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Wochenausblick: Neue Hoffnung für DAX und Co

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Deutschlands Aktionäre haben eine schwankungsreiche Woche hinter sich. In den USA hatten zunehmende Inflationssorgen verbunden mit der Angst vor schneller steigenden Zinsen für Kurskapriolen gesorgt, die auch auf die hiesigen Märkte übergriffen. Zum Schluss ging es jedoch wieder aufwärts. Was macht das Inflationsgespenst in der neuen Woche? 

Der DAX -1,78% hat seinen jüngsten Rücksetzer wieder hinter sich gelassen. Dank der abermals erholten Wall Street schloss der deutsche Leitindex am Freitag 1,3 Prozent höher bei 15.416 Zählern (siehe Chart). Auf Wochensicht ergibt dies ein Plus von 0,1 Prozent. Im nachbörslichen Handel stieg die DAX-Wochenend-Indikation des Brokers IG weiter bis nahe 15.500 Punkten.

Die aktuellen Konjunkturdaten aus den USA hatten den Anlegern keinen Anreiz geliefert, die Inflationsdebatte erneut zu entfachen. So blieb der Preisauftrieb von in die USA importierten Gütern zwar hoch, aber andere Wirtschaftsnachrichten deuteten eher nicht auf eine Überhitzung der Wirtschaft hin: Die Einzelhandelsumsätze stagnierten im April überraschend und die Gesamtproduktion der Industrie stieg zuletzt nicht so stark wie von Analysten erwartet. Zudem hat sich das Konsumklima im Mai unerwartet eingetrübt.

Sechs-Monats-Chart DAX (Xetra)


Dennoch bleibe die Nervosität unter den Anlegern hoch, schrieb Portfoliomanager Thomas Altmann von QC-Partners. Christian Henke vom Handelshaus IG sagte, die Preissteigerungen dürften in den nächsten Wochen und Monaten von den Anlegern weiter ganz genau beobachtet werden. Für die Börsen bestehe letztlich aber nur dann eine Gefahr, wenn die Preise nachhaltig stiegen.

"Inflationsängste im Euroraum sogar ausgeprägter als in den USA"

In der Eurozone waren die Verbraucherpreise im April auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen. Nach Einschätzung der Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba "scheinen die Inflationsängste im Euroraum sogar ausgeprägter als in den USA" - obwohl die Konjunktur diesseits des Atlantiks derzeit weniger rund läuft als die in den Vereinigten Staaten.

Während in den USA die wirtschaftliche Aktivität mit der seit Wochen laufenden Beseitigung der Covid-19-Restriktionen deutlich steige, hinke Europa noch hinterher, sagte Robert Greil, der Chefstratege der Privatbank Merck Finck: "Mit der zunehmenden Rückkehr zur Normalität winkt zwar auch Deutschland ein deutlicher Sommeraufschwung - allerdings nicht so stark wie in den USA, wo gewaltige Fiskalprogramme der Wirtschaft einen Turbo aus der Krise heraus verleihen."

Erst ab Herbst wieder niedrigere Inflation

Greil zufolge dürfte die Inflation in den westlichen Industrieländern erst ab Herbst wieder sinken; damit schüre sie vorerst weiterhin Zinsängste, was für mehr Schwankungen an den Finanzmärkten spreche. Erst am Donnerstag war DAX -1,78% aus Furcht vor steigenden Zinsen zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende März abgesackt, bevor er sich wieder erholte.

Für Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, ist klar, dass in diesem Jahr die Inflationsraten weiter steigen werden: "Nach dem coronabedingten Preisdämpfer im letzten Jahr gibt es nun aufgrund von Impferfolgen und Lockerungen preistreibende Sondereffekte". Wenn nun diese Preissteigerungen tatsächlich gemeldet würden und sogar stärker als erwartet ausfielen, dann dürften die Inflationserwartungen spürbar ansteigen.

Noch aber bleiben die Aktienmärkte laut Kater recht gelassen: "Die Berichtssaison ist sehr gut ausgefallen, und die Aussichten auf gute Unternehmensgewinne im weiteren Jahresverlauf stützen die Börsen."

Wenig aufschlussreiche Konjunkturdaten voraus

In den kommenden Tagen fehlt es derweil dem Dekabank-Experten zufolge an echten marktbewegenden frischen Indikatoren, die die Inflationsdebatte weiter befeuern könnten. Chinesische Konjunkturdaten würden zwar am Montag wohl für den April beeindruckende zweistellige Zuwächse zum Vorjahresniveau bei Einzelhandelsumsätzen und Industrieproduktion zeigen. Das sei aber ebenso wenig eine Überraschung wie die Einkaufsmanager-Indizes in der Eurozone am Freitag, die für die Industrie kaum von ihren extrem hohen Niveaus nachgeben dürften.

Damit bleibt Kater zufolge an den Aktienmärkten Zeit, über die Inflationsentwicklung nachzudenken und der Frage nachzugehen, wann die US-Notenbank beginnen mag, aus ihrem Anleiheankaufprogramm auszusteigen. Hier werde am Mittwoch das Sitzungsprotokoll zum April-Zinsentscheid der Fed Einblicke liefern.

Risiko zu hoher Bewertungen

Analyst Christian Kahler von der DZ Bank weitete derweil den Blick und kommentierte: "Das Hauptrisiko für die Kursrallye besteht darin, dass die Aktien zu teuer werden, wie es zwischen 1998 und 2000 der Fall war." Damals sei eine der größten Spekulationsblasen der Geschichte entstanden.

Und der Boom sei nicht durch hohe Bewertungen, sondern durch eine schnelle Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank beendet worden. "Die US-Notenbank hob die Leitzinsen innerhalb kurzer Zeit um 1,75 Prozentpunkte an, was zu einem Crash am Aktienmarkt führte."

Indikatoren deuten noch weiter aufwärts

Viele Modelle deuten Kahler zufolge heute schon darauf hin, dass die Aktienmärkte überbewertet sind. Das komplexe System aber, in dem sich die Finanzmärkte bewegten, könne ein einzelner Indikator wie etwa ein Kurs-Gewinn-Verhältnis niemals abbilden. Anleger sollten daher immer mehrere Indikatoren im Blick behalten. Und die überwiegende Zahl der relevanten Indikatoren spricht laut dem DZ-Bank-Fachmann immer noch für weiter steigende Aktienkurse.

Einige Nachzügler liefern in der neuen Woche noch ihre Quartalszahlen. Am Montag kommen Ergebnisse von Aumann +0,95%, Eckert & Ziegler +3,96% sowie Ryanair -1,05%, am Dienstag Dermapharm +0,07%, am Mittwoch Porsche SE -0,13% und Sixt -1,08%. Am Donnerstag veröffentlicht dann noch CTS Eventim -0,48% seine Quartalsbilanz. Ansonsten findet eine wahre Hauptversammlungsflut statt.  (Mit Material von dpa-AFX)

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