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Virgin Galatic: Rakete nähert sich dem Boden

| Quelle: DER AKTIONÄR | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Virgin Galactic gilt als Vorreiter der kommerziellen Raumfahrt. Gründer Richard Branson will mit dem US-Unternehmen hoch hinaus – nach weiteren Verzögerungen und einer vergleichsweise langsamen Entwicklung befindet sich die Aktie allerdings im freien Fall Richtung Boden.

Gerade aufgrund seiner Vorreiterrolle hat Virgin Galactic in der Vergangenheit einen regelrechten Hype erlebt. Dabei wurden am Markt jedoch fundamentale Schwächen ignoriert und vermehrt emotional gehandelt. Langsam aber sicher kehren die Anleger wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wodurch die Aktie seit dem Hoch im Februar dieses Jahres fast 75 Prozent an Wert verloren hat. Tendenz weiter fallend.

Zukunftsvision: Space Tourism

Seit der Gründung 2004 hat sich im Hinblick auf den Raumfahrttourismus viel getan. Das Unternehmen hatte sich als Ziel gesetzt, bis 2020 das operative Geschäft aufzunehmen. Dieses Ziel konnte jedoch nicht eingehalten werden und wurde auf 2022 verschoben.

Doch selbst diese Zeitspanne ist laut einiger Analysten sehr optimistisch angesetzt und in Anbetracht des aktuellen Entwicklungsstandes immer noch relativ unwahrscheinlich. Der versäumte Geschäftsstart ist jedoch nicht der einzige Rückschlag. Das Raumfahrtunternehmen wollte zudem bis Ende vergangenen Jahres eine weitere Raumfähre bauen. Auch dieses Ziel konnte nicht eingehalten werden.

Virgin Galactic war zuletzt im Februar 2019 im All. Die dritte Mission sollte Ende 2020 stattfinden, scheiterte jedoch. Somit kann das Unternehmen aktuell zwei erfolgreiche und zwei fehlgeschlagene Mission vorweisen. Eine Bilanz, die gerade in dieser Branche eher bedenklich erscheint.

Sollte das Unternehmen die Geschäftstätigkeit einmal aufgenommen haben, soll ein Ticket ins All 250.000 Dollar kosten und sechs Passagiere zusammen mit zwei Piloten über 90 Kilometer in den Himmel befördern. Der Flug soll 2,5 Stunden dauern und etwas mehr als sechs Minuten Schwerelosigkeit ermöglichen.

Das Ziel: Ab 2023 jährlich 3.000 Passagiere befördern und damit einen Umsatz von 270 Millionen Dollar generieren. Zudem will Virgin Galactic durch Auftragsforschung zusätzliche Erlösquellen anzapfen.

Harte Konkurrenz

Zu den direkten Konkurrenten zählen unter anderem Blue Origin (Jeff Bezos) und SpaceX (Elon Musk). Alle drei Unternehmen wollen mit wiederkehrenden Flugsystemen Passagiere ins All befördern, gehen jedoch jeweils einen anderen Weg.

Tickets an Bord einer Blue Origin Maschine sollen zwar auch 250.000 Dollar kosten, bieten jedoch ein ganz anderes Erlebnis: Flüge sollen nur elf Minuten dauern, katapultieren die Passagiere jedoch mit einer Rakete 110 Kilometer ins All. Von den elf Minuten sollen, wie bei den 2,5 Stunden Flügen, rund sechs Minuten in Schwerelosigkeit verlaufen.

Eine gänzlich andere Strategie verfolgt Tesla-Gründer Elon Musk. SpaceX versucht, einer breiten Masse an Menschen einen Trip ins All zu ermöglichen. Mit Raumfähren, die 100 Menschen gleichzeitig befördern können, könnte ein Ticket nur 20.000 Dollar kosten. Somit wäre die Raumfahrt nicht mehr nur Astronauten und Superreichen vorbehalten.

Begrenzt verfügbar

Vergleicht man diese drei Konkurrenten direkt, kann es einem Vorkommen, als hätte Virgin Galactic das Rennen bereits verloren. Es muss jedoch immer Bedacht werden, dass wenn es ums All geht, das Angebot begrenzt ist. Viele der großen Autobauer haben in Garagen angefangen. Eine Rakete kann man jedoch nicht in einer Garage bauen. Die Hürden, die ein Unternehmen überwinden muss, um kommerzielle Raumflüge anzubieten, sind gigantisch. Gigantisch hoch und gigantisch teuer.

Dieser Umstand könnte Virgin Galactic trotz benannter Nachteile ein Stück vom Kuchen sichern. Die Wartelisten werden lang sein, die Nachfrage hoch und die Geduld vieler wohlhabender Menschen begrenzt. Anstatt Jahre auf einen Flug mit Blue Origin, oder SpaceX zu warten, könnten viele auf Virgin Galactic zurückgreifen.

Robin Balke

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