jahren Blue Origin gegründet. Im Westen von Texas hat die Firma in den vergangenen Jahren die Rakete "New Shepard" entwickelt und getestet. Sechs Passagiere finden in ihrer Kapsel Platz, jeder hat einen Sitz an einem der "größten Fenster im Weltraum". Mitte April hatte Blue Origin "New Shepard" zuletzt getestet. Dabei erreichten sowohl die Rakete als auch die kurz zuvor davon abgetrennte Kapsel eine Höhe von über 100 Kilometern, bevor sie zur Erde zurückkehrten. 

Vorerst nur für solvente Kunden 

Aber trotz großer Hoffnungen und Erwartungen kam bislang nicht so richtig Schwung in die All-Ausflüge. Entwicklung und Durchführung einer Raumfahrt-Mission sind mit großen Sicherheitsrisiken verbunden und extrem teuer - so dass sie bislang nur ausgebildeten Professionellen und - top fitten - Superreichen vorbehalten schienen.

Das wollen nicht nur Branson und Bezos ändern, sondern auch Tesla-Chef Elon Musk, der mit seiner Firma SpaceX schon 2018 angekündigt hatte, Touristen um den Mond zu fliegen. Nun soll es 2023 so weit sein, unter anderem mit dem japanischen Milliardär Yusaku Maezawa an Bord. Noch für dieses Jahr ist ein vom US-Milliardär Jared Isaacman bei SpaceX gebuchter Flug in den Weltraum vorgesehen. 

Das machen die Aktien von Amazon, Virgin Galactic und Tesla

Zum Wochenauftakt legte die Amazon-Aktie -0,49% am Montagmorgen rund 1,4 Prozent auf 2.946,50 Euro zu. Die Aktie von Virgin Galatic ging am Freitag mit einem Plus von 4,8 Prozent auf 45,20 Dollar aus dem Handel. Da die Wall Street zum Wochenauftakt feiertagsbedingt geschlossen bleibt und Virgin Galatic nur an den US-Börsen notiert ist, gibt es erst ab Dienstag wieder neue Kurse. Beim E-Autobauer Tesla -0,13% steht am Montagmorgen hingegen ein leichtes Minus von 0,5 Prozent auf 569,90 Euro zu Buche.

Sechs-Monats-Chart Virgin Galatic (in US-Dollar)
Mit Material von dpa-AFX.
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