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Wochenausblick DAX und Co: Kommt nun die Korrektur?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Fast scheint es so, als sei die Corona-Krise vorbei – jedenfalls an der Börse: Nur elf Wochen nach dem historisch beispiellosen Corona-Crash an den Weltbörsen hat der deutsche Leitindex DAX fast schon wieder das Niveau von vor dem Ausverkauf erreicht. Nahezu 4.600 Punkte oder 55 Prozent hat sich das Börsenbarometer seit dem Crash-Tief Mitte März wieder nach oben gearbeitet. Nun jedoch könnte die Rallye ins Stocken geraten, zumal es in der neuen Woche an Impulsen für weitere Käufe mangeln dürfte. Der Aktienmarkt ist schon seit vergangener Woche ziemlich heiß gelaufen.

Ein überraschend solider US-Arbeitsmarkt war am Freitag das Sahnehäubchen einer beeindruckenden Börsenwoche. Der DAX +1,89% zog um weitere 3,4 Prozent an und ging dann bei 12.847 Punkten ins Wochenende. Der Wochengewinn summiert sich damit auf fast 11 Prozent – das war eine der besten Börsenwochen überhaupt.

Aktienindex ist heiß gelaufen

Nach dem kräftigen Kursanstieg ohne Korrektur ist der DAX nun für ebensolche fällig. Der Relative-Stärke-Indikator (RSI) ist in den überhitzten Bereich gestiegen (siehe Chart). Auch der MACD-Indikator signalisiert: Achtung! Zumindest eine mehrwöchige Seitwärts-Konsolidierung wie zuletzt im November 2019 sollte niemanden überraschen.

12-Monats-Chart DAX inkl. RSI


Der MDAX +1,26% rückte zuletzt auf 27.199 Zähler vor und kommt damit auf ein Wochenplus von gut sieben Prozent.

Der Rohölmarkt stabisiert sich unterdessen ebenfalls weiter. Die Opec und ihre Kooperationspartner (Opec+) sind sich über eine Verlängerung der aktuellen Drosselung ihrer Ölproduktion um einen weiteren Monat einig geworden. Das teilte das Ölkartell am Samstag nach Verhandlungen in Wien mit.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Bundesregierung ein 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket zur Abmilderung der Corona-Folgen aufgelegt, um mit einer niedrigeren Mehrwertsteuer, Hilfen für Kommunen, Zuschüssen für Familien und höheren Kaufprämien für Elektroautos die sieche Wirtschaft wieder zu beleben. Am Donnerstag folgte die Europäische Zentralbank mit einem um 600 Milliarden Euro auf dann 1,35 Billionen Euro aufgestockten Kaufprogramm für Anleihen. Auch dieses Geld soll die beispiellosen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abmildern.

Fed reagiert "früher und viel stärker"

Fondsmanager und Börsenbriefautor Jens Erhardt verwies auch auf die US-Notenbank Fed, die – anders als in der Finanzkrise, als man erst nach langer Aktienbaisse im Oktober 2008 angefangen habe, massiv den Geldhahn aufzudrehen – diesmal "viel früher und viel stärker stimuliert". Die Marktreaktion sei entsprechend stark, und die Fonds-Manager seien entsprechend überrascht worden, wie eine Umfrage zeige.

So nährt der Anstieg den Anstieg und der DAX schoss im Verlauf der Woche um beeindruckende fast zehn Prozent nach oben. Doch das könnte es mit den ganz großen Stimuli für die Konjunktur auch erst einmal gewesen sein. Nun dürfte es vielmehr darauf ankommen, ob und wie sehr sich die Anreize in der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen von Unternehmen niederschlagen.

Private Aktivitäten ziehen an

Anzeichen für eine spürbare Zunahme privater Aktivitäten gibt es. So ist beispielsweise die Zahl der Routenanfragen im Internet für Autofahrten in den USA, Deutschland und Frankreich seit Ende März stark gestiegen, wie aus Daten der US-Investmentbank JPMorgan hervorgeht. Seit Mitte April hat demnach auch die Zahl von Passagierflügen weltweit stark zugenommen. Kreditkartendaten lassen auf eine Erholung von Online-Reisebuchungen in den USA schließen. Mit besonders marktbewegenden Unternehmensmeldungen ist allerdings nicht zu rechnen.

Hoffnung verbreitete auch der Arbeitsmarkt in den USA. Dort hat die Beschäftigung im Mai überraschend wieder zugenommen, es wurden 2,5 Millionen neue Stellen gezählt. Analysten hatten hingegen mit einem erneut starken Rückgang der Beschäftigung gerechnet.

Richtungweisende US-Konjunkturdaten

Ob die Verbraucher in den USA in den vergangenen Wochen wieder mehr Zutrauen gefasst haben, könnte am Freitag der entsprechende Index der Uni Michigan zeigen. Im April war der Frühindikator für die Kauflaune amerikanischer Verbraucher abgestürzt, im Mai hatte er sich stabilisiert. An den Finanzmärkten setzt man auf eine Verbesserung der Stimmung der Konsumenten, deren Nachfrage einen Großteil der gesamten US-Wirtschaftsleistung ausmacht.

Die Sitzung der US-Notenbank Fed am Mittwoch droht dagegen als Antreiber für die Aktienbörsen auszufallen. Die Wahrscheinlichkeit sei gering, dass Notenbank-Chef Jerome Powell weitere große Geldspritzen ankündige, sagte Volkswirt Stefan Kipar von der Landesbank BayernLB. "Einige Programme operieren bereits ohne Obergrenze". Mit Blick auf die US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen werde sich die Fed wohl etwas weniger pessimistisch zeigen als es gegenwärtig die Finanzmärkte einschätzten. (Mit Material von dpa-AFX)

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