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Abwertung der Lira: Hintergründe und Gefahren

| Quelle: FIN_BLOG | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Konnte der Verfall der Türkischen Lira erst einmal gestoppt werden? Die aktuellen Entwicklungen werden mit Sorge verfolgt. Bedenken um eine Finanzkrise und Sorge um die Ausweitung des Handelsstreits mit den USA. Erfahren Sie hier alle Hintergründe.

Die Türkische Lira ist keine Währung, welche an den internationalen Währungsmärkten eine große Rolle spielt. Dennoch wird deren Entwicklung derzeit mit Spannung und Angst verfolgt. Sie spiegelt letztlich eine Entwicklung wider, die ein ganzes Land vollzieht und deren Auswirkungen am Ende für unsere und die Weltwirtschaft entsprechende Folgen haben könnte.

Der Verfall der Türkischen Lira ist nicht neu. Vielmehr wurde hier im Blog von finanztreff.de bereits kurz nach der Wahl des Präsidenten Erdogan schon darüber berichtet. In den vergangenen fünf Wochen beschleunigte sich die Abwärtsbewegung jedoch noch einmal. Was waren hierbei die Hintergründe?

Hintergründe des Lira-Verfalls

Vor allem der Handelsstreit zwischen dem türkischen Präsidenten Erdogan und dem US-Präsidenten Trump führte zu weiteren Verwerfungen am Währungsmarkt. Der Dollar und auch der Euro zogen gegenüber der Lira stark an. Im Streit selbst geht es um diverse Vorwürfe. Der festgehaltene US-Pastor in der Türkei und die mit Sanktionen belegten türkischen Minister in den USA sind dabei wohl nur einer der Auslöser. An harten Fakten stehen Strafzölle zur Debatte, welche für Stahl aus der Türkei in den USA anfallen würden. Deren Höhe hatte US-Präsident Trump am Wochenende von 25 auf 50 Prozent verdoppelt. Man schätzt hier den Umsatz der Stahlexporte auf rund eine Milliarde pro Jahr. Eine Reaktion von Erdogan kam prompt. Wie n-tv berichtete, sagte er in einer öffentlichen Rede „"Wir werden Amerikas elektronische Produkte boykottieren". Damit sind nicht nur die Produkte von Apple gemeint. Aus einem Zollstreit könnte ein Handelskrieg entbrennen. Dies hilft sicherlich keinem der beiden Länder und strahlt nun auch auf ganz Europa ab.

Die Türkei ist der viertgrößte Exportmarkt der EU und der fünftgrößte Importeur in die Europäische Union. Eine starke Verschiebung der Währungsverhältnisse hat hierbei nicht nur für Händler starke Auswirkungen. Schon jetzt stehen zahlungskräftige Touristen bei ausgewählten Waren in der Landeswährung Lira Schlange, um von diesen Verschiebungen zu profitieren. Dazu folgendes Video auf der Handelsblatt-Seite.

Steckt die Türkei-Krise an?

Bei Investoren werden Erinnerungen an die Griechenland-Krise geweckt. Auch dort war die Ansteckungsgefahr über Investitionen von europäischen Banken gegeben und führte letztlich zu größeren Maßnahmen auf europäischer Ebene. Diese Schulden sind noch immer nicht beglichen.

Deutschland selbst ist eine Exportnation. Aus Sicht der Türkei werden hauptsächlich Waren aus China und dann gleich gefolgt von Deutschland importiert. Die Exporte aus der Türkei nach Deutschland betragen rund 10 Prozent aller Exporte. Damit spielt die Verflechtung eine große Rolle und die Währungsschwankung ebenfalls, weil mit einer schwachen Lira der Export in die Türkei für deutsche Konzerne unattraktiver wird.

Ein weiterer Punkt ist der drohende Zahlungsausfall der türkischen Anleihen. Darin sind viele europäische Banken engagiert und müssen sich nun dagegen absichern. Diese Absicherungen von Zahlungsausfällen sind aktuell so teuer bewertet, wie zur Zeit der Finanzkrise 2009 – so berichtete es der Focus. Darunter leiden aber nicht nur die Banken, sondern auch die Schwellenländer. Hierbei könnte eine Art „Flächenbrand“ entstehen, wie einige Experten schon warnen.

So gingen vor allem die Bankentitel erst einmal in Deckung. Die Commerzbank verlor auf Sicht von einer Woche 7 Prozent und die Deutsche Bank sogar 9 Prozent. Beide relativ im Gleichlauf, wenn man sich das Chartbild von einem Monat und der Erholung zuvor ansieht.

 

 

Eine weitreichende Ansteckungsgefahr auf die deutsche Wirtschaft ist sicherlich begrenzt, aber auch in vollem Umfang nicht absehbar. Daher fielen neben den Banken- auch Exportwerte in dieser Woche besonders stark und zogen den DAX um knapp 4 Prozent nach unten.

 

 

Türkische Lira im Chartbild

Natürlich versucht die Türkei, dem entgegenzuwirken. Immerhin verlor die Lira gegenüber dem US-Dollar seit Jahresbeginn um 45 Prozent.

Entsprechende Pläne liegen vor und werden bereits umgesetzt. So zum Beispiel mit einer Lockerung der Zentralbankreserven als Besicherung der Lira. Diese Lockerung entspricht einem Gegenwert von 10 Milliarden Lira, 6 Milliarden Dollar und 3 Milliarden Dollar in Gold. Ein Schritt, der wiederum den Goldkurs aktuell schwächt.

Genügen diese Summen bereits? Sie führten immerhin zu einer kleinen Gegenbewegung. Schaut man sich das Chartbild von Euro zu Türkischer Lira an, ist dies jedoch noch lange keine Trendwende, wie man im Chartbild des Euro zur Lira sehen kann.

 

 

Als weitere Schritte könnten Zinsanhebungen der Türkischen Zentralbank dienen. Hier liegt der Leitzins bereits um 15 Prozent, was schon sehr hoch ist. Weitere Interventionen sind dennoch nicht ausgeschlossen, wie das ZDF berichtet.

Daher bleibt es sehr spannend und zumindest für Touristen vermutlich noch eine Weile preiswert. Über die weitere Entwicklung halten wir Sie hier auf dem Laufenden.

Ihr Team von finanztreff.de

Bildquelle: https://pixabay.com/de/truthahn-t%C3%BCrkisch-lira-m%C3%BCnze-geld-3462514/

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