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Volkswagen: Das Problem mit dem Golf

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Volkswagen will sich vom klassischen Autobauer zum Elektroauto- und Digitalkonzern entwickeln. Auch in den neuen Golf 8 sollen zahlreiche neue Softwarefunktionen eingebaut werden – doch die Umsetzung macht Probleme. 2019 wurden nicht mal zehn Prozent der zuerst angepeilten 100.000 Golf 8 gebaut.

Einzelne sprechen hinter vorgehaltener Hand von einer zunehmend gefährlichen Lage. Was passiert, falls Volkswagen +2,76% die Schwierigkeiten bei seinem Kernprodukt nicht abstellen kann? Die Führungsetage wolle zu viel Neues auf einmal. Betriebsratschef Bernd Osterloh schäumte schon im März im Rückblick auf die ehrgeizigen Ziele: "Die Folgen dieser unrealistischen Planungen sind ein völlig überzogener Druck auf die Kolleginnen und Kollegen an den Montagelinien."

Dass die Software in vielen Exemplaren des Autos eine Art Sollbruchstelle ist, ist bereits länger deutlich. In der Firmenzeitung ging Osterloh das Top-Management an: "Hier wollten überehrgeizige Vorstände zu schnell zu viel Technik in ein Fahrzeug stopfen." Die nachjustierte "flache Anlaufkurve" ändere nichts daran, dass der Start der 8er-Reihe missraten sei. Die Zahlen seien ein Trauerspiel. Und: "Wer so mit dem Golf spielt, spielt auch mit den Arbeitsplätzen der Beschäftigten."

Die IT-Probleme reißen jedoch nicht ab, sondern sollen unverändert hoch sein. Gerade erst kamen Funktionsstörungen beim elektronischen Notrufassistenten des Golf hinzu. VW droht ein Rückruf, der Tochter Skoda ebenso, und auch Modelle bei Audi und Seat könnten betroffen sein. Für den Golf und Skoda Octavia gilt bereits ein Lieferstopp. Dabei können die Hersteller weiter anschwellende Lager in Corona-Zeiten überhaupt nicht gebrauchen.

Wie es in der Golf-Fertigung offenbar zugeht, zeigen auch zusätzliche Details, über die das Online-Wirtschaftsmagazin "Business Insider" berichtete. Demzufolge sollen etwa an einem Beispieltag im März weniger als 40 Prozent der Golf-8-Exemplare einwandfrei das Band verlassen haben. Es falle "sehr viel Nacharbeit" an, ist aus dem Werk zu hören.

Wäre das unter dem als "Mr. Qualität" geachteten wie gefürchteten, detailversessenen Ex-Chef Martin Winterkorn passiert? Unabhängig von dessen Rolle im Dieselskandal und anderen heiklen Themen glauben einige bei VW: nein. Es könnte also enger werden für Diess. Auch wenn sich Betriebsrat und IG Metall beeilten, zu versichern: An Gerüchten über einen angeblichen Umsturzplan sei nichts dran.

Die Probleme treffen dennoch einen neuralgischen Punkt – symbolisch ist kaum ein anderes Modell so wertvoll für den Konzern. "Der Golf wird zunehmend an Bedeutung verlieren, je mehr die Elektromobilität hochfährt", glaubt NordLB-Branchenexperte Frank Schwope. "Noch ist er aber das Aushängeschild von Volkswagen." Weitere Verzögerungen kämen daher "imagetechnisch einer Katastrophe" gleich. Es drohe ein "Abstrahlen auf andere Modelle".

Nach den Problemen beim Golf bleibt die Frage, ob gleiches am Ende auch für den ID.3 als zweites Großprojekt gilt. Das E-Auto soll die neu konzipierte Reihe begründen, die VW ins Elektro-Zeitalter führt. Auch hier gibt es schon Verzögerungen und einen zunächst abgespeckten Funktionsumfang. Grund: die Software.

Mit Material von dpaAFX.
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