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Wochenausblick: DAX will weiter hoch – trotz Corona- und Konjunktur-Angst

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt dürften sich auch in der neuen Woche im Zwiespalt zwischen Hoffen und Bangen bewegen. Den durchaus begründeten Hoffnungen auf eine weitere konjunkturelle Erholung (weltweit starke Frühindikatoren, fortschreitende Erholung in China) mit entsprechend steigenden Aktienkursen stehen Befürchtungen weiterhin hoher Corona-Infektionsraten vor allem in Nord- und Mittelamerika mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft gegenüber.

Zuletzt gaben am deutschen Aktienmarkt positive Wirtschaftsdaten aus Italien den Ausschlag für einen versöhnlichen Tages- und Wochenabschluss. Die italienischen Industrieunternehmen hatten sich im Mai deutlich stärker vom Einbruch in der Corona-Krise erholt als von Analysten erwartet. Auch in Frankreich legte die Industrieproduktion stärker als erwartet zu.

Der DAX +0,01% kletterte am Freitag wieder über die Marke von 12.600 Punkten, die er im Laufe der Woche mehrmals, jedoch nicht nachhaltig überwunden hatte. Letztlich gewann der Leitindex in der abgelaufenen Woche 0,8 Prozent und ging bei 12.633 Punkten ins Wochenende.

Sechs-Monats-Chart DAX


Der MDAX -0,21% der mittelgroßen Börsenwerte endete am Freitag bei knapp 26.674 Zählern, was einem bescheidenen Wochen-Plus von 0,3 Prozent entspricht.

Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank, verwies in seinem Ausblick auf die jüngsten Negativrekorde bei den US-Infektionszahlen und die damit steigende Gefahr eines erneuten Shutdown. Entsprechend dürfte der jüngste Aufschwung an den Börsen trotz weiterhin hoffnungsvoller Konjunkturdaten solange eingebremst bleiben, bis sich bei den Ansteckungen eine Entspannung andeutet, glaubt Schickentanz.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, geht davon aus, dass in vielen US-Bundestaaten wieder neue Beschränkungen notwendig sind, die auch die wirtschaftliche Erholung in den kommenden Monaten beeinträchtigen werden. "In Deutschland ist demgegenüber zwar das Infektionsgeschehen im Griff und der Anstieg bei Auftragseingängen, Exporten oder Einzelhandelsumsätzen liegt im zweistelligen Prozentbereich. Trotzdem sind auch hierzulande erst etwa 30 Prozent der durch die Corona-Krise gerissenen Lücken wieder aufgefüllt", erklärte Kater.

Gespanntes Warten auf Ausblicke der Unternehmen

Die anstehende Quartalsberichtssaison der Unternehmen dürften die Investoren mit Gelassenheit, aber auch mit Spannung verfolgen, glaubt der Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Frank Klumpp. Mit Gelassenheit, weil die Zahlen zum zweiten Quartal kaum noch negatives Überraschungspotenzial entfalten könnten. "Umso spannender sind die Hinweise auf den weiteren Geschäftsverlauf - hier dürfte sich der Nebel im Vergleich zum Vorquartal zumindest etwas lichten.

Unabhängig davon dürfte die unheilvolle gleichzeitige Rekordjagd von US-Neuinfektionen und Aktienkursen wohl kaum Bestand haben können. Die begonnene Konsolidierung an den Aktienmärkten dürfte sich daher zunächst einmal fortsetzen", prognostizierte Klumpp.

40 Prozent runter?

Kater verwies darauf, dass die Quartalsberichtssaison den bisherigen Hochpunkt der Corona-Krise beinhaltet. "Deshalb wird sie als Gradmesser gesehen, ob das Vertrauen in die Zukunft berechtigt ist, das in der starken Erholung am Aktienmarkt zum Ausdruck kommt." Die Marktteilnehmer rechneten mit einem Rückgang der Unternehmensgewinne um etwa 40 Prozent.

"Wesentlich wird jetzt sein, ob diese Einschätzung realistisch ist und ob die Ausblicke der Unternehmen die These von der raschen Erholung im kommenden Jahr bestätigen", ergänzte der DekaBank-Experte.

Berichtssaison in den USA startet

In der kommenden Woche nimmt die Berichtssaison in den USA bereits Fahrt auf: Auf der Agenda stehen 36 Unternehmen aus dem S&P-500-Index. Eröffnet wird der Zahlenreigen unter anderem von den großen US-Banken JPMorgan +0,10%, Wells Fargo +1,95%, Citigroup +2,45%, Goldman Sachs -0,28%, Morgan Stanley -0,49% und der Bank of America +0,24%.

Darüber hinaus berichten unter anderem die Fluggesellschaft Delta Air Lines +0,16%, der Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson +0,10% und der Filmstreaming-Dienst Netflix -1,63% über ihre jüngste Geschäftsentwicklung. Auch in Europa gibt es erste avisierte Zahlen vom niederländischen Halbleiter-Ausrüster ASML -0,53%.

Im DAX dürfte Wirecard -3,27% weiterhin viel Beachtung auf sich ziehen. Nach dem Milliarden-Crash von Wirecard wird das Ausmaß des Behörden-Hickhacks um die Aufsicht über den Zahlungsdienstleister und seine mutmaßlich kriminellen Geschäfte sichtbar. Nachdem sich die Finanzaufsicht BaFin in Sachen Wirecard für nur begrenzt zuständig erklärt hatte, sieht sich auch die bayerische Staatsregierung nicht in der Verantwortung. Dabei geht es um die Kontrolle von Geldwäsche, die der Bund in Teilen den Ländern übertragen hat. Am Freitag war die Wirecard-Aktie auf Xetra bei 2,34 Euro aus dem Handel gegangen. Es summiert sich ein Wochenminus von 27 Prozent.

Viele Konjunkturdaten

Konjunkturell steht in der neuen Woche unter anderem die EZB-Ratssitzung am Donnerstag im Fokus. Aus Sicht der Notenbank dürfte Schickentanz zufolge wenig Bedarf bestehen, bei den bisher eingeführten Maßnahmen zur Stützung von Konjunktur und Kapitalmärkten noch einmal nachzulegen. Von den anstehenden deutschen Wirtschaftsdaten sollten die ZEW-Konjunkturerwartungen im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Aus den USA wird ein ganzes Bündel von Konjunkturdaten erwartet, die zeigen könnten, welches Tempo die Erholung bisher aufweist. "Zwar dürfte die Entwicklung im Juni sowohl bei Einzelhandelsumsätzen als auch der Industrieproduktion durchaus positiv ausfallen, aber angesichts der immer stärker steigenden Infektionsraten und der sukzessive erfolgenden verschärften regionalen Maßnahmen gegen die Pandemie wird die Frage bleiben, inwiefern diese Erholung wieder eingebremst wird", ergänzte Schickentanz.

Ferner stehen die US-Verbraucherpreise, die regionalen Frühindikatoren von New York und Philadelphia, das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan sowie einige Daten zum Häusermarkt an.

Im Anlegerfokus dürften zudem die chinesischen Veröffentlichungen zu Handelsbilanz, Einzelhandelsumsätzen, Industrieproduktion und dem Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal sein. "Da die chinesische Konjunktur den Einbruch aufgrund der Belastungen durch Covid-19 bereits weitgehend aufgeholt hat, wird mit Spannung erwartet werden, ob und wie schnell die Erholung weiter voranschreitet", bemerkte der Commerzbank-Anlagestratege.

Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der EU

Am Freitag und Samstag stehen dann noch schwierige Verhandlungen auf dem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der EU auf der Tagesordnung. Dabei geht es um den mehrjährigen Finanzrahmen und um das Milliarden-Programm zur Bewältigung der Corona-Wirtschaftskrise. "Es wird spannend, inwieweit sich die beiden Lager, Südeuropa und übrige Staaten, über Höhe, Modalitäten und Verteilungsschlüssel verständigen werden. Eine bedeutende Wegmarke in der Geschichte der EU, an der sich entscheiden wird, ob die EU gestärkt aus dem Corona-Schock hervorgehen kann", stellte LBBW-Experte Klumpp fest. (Mit Material von dpa-AFX)

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