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Bankenexperten: Stresstests problematisches Instrumentarium

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 2 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem jüngsten Krisentest der europäischen Bankenaufseher hat Experte Hans-Peter Burghof seine Kritik an solchen Szenarienanalysen bekräftigt. "Stresstests sind ein problematisches Instrumentarium, weil es hypothetische Szenarien sind, bei denen nie so ganz klar ist, warum jenes und nicht ein anderes Szenario gewählt wird", sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

"Im besten Fall ist das Willkür, man kann aber auch politische Absicht dahinter vermuten", meint Burghof. "Je nach Auswahl der Kriterien können die Aufseher einzelne Banken bewusst in schlechtes Licht stellen und andere besser aussehen lassen." Burghof betonte: "Stresstests können in diesem Sinne als politische Waffe verwendet werden."

Die europäische Bankenaufsicht EBA hatte 50 Institute aus 15 Ländern auf Basis ihrer Bilanz des Corona-Krisenjahres 2020 durchrechnen lassen, wie stark Kapitalpuffer bis Ende 2023 schrumpfen würden, wenn Pandemie und Wirtschaftsflaute sich zuspitzen würden. Zusätzlich wurde ein ganzes Bündel ungünstiger Entwicklungen angenommen: steigende Arbeitslosenquote, Einbruch der Immobilienpreise, stark sinkende Auslandsnachfrage, weiter fallenden Marktzinsen. Parallel nahm die Europäische Zentralbank (EZB) weitere 51 Banken aus dem Euroraum unter die Lupe, die sie direkt beaufsichtigt.

Den am Freitagabend vorgestellten Ergebnissen zufolge würden die Institute im EBA-Krisenszenario zwar insgesamt fast ein Drittel ihrer Kapitalpuffer einbüßen. Dennoch bliebe der EU-Bankensektor insgesamt über einer Marke von zehn Prozent bei der harten Kernkapitalquote als Puffer für mögliche Rückschläge. Die sieben deutschen Banken im EBA-Test schnitten insgesamt vergleichsweise schlecht ab.

Auch der Volkswirt Stefan Best, langjähriger Bankenexperte der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), der inzwischen an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden unterrichtet, meint, man sollte solche Stresstests nicht überbewerten. "Ich halte sie nicht für glaubwürdig, weil sie von zwei Institutionen durchgeführt werden, die letztlich politisch nicht unabhängig sind." Mit solchen Tests wollten Aufseher vor allem die Öffentlichkeit beruhigen, ist Best überzeugt.

"Die Aufseher signalisieren mit dem Stresstest: Den Banken geht es im Großen und Ganzen gut", sagt auch Burghof. "Und ich glaube, dass das im Wesentlichen auch stimmt, weil die Banken von der Corona-Krise durch staatliche Maßnahmen weitgehend abgeschirmt wurden."

Zurücklehnen sollten sich nach Burghofs Dafürhalten aber auch die Institute nicht, die vergleichsweise gut durch den simulierten Krisentest gekommen sind: "Die Folgen der Niedrigzinsphase der EZB sind unverändert da, gerade die deutschen Banken haben auf der Ertragsseite nach wie vor reale Probleme."/ben/DP/zb


Quelle: dpa-AFX
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