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Wochenausblick: Bricht der DAX aus Seitwärtsrange aus?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Auch in der neuen Woche dürften am Aktienmarkt die hohen Corona-Infektionszahlen in Deutschland, Europa und noch mehr in den USA die Hauptrolle spielen. Erfolgsmeldungen zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen das Virus entfachten zuletzt keine so große Euphorie mehr, die daraus resultierenden Kurssteigerungen verpufften rasch. Vielmehr bremsen die hochschnellenden Viruszahlen.

Der DAX -0,08% schloss am Freitag bei 13.137 Punkten und verbuchte damit ein kleines Wochenplus von 0,5 Prozent. Der Leitindex kam zuletzt nicht aus seiner Seitwärtsspanne zwischen 13.000 und 13.300 Punkten heraus.

Nach dem steilen Anstieg vom Monatsanfang seien nun ausbleibende Gewinnmitnahmen Fluch und Segen zugleich, stellten die Charttechnik-Experten von Index Radar fest. Das Festhalten der Investoren an ihren Positionen trotz der hohen Kurse sei ein klares Zeichen der Stärke. "Doch je länger der nächste Aufwärtsimpuls auf sich warten lässt, desto mehr steigt die Anspannung erfahrungsgemäß", warnten sie vor einem möglichen Kursrückschlag.

Sechs-Monats-Chart DAX


Bei 13.050 DAX-Punkten sieht Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets derzeit weiterhin eine wichtige technische Unterstützung. Ob diese angesichts der Belastungen durch steigende Infektionszahlen in den kommenden Tagen noch standhalte, müsse sich zeigen.

"Impfstoffe nicht mit Silberkugeln verwechseln"

Die Landesbank Helaba erinnerte an Aussagen des Vorstandschefs Stéphane Bancel vom US-Biotech-Konzern Moderna +0,83%, dass "die neuen Impfstoffe im Kampf gegen Covid-19 nicht mit Silberkugeln verwechselt werden sollten, die die Pandemie mit einem Schuss zu eliminieren vermögen."

Und tatsächlich scheinen immer mehr Anleger inzwischen zu realisieren, dass der Weg aus der Krise noch weit sein wird und die von den Regierungen beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus länger auf den Unternehmensgewinnen lasten und die Börsenkurse ausbremsen können.

Verlängerung der Corona-Beschränkungen wahrscheinlich

Anleger werden deshalb besonders auf das für Mittwoch terminierte nächste Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder achten. "Dabei würde nicht verwundern, wenn die derzeitigen Maßnahmen verlängert und gegebenenfalls sogar nochmals verschärft werden", schrieben die Experten der Landesbank LBBW in ihrem Wochenkommentar.

Noch viel schlimmer als in Deutschland ist die Situation derzeit in den Vereinigten Staaten, wo die Coronavirus-Zahlen mit täglich fast schon 200.000 neuen Fällen zu explodieren scheinen. Regionale Beschränkungen sind daher nach Auffassung der Helaba nicht mehr zu vermeiden, auch wenn der gewählte US-Präsident Joe Biden einen landesweiten harten Lockdown bislang ausgeschlossen habe.

Auch auf dem G20-Gipfel am Wochenende spielt die Corona-Pandemie eine große Rolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat eine stärkere finanzielle Unterstützung der globalen Initiative zur Bewältigung der Corona-Pandemie gefordert. Von der Leyen rief am Samstag in einem Redebeitrag dazu auf, bis Jahresende weitere 4,5 Milliarden US-Dollar (3,8 Milliarden Euro) für die Koordinationsplattform ACT Accelerator bereitzustellen. Es gehe darum, weltweit Corona-Tests, Behandlungen und Impfungen zu ermöglichen. "Wir müssen globale Solidarität zeigen."

Was bringen die neuen Konjunkturdaten?

Welche wirtschaftlichen Folgen verlängerte Restriktionen haben werden, darüber dürften gleich am Montag der neuen Woche die Stimmungsdaten aus der Wirtschaft Aufschluss geben. Laut den Volkswirten der Commerzbank werden im Euroraum die Einkaufsmanager-Indizes für November zeigen, dass der Lockdown vor allem die Aktivität im Dienstleistungssektor mit den bereits zuvor stark beeinträchtigten Bereichen Gastronomie, Tourismus und Veranstaltungsmanagement bremst. Die Erholung in der Industrie dürfte sich dagegen fortsetzen, so die Experten.

Auch beim am Dienstag anstehenden Ifo-Geschäftsklima für Deutschland sollte es laut Commerzbank niemanden überraschen, "wenn sich angesichts des deutlichen Anstiegs der Neuinfektionszahlen und den neuerlichen Einschränkungen die Geschäftserwartungen im November deutlich verschlechtert haben."

Wird der DAX aufgestockt?

Ob der DAX -0,08% schon bald von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt wird, könnten am Dienstag die Ergebnisse der Deutschen Börse aus ihrer Investoren-Befragung zur Reform des Leitbarometers zeigen. Die Autoren des Fuchs-Börsenbriefs gehen davon aus, dass im kommenden Jahr zehn Titel mehr im DAX enthalten sein werden.

Doch da der Index weiter aufgrund der Marktkapitalisierung gewichtet bleiben solle, werde es wohl kaum größere Verschiebungen in der Branchengewichtung geben, heißt es in der aktuellen Ausgabe. Ob die deutsche Wirtschaft besser abgebildet werde, bleibe zunächst abzuwarten.

Nachzügler bei Quartalszahlen

Schließlich berichten mit dem Saatguthersteller KWS Saat +1,43% und dem Start-Up-Entwickler Rocket Internet am Dienstag zwei weitere Unternehmen über ihre jüngste Geschäftsentwicklung. Nachzügler der Berichtssaison sind zudem die beiden Immobilien-Unternehmen Aroundtown +0,51% und Instone Real Estate -0,48%, die zur Wochenmitte beziehungsweise am Donnerstag die Zahlen vorlegen.

Insgesamt könnten für den deutschen Aktienmarkt gegen Ende der neuen Woche die Impulse etwas nachlassen, da in den USA wegen eines Feiertags am Donnerstag die New Yorker Börse geschlossen ist und am Freitag der Handel dort nur verkürzt stattfindet. Dann rückt allerdings auch der "Black Friday" ins Blickfeld – in diesem Jahr in der Corona-Krise mit dem Drang zum Online-Handel unter ganz besonderen Bedingungen. (Mit Material von dpa-AFX)

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