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Wochenausblick: DAX wackelt zwischen Corona und USA

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Nach dem schwachen Freitag könnte dem deutschen Aktienmarkt in der neuen Woche eine nächste Belastungsprobe bevorstehen. Die Augen der Anleger richten sich vor allem auf die beginnende Saison der Quartalsberichte, die am Mittwoch bevorstehende Machtübergabe in Washington und auf die Corona-Lockdowns. Hierzulande wird über eine weitere Verschärfung der Kontaktbeschränkungen beraten, da bisherige Appelle nicht den gewünschten Rückgang der Neuinfektionen brachten.

Auch wenn die Börse derzeit noch über die Einschränkungen hinweg nach vorn schaue, glaubt Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets, dass sich das Kursgeschehen davon nicht ganz abkoppeln kann. Die Rekordrallye wäre dann wohl vorerst Geschichte.

Am Freitag ging der DAX -0,96% nach dem US-Auftakt auf Tauchstation. Erst unter der Marke von 13.700 Punkten stabilisierte er sich. Am Ende gab der Leitindex um 1,4 Prozent auf 13.787 Zähler nach. Auf Wochensicht stand unterm Strich ein Minus von 1,9 Prozent.

Die Chartexperten von Index-Radar betonten aber schon vor der Verkaufswelle, dass der DAX in einer Konsolidierung spätestens bei 13.500 Punkten abgesichert sei. Bis dahin könne noch von normalen Schwankungen im Aufwärtstrend die Rede sein.

Sechs-Monats-Chart DAX

Anlagestratege Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank befürchtet, dass sich die Anleger vorerst wieder stärker auf das Infektionsgeschehen konzentrieren, jetzt wo ein neues billionenschweres Hilfsprogramm "als Antrittsgeschenk des designierten US-Präsidenten Joe Biden an Konturen gewinnt" und damit bekannt sei. Er sieht eine wachsende Gefahr, dass die Kauflaune der Anleger wegen Virus-Mutationen und immer intensiveren Mobilitätseinschränkungen nachlässt.

Mit dem erstmaligen Anstieg über 14.100 Punkte hatten die DAX-Anleger in der ersten Januar-Woche ihr Pulver verschossen. Weitere Index-Rücksetzer werden nicht ausgeschlossen. Die Chartexperten von Index-Radar bleiben indes optimistisch. "Neue Hochs bleiben auf längere Sicht weiterhin wahrscheinlich", heißt es perspektivisch von Analyst Andreas Büchler. In einer Konsolidierung sieht er den DAX spätestens bei 13.500 Punkten abgesichert.

Wall Street startet später

In der neuen Woche wird es frische Impulse von den tonangebenden US-Börsen erst am Dienstag geben: Am Montag ruht der Handel in New York am "Martin Luther King Day".

Die Blicke werden zu Wochenbeginn stattdessen wohl auf Wirtschaftszahlen aus China gerichtet, das derzeit als wichtige Stütze für die deutschen Exporte gilt. Commerzbank-Experte Schickentanz hält es für möglich, dass das chinesische Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal rund sechs Prozent zugelegt hat.

Ab Dienstag läuft dann in den USA die Berichtssaison weiter an mit Unternehmenszahlen vor allem aus dem Bankensektor und später dann auch von Technologiewerten wie Intel +4,41% oder IBM -0,15%. Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank erwartet durchaus positive Impulse, auch wenn es diese am Freitag nach den ersten Berichten der US-Banken JPMorgan +0,54% und Citigroup -1,52% zunächst nicht gab. Laut Halver könnten Jahresausblicke in den Mittelpunkt rücken, die auf Konjunkturverbesserungen abzielen.

Am Dienstag melden Bank of America, Goldman Sachs und State Street ihre Q4-Zahlen. Auch Streaming-Riese Netflix +0,48% berichtet über das abgelaufene Quartal.

Potenzielle Gewaltakte am Mittwoch?

Wenn am Mittwoch US-Präsident von Donald Trump sein Amt abgeben muss, droht der Staffelstab nicht reibungslos übergeben zu werden. Nach den jüngsten Krawallen am und im Kapitol warnt die US-Bundespolizei FBI vor potenziellen Gewaltakten rund um die Vereidigung von Joe Biden, der ein neues Hilfspaket im Umfang von 1,9 Billionen Dollar schnüren will. Thomas Gitzel von der VP Bank glaubt, dass die Ausgangssituation dafür wegen der Machtverhältnisse vor allem im Senat keine einfache ist - trotz einer mittlerweile knappen Mehrheit für die Demokraten.

Am Donnerstag entscheidet die EZB außerdem über ihre Zinspolitik. Paul Diggle von Aberdeen Standard Investments erwartet keine politischen Entscheidungen und stattdessen eher Aussagen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der erneuten Lockdowns und des Brexit-Deals. "Die Investoren werden hören wollen, wie die EZB vorgehen wird, wenn sich die Bedingungen weiter verschlechtern, und sie werden nervös werden, wenn die EZB über einen möglichen Entzug der Unterstützung sprechen sollte", so Diggle.

Fokus auf die Zinsentwicklung

Was die internationale Geldpolitik betrifft, glaubt Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank ohnehin nicht daran, dass die zuletzt gestiegenen Marktzinsen ein Niveau erreichen, das den Aktienmärkten ihr langjähriges Argument der Alternativlosigkeit nimmt. "Nein, denn die Notenbanken wissen, dass der Finanzwelt ohne ihre zinsdrückende Funktion im Extremfall die ultimative Schuldenkrise droht", argumentiert Halver.

Abgerundet wird die Agenda zu Wochenschluss von Einkaufsmanager-Daten aus der Eurozone, die als wichtiges Stimmungsbarometer in den Führungsetagen der Unternehmen gelten.

Wenige Unternehmens-Zahlen

Auf Unternehmensseite sind die Aktien von PSA und Fiat Chrysler ab Montag Geschichte, dann laufen die Autokonzerne unter dem Namen Stellantis +0,65%. Am Samstag wurde die Mega-Fusion abgeschlossen. Der neue Verbund wird vom bisherigen PSA-Chef Carlos Tavares (62) geführt und macht mit 14 Automarken wie Opel, Peugeot, Citroën, Jeep, Maserati oder Alfa Romeo in der internationalen Topliga Volkswagen +0,50% oder Toyota +0,96% Konkurrenz.

Am Montag will Finanzdienstleister Hypoport +0,22% seine Jahreszahlen präsentieren, von Fraport -0,56% kommen Verkehrszahlen.  (mmr mit Material von dpa-AFX)

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