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Aktienstopp

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Ob es eine Weihnachtsrally doch noch gibt, ist seit drei oder vier Tagen offen. Ich habe deshalb am Montag auf Stopp geschaltet, wie in der Bernecker-Daily begründet. Dafür gibt es keine fundamentalen Gründe, aber hinreichend gefühlte Gründe, die zu einer Stimmungsbörse führen.

Bis vorige Woche waren Chips und Lieferketten das allgemeine Diskussionsthema. Das ergab die erste Nervosität für die Industrie und deren Ergebnisse. Wann diese Welle ausläuft, ist unklar, aber relativ gut absehbar. Sich seitens der Industrie darauf einzustellen, ist möglich und für Aktienkäufe zeigt sich ein erstes Rot-Signal.

Seit Anfang dieser Woche ist die Impfflicht das zentrale Thema. Wie in Deutschland üblich: Unglaubliche Diskussionen in allen Varianten, sogar der Ethikrat denkt darüber nach und die Staatsrechtler, ob die Impfflicht mit dem Grundgesetz übereinstimmt. Am Ende wird darüber noch das Bundesverfassungsgericht entscheiden müssen.

Über allem schwebt die Frage: Was ist eine Inflation, wie verläuft sie und welche Risiken sind darin enthalten? Da keiner der zurzeit noch tätigen Herren und Damen der Wissenschaft oder Praxis darüber etwas kennt, weiß oder zumindest ahnt, hängt dieses Thema völlig in der Luft. Mit 30 oder 35 Jahren Erfahrung lässt sich das nicht diskutieren. Die letzte Inflation endete vor gut 40 Jahren, Mittelwert für den damaligen Zyklus rund 50 Jahre. So weit, so gut. Schließlich: Die Berichtssaison ist gelaufen und die Prognosen wurden erfüllt oder sogar übererfüllt; was nun?

So weit es Umfragen und Statistiken gibt, sind die Anleger - insbesondere die Privatanleger - bis zur Halskrause mit Aktien bedient. Die Barreserve wird für die großen Fondsmanager mit 4,6 % angegeben. In Frankfurt gibt es einzelne Umfragen von Privatbanken, die auf etwa den gleichen Satz hinauslaufen. Bei den Online-Brokern sind so gut wie alle nicht in Standardwerten, sondern in den bekannten Techs oder spekulativen Titeln investiert. Wie lange geht das gut?

Ab hier beginnt die Erfahrung. Märkte, die voll investiert sind, bleiben so lange ruhig, bis der Erste nervös wird. Der Grund ist gleichgültig, aber er ist der Auslöser, dem alle anderen folgen. Er oder sie ist nicht wörtlich gemeint, sondern im Grundsatz formuliert. Prüfen Sie sich selbst: Wie lange schauen Sie noch zu, wenn Sie zum einen im Gewinn stehen und zum anderen skeptisch werden, wie die gegenwärtige Gemengelage sich auflösen kann? Mindestens ein Teilverkauf ist wichtig und notwendig. Eine höhere Barquote ist deshalb richtig, weil sie die einzige Chance ist, dass Sie im Zuge einer technischen Reaktion handlungsfähig sind. Es geht also nicht um Kauf und Verkauf aus fundamentalen Gründen, sondern weil offensichtlich ein Grenzwert erreicht ist, a) in der Sache, also den genannten Themen und b) in den Einschätzungen oder den Nerven des Marktes. Dazu kommt: Gut 95 % aller Berater nebst Banken etc. setzen auf eine unbedingte Fortsetzung der bisherigen Entwicklung. Der DAX hat inzwischen knapp 18 % im Laufe des Jahres geschafft. 20 % wäre ein Grenzwert. Also:

Aktienstopp - nicht aus Angst, sondern purer Vernunft und sinnvoller Vorsicht!

Ihr

Hans A. Bernecker  

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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