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Wochenausblick: DAX ist reif für eine Verschnaufpause

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Kommt nach der jüngsten Aktienrallye an den Weltmärkten nun die Ernüchterung? Zumindest wächst derzeit die Gefahr eines Rückschlags. Einen ersten Vorgeschmack hat der DAX an seinem letzten Handelstag im Mai bereits geliefert. Experten mahnen vor der Sorglosigkeit, mit der Anleger nach dem Corona-Crash weltweit wieder zulangten. Denn Unsicherheiten gibt es genug.

Nach fünf Handelstagen im Plus hatte der DAX +2,84% am Freitag erstmals wieder Verluste verzeichnet. Der deutsche Leitindex verabschiedete sich bei 11.586 Punkten ins verlängerte Pfingstwochenende. Die sich abzeichnenden neuen Spannungen zwischen den USA und China angesichts der Hongkong-Krise sorgten für Zurückhaltung. Vor dem verlängerten Pfingstwochenende gingen die Investoren deshalb auf Nummer sicher.

Keine drastischen China-Maßnahmen durch US-Regierung

Am Freitag-Abend dann etwas Erleichterung: Zwar will US-Präsident Donald Trump angesichts der Einmischung Chinas im eigentlich autonomen Hongkong die vorteilhafte Behandlung der Metropole weitgehend beenden. Die Befürchtung noch drastischerer Maßnahmen der USA bewahrheitete sich vorerst jedoch nicht. Im nachbörslichen Handel zog die DAX-Indikation auf gut 11.700 Punkte an.

Tags zuvor hatte der DAX im Zuge der Erholung vom Corona-Crash mit 11.813 Punkten den höchsten Stand seit Anfang März erreicht. Trotz der jüngsten Verluste stieg der Leitindex im Mai um 6,7 Prozent. Der Wochenanstieg beträgt 4,6 Prozent.


In den Reihen hinter dem DAX gewann der MDAX +2,10% der mittelgroßen deutschen Werte im Mai sogar gut zehn Prozent auf 25.396 Zähler.

Buy in May...

Die alte Börsenweisheit "Sell in May and go away" hat sich in diesem Jahr nicht bewahrheitet. Seit dem März-Tief hat der deutsche Leitindex DAX +2,84% inzwischen um fast 40 Prozent aufgeholt. Eine solche Rallye hat der Markt laut der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) seit der Jahrtausendwende nicht mehr gesehen.

"Die Anleger reagierten zuletzt geradezu euphorisch auf den weltweit immer stärkeren Rückbau der ursprünglichen Beschränkungen", konstatiert LBBW-Experte Uwe Streich. Doch das könnte durchaus verfrüht sein. "Schließlich droht jederzeit ein Wiederaufflammen der Corona-Ansteckungszahlen", gibt der Experte zu bedenken.

Auf der anderen Seite wurde quasi als "Gegengift" von den Notenbanken immense Liquidität in die Märkte gepumpt, wodurch aus Sicht von Marktbeobachtern die jüngste Erholungsrally noch beschleunigt wurde.

Aktienkurse nehmen Erholung vorweg

Dass die Investoren derzeit angespornt würden durch Rettungspakete - wie etwa den in der abgelaufenen Woche vorgestellten EU-Corona-Fonds - und davon ausgingen, dass die tiefen ökonomischen Spuren der Krise schnell überwunden werden dürften, stimmt auch die Experten der Deka skeptisch: "Obwohl sich die Konjunktur noch immer im Rezessionsmodus befindet, schauen die Aktienmärkte schon in eine bessere Zukunft", heißt es dort.

Wie schon in der Finanzkrise - oder womöglich noch schneller - laufen dadurch die aktuellen Kurse den tatsächlichen Gewinnen der Unternehmen vorweg. Enttäuschungspotenzial scheint deshalb vorprogrammiert. So haben nach Einschätzung von Analyst Daniel Schär von der Weberbank auch "Zweitrundeneffekte" wie etwa eine Zunahme von Zahlungsausfällen bei Unternehmen mit geringer Bonität das Potenzial, "das Idealbild zu zerstören".

Gleichzeitig hängen die wieder verhärteten Fronten zwischen den USA und China wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Beim Thema Handelsstreit steht auch die neue Woche unter keinen guten Vorzeichen wegen des trotz internationaler Kritik von China besiegelten Sicherheitsgesetzes für Hongkong. Hinzu kommen die sich verstärkenden Unruhen in den USA, nachdem der dunkelhäutige George Floyd nach einem Polizeieinsatz ums Leben kam.

Die DAX-Luft wird dünner

"Aus technischer Sicht sind wir an einem gefährlichen Punkt angekommen", warnte am Freitag etwa Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners. Der Aktienmarkt sei massiv überkauft. Ein Rückschlag sei da schon eher der Normalfall als eine Überraschung.

Einige Charttechniker sehen trotz Anzeichen einer Überhitzung derweil noch etwas Luft nach oben für den DAX +2,84%. Nach dem Durchhänger am Freitag könnten die Kurse in der neuen Woche schon wieder etwas anziehen. Mittelfristig sehen die Experten das Potenzial für den deutschen Leitindex aber bei knapp 12.000 Punkten begrenzt.

Unternehmensseitig ist die Agenda für die kommende Woche eher dünn bestückt. Am Montag nach Börsenschluss informiert die Deutsche-Börse-Tochter Stoxx über die zukünftige Zusammensetzung des europäischen Leitindex EuroStoxx 50 +2,84%, am Donnerstag nachbörslich ist dann der nächste Termin für die Überprüfung der Dax-Indizes. Neben den Fraport +3,29%-Verkehrszahlen am Dienstag setzt sich des weiteren hierzulande die Saison der Online-Hauptversammlungen fort.

Konjunkturdaten im Fokus

Vergleichsweise reich gespickt ist dagegen die Konjunktur-Agenda. Nach wichtigen Stimmungsdaten aus China am Montag wird besondere Aufmerksamkeit der EZB-Ratssitzung am Donnerstag beigemessen. Neben dem Zinsentscheid rechnen etwa die Anlagenstrategen der Commerzbank damit, dass die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm um 500 Milliarden Euro erhöhen wird.

In den USA wird in der kommenden Woche mit dem großen Konjunkturpaket der Regierung gerechnet. Zudem steht am Freitag der offizielle Arbeitsmarktbericht im Mittelpunkt, dem wie üblich am Mittwoch die Daten des privaten Arbeitsmarktdienstleisters ADP vorangehen. Die Experten der Commerzbank befürchten den Wegfall weiterer zehn Millionen Arbeitsplätze im April und einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 20 Prozent. (Mit Material von dpa-AFX)

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